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Die Chance ist gering, trotzdem gibt es sie
Gelten Krankheiten als unheilbar und wird durch eine medizinische Therapie trotzdem eine Heilung erzielt, sprechen Mediziner von ungewöhnlichen Krankheitsverläufen. Doch egal ob Spontanremission oder ungewöhnlicher Verlauf, Tatsache ist, dass es solche Ausnahme-Fälle gibt.
Lange Zeit standen Forscher und Mediziner solchen "Heilungen" sehr skeptisch gegenüber. Seit einigen Jahren wird versucht, wissenschaftliche Erklärungen dafür zu finden.

Vor allem in der Onkologie werden solche ungewöhnlichen Krankengeschichten naturgemäß genau beobachtet.
Erst wenn eine Patientin oder ein Patient nach fünf Jahren tumorfrei ist, geht man vorsichtig von einer Heilung aus. Und nicht einmal das trifft auf alle Tumore zu. Gerade beim Nierenzellkarzinom können auch nach Jahrzehnten Metastasen in anderen Organen auftreten. Bei gewissen Tumorarten ist die Chance auf eine Rückbildung übrigens größer. Dazu gehören Nierenzellkarzinome, schwarzer Hautkrebs und maligne Lymphome.
Spontanremissionen sind bei Säuglingen mit Neuroblastom seit langem bekannt. Bei Karzinomen der Lunge, des Magens, der Brust, oder akuter Leukämie sind hingegen kaum Fälle einer nicht erwarteten "Remission" dokumentiert. Das lässt vermuten, dass es neben psychologischen Effekten auch biologische Wirkmechanismen gegen Krankheiten geben muss. Welche Kräfte das sind, ist derzeit noch unklar.
Gesundheit und Krankheit sind erst verstehbar, wenn man auch die seelisch-geistige Dimension mit einbezieht, sagt der Brustkrebsspezialist Prof. Raimund Jakesz. Da jede Erkrankung körperliche wie auch geistige Aspekte in sich birgt, müsse man all diese Ebenen berücksichtigen.
Neben der schulmedizinischen Betreuung vermittelt Raimund Jakesz in seinen Seminaren "körperliche und geistige Heilung" - die Philosophie vom ganzheitlichen Heilen. Patientinnen und Patienten lernen dabei, wie sie Herausforderungen, wie eine schwer Krankheit, besser bewältigen können. Und sie erfahren, wie sie den Weg in das eigene Herz vertiefen.
Diese Innenschau kann schmerzhaft sein, kann Unangenehmes an die Bewusstseinsoberfläche bringen - an Verdrängtes erinnern. Diese Schritte sind meist nötig, um die Verantwortung für die eigene Krankheit mit zu übernehmen. Krankheit hat aber nichts mit Schuld, Strafe oder Sühne zu tun, sagt Prof. Jakesz, sie sei viel mehr ein Zeichen einer "Imbalance". Um gesund zu werden, müsse man das emotionale Gleichgewicht wieder herstellen.
Eine mögliche Erklärung für ungewöhnliche Krankheitsverläufe ist die Individualität der Menschen. So unterschiedlich wir sind, so unterschiedlich sprechen wir auch auf die Behandlung von Krankheiten an. Wissenschaftler am Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische Traumatologie in Wien erforschen diese Unterschiede.
Seit gut einem Jahr wird untersucht, ob eine Blutvergiftung bei Patienten auf Intensivstationen alters- und geschlechtsabhängige Gründe hat. Tatsächlich ist die Gefahr einer Sepsis, also einer über den Blutweg verbreiteten Infektion, bei Männern größer als bei Frauen.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die unterschiedliche Wirkung von Medikamenten. Hier geht man über die alters- und geschlechtsspezifischen Faktoren hinaus und berücksichtigt Übergewicht, Hormone oder Stoffwechsel. Das Fernziel ist die "Personalized Medicine" - also: die auf Personen bezogene Medizin. Derzeit ist die Wissenschaft jedoch noch weit davon entfernt, Therapien tatsächlich auf einzelne Menschen abstimmten zu können, sagen die Wissenschaftler.
Um heilende Energie zu spenden, legen Ärztinnen und Ärzte oder Therapeutinnen und Therapeuten mitunter auch die Hand auf. "Therapeutic Touch" nennt sich die Methode, die mit gezielten Berührungen die Lebensenergie zum fließen bringt und die Selbstheilungskräfte weckt.
Die Wirksamkeit dieser Energiearbeit ist durch mehr als 600 wissenschaftliche Studien bewiesen. Etwa eine zweijährige Pflegestudie am Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien belegte, dass die Anwendung von "Therapeutic Touch" die physische und psychische Befindlichkeit der PatientInnen fördert.
In über 100 Ländern wird Therapeutic Touch als komplementärmedizinische Entspannungsmethode unterrichtet und praktiziert. In Österreich wurde 1998 am Donauspital in Wien, an der Abteilung für Radioonkologie, erstmals ein Pilotprojekt mit "Therapeutic Touch" gestartet.
Auch wenn es immer wieder zu ungewöhnlich positiven Krankheitsverläufen kommt, warnen Mediziner davor darauf zu bauen. Für kranke Menschen kann es fatal sein, auf ein Wunder zu hoffen und dadurch auf schulmedizinische Therapien zu verzichten. Es wäre auch verfehlt Spontanremissionen mit psychischen Mustern zu verknüpfen. So führe weder ein fester Glaube noch ein kämpferischer Geist eher zu einer Heilung, denn leider sei es so, dass immer wieder auch besonders willensstarke Menschen an Krebs sterben müssten.
Vereinzelt bemühen sich Forscher zwar darum, das Geheimnis ungewöhnlicher Krankheitsverläufe zu enträtseln. Derzeit liegt das Phänomen Spontanremission oder Spontanheilung aber noch weitgehend im Dunkeln.
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