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Konferenz rund um die digitale Gesellschaft
Die dritte Ausgabe der re:publica machte mit dem Motto "Shift happens", also Veränderung findet statt, diesen Wandel zum Thema. An drei Tagen diskutierten Blogger, digitale Aktivisten und anderer Netzbewohner den Medienwandel: Durch soziale Medien, also Weblogs, soziale Netzwerke oder der Microbloggingdienst Twitter kann jeder im Netz zum Sender werden. Und schon längst sind soziale Medien im Mainstream der Gesellschaft angekommen, sagt Markus Beckedahl. Er ist Aktivist und Betreiber von netzpolitik.org, eines der einflussreichsten Politikblogs Deutschlands. Seit 2007 organisiert er gemeinsam mit Tanja und Jonny Häusler von spreeblick.de die re:publica.

Bereits zum dritten Mal fand Anfang April in Berlin die re:publica statt.
Traditionell ist das Programm der re:publica so breit gefächert wie das Internet selbst. Von Fragen der Privatsphäre in sozialen Netzen, des Urheberrechts, über Blogs in Afrika und im Nahen Osten, bis hin zu Krankenhauskommunikation 2.0 reicht die Palette. Doch eigentlich geht es dieses Jahr um den Medienwandel. "Shift happens", also Veränderung passiert, ist das etwas schwammige Motto. Die re:publica Macher haben es von einem millionenfach angeklickten YouTube Video mit dem Titel "Did you know" ausgeborgt. 2006 stellten zwei amerikanischen High School Lehrer eine 6-minütige Präsentation zusammen, die ihren Kollegen die Effekte der Globalisierung anschaulich machen sollte. Sie landete im Internet und wird seitdem jedes Jahr aktualisiert.
Für den re:publica Organisator Markus Beckedahl bedeuten Globalisierung und Medienwandel zweierlei: Auf der einen Seite sind Blogs und soziale Netzwerke wie Facebook keine Nische mehr, sondern im Mainstream angekommen. Schätzungsweise 200 Millionen Blogs gibt es weltweit. Facebook hat vor kurzem den 200 millionsten Nutzer registriert. Internet wird zunehmend mobil vom Mobiltelefon genutzt. Und auch der Microbloggingdienst Twitter hat mit weltweit sechs Millionen Nutzer den Durchbruch geschafft. Vor einem Jahr war Twitter noch neu und das nächste große Ding. Heute twittern viele Blogger nur noch. Das heißt sie stellen Kurznachrichten ins Netz, die kürzer sind als eine SMS und von sogenannten "followern" abonniert werden können. Die Notwasserung am Hudson River wurde auf Twitter dokumentiert, bevor die Meldung in den Nachrichten kam, genauso wie der Amoklauf in Winnenden.
Andererseits, sagt Markus Beckedahl, machen die sogenannten Qualitätsmedien, nicht zuletzt durch die weltweite Wirtschaftkrise, schwere Zeiten durch. Besonders in den USA. Die New York Times beispielsweise musste Teile ihres Sitzes in New York verkaufen, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. Viele Tageszeitungen entlassen einen Großteil ihrer Mitarbeiter oder erscheinen nur mehr Online.
Die Medienwelt wird durch das Internet kräftig durcheinandergewirbelt. Wenn die alte Medienwelt den Bach runtergeht, Journalisten entlassen und Zeitungen eingestellt werden, können da Blogs diese Lücke füllen? Nie und Nimmer ist Markus Beckedahl überzeugt. Er glaubt, guter Journalismus wird auch in Zukunft noch gebraucht. "In dieser ganzen Informationsvielfalt, wenn immer mehr Leute senden, braucht es immer noch Menschen, die das ganze einordnen und auf Glaubwürdigkeit überprüfen. Diese vermeintliche Konkurrenz, Qualitätsmedien versus Blogger, werde künstlich von Menschen in die Diskussion eingebracht, die selbst nicht wirklich im Internet aktiv sind. Aus Angst ihre klassische Gatekeeper-Position zu verlieren, verbreiten sie kulturpessimistische Untergangstimmung." Für Markus Beckedahl gehen alte und neue Medien eine Symbiose ein. "Journalisten erfahren Meinungen und Trends aus Blogs, Blogger wiederum verlinken auf die Inhalte von klassischen Medien. Es wird Zeit das Ganze mal viel entspannter zu sehen."
matrix, Sonntag, 12. April 2009, 22:30 Uhr
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