Eine Rolle so zu gestalten, dass ich für den Zuschauer die dargestellte Figur bin.
Woher kommt Ihre Kreativität?
Aus meiner Beobachtung und aus dem, was ich erlebe.
Ihr Motto lautet?
Ich habe keines.
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Premiere in Shakespeares "Wie es euch gefällt"
Nach meinem Zivildienst war die Angst vor den Aufnahmeprüfungen aber noch zu groß und so versuchte ich zunächst, mich auf dem theoretischen Weg dem Theater zu nähern. Aber der Gedanke hat mich nicht losgelassen - und ich habe es probieret. Zu meiner großen Freude hat es auch gleich geklappt", erzählt Stefan Leonhardsberger, gebürtiger Oberösterreicher aus Freistadt, Jahrgang 1985, über seine Anfänge.

Stefan Leonhardsberger
Davor studierte Leonhardsberger an der Universität Wien Geschichte und Theater-, Film-, und Medienwissenschaft.
Zu seinen Lehrern zählen Julia von Sell, Peter Wittenberg, Peter Kleinert, Elke Petri, Pierre Byland, Stefan Karthaus sowie Cornelia Crombholz.
"Es ist bei mir vorrangig die Lust am Spiel, die ich sofort entdeckt habe. Ich bin übrigens durch den Film auf die Faszination des Theaters gestoßen. Ich bin ein Film-Fan und fand es bewundernswert, wie Schauspieler Menschen - vor allem solche, denen man im Alltag nicht unbedingt begegnet - porträtieren, ihnen eine klare Gestalt geben. Das finde ich faszinierend", erläutert Leonhardsberger seinen Zugang.
Die Frage nach der Affinität zu bestimmten Charakteren, beantwortet der Nachwuchs-Schauspieler mit einem Beispiel:
"Der Fritz aus Schnitzlers 'Liebelei', zählt zu jenen Rollen, die mich bisher am Meisten fasziniert hat, weil dieses Schnitzler-Stück so psychologisch aufgebaut ist. Er versucht ständig, die Etikette zu wahren, obwohl es stark in ihm brodelt und er am Liebsten ausbrechen würde. Aber in der Zeit des Fin de Siecle ging das eben nicht. Diese Spannung in dieser Schnitzler-Figur - es war großartig, dass ich diese Rolle spielen durfte."
Seit 2006 konnte Leonhardsberger, der Rollen von Shakespeare bis Fassbinder erarbeitet hat, bereits einige Theater-Praxis am Landestheater Linz sammeln: So wirkte er unter anderem in Kreneks "Tarquin" in der Sprechrolle des Toni mit, trat 2008 in Anja Hillings "Sinn" im Eisenhand-Theater auf, spielte in Michael Endes "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" und wirkte im Rahmen des "MelosLogos"-Festivals in Weimar in einer theatralen Lesung von Hofmannsthals "Der Rosenkavalier" neben Julia Stemberger und Wolfgang Hübsch als Oktavian in der Regie von Hermann Beil mit.
"Es war eine ganz wichtige Erfahrung, aus diesem Laboratorium Schauspielschule auszubrechen und vor einem Publikum, das man nicht kennt zu spielen. Man kommt dabei dem Beruf des Schauspielers sehr viel näher", resümiert der junge Schauspieler.
"Die 'Rosenkavalier'-Lesung war für mich eine ganz wichtige Erfahrung. Mit einem so bedeutenden Regisseur wie Hermann Beil arbeiten und mit so prominenten Schauspielern auftreten zu dürfen. Ich habe mich gut auf diese Lesung vorbereitet - und es ging dann spielerischer als ich dachte."
Am 14. Mai 2009 hatte Stefan Leonhardsberger als Orlando in "Wie es euch gefällt" nach Shakespeare in der Regie von Cornelia Crombholz am Linzer Eisenhand-Theater Premiere.
"Wir haben dieses Stück gemeinsam mit der Regisseurin ausgewählt. Nachdem im Vorjahr mit Hillings 'Sinn' ein modernes Stück aufgeführt wurde, wollten wir diesmal einen klassischen Text und haben uns für diese Shakespeare-Komödie entschieden", berichtet der junge Schauspieler über diese Koproduktion von Bruckner Privatuniversität und Linzer Landestheater, die sechs Mal gezeigt wurde.

Seine erste Premiere am Theater Ingolstadt, wo Stefan Leonhardsberger für zwei Jahre engagiert ist, hat der erfolgreiche Nachwuchs-Schauspieler im kommenden Herbst in Brechts "Heiliger Johanna der Schlachthöfe".
Und im Frühjahr wurde der junge Künstler mit einer erfreulichen Nachricht überrascht: er erhielt einen Zwei-Jahre-Vertrag für das Schauspielhaus Ingolstadt:
"Das habe ich Regisseurin Cornelia Crombholz zu verdanken. Denn Vorsprechen sind eigentlich nicht für das dritte Jahr geplant. Sie kam in eine Probe und sagte zu mir und meinen Kollegen, dass der Intendant von Ingolstadt noch einen jungen Schauspieler sucht. Und so fuhren wir hin.
Ich hatte den Vorteil, locker zu sein, weil ich keine Erwartungshaltung hatte, sondern es als Erfahrung für die künftigen Vorsprechen sah. Bereits am Tag nach meinem Vorsprechen kam der Anruf aus Ingolstadt, dass man mir einen Vertrag anbietet. Im ersten Moment konnte ich es gar nicht glauben", freut sich Stefan Leonhardsberger.
Auch Hörspiel-Praxis konnte der Jungschauspieler inzwischen sammeln: in der Regie von Moderator, Kabarettist und Autor Dirk Stermann wirkte er im vergangenen Jänner in der Uraufführung von Katharina Schmidts "Tote unter uns" mit, die im ORF-Landesstudio Oberösterreich aufgenommen wurde.
Aber auch der Film interessiert den ambitionierten Schauspieler: "Ich habe wenig Erfahrung auf diesem Gebiet, da ich bisher nur in zwei Kurzfilmen mitgewirkt habe. Aber dieses Genre interessiert mich enorm und ich hoffe, auch in diesem Medium bald tätig sein zu können."
Derzeit ist der junge Künstler vor allem mit den Proben zur Shakespeare-Produktion beschäftigt und arbeitet an Kleists "Prinz Friedrich von Homburg".
Welche Zukunftswünsche hat der erfolgreiche Nachwuchs-Schauspieler? "Zum einen wäre es ein Traum, eine große Rolle am Burgtheater spielen zu dürfen. Das ist als Österreicher quasi der Adelsschlag für das Theater. Und es wäre großartig, in einer größeren Filmproduktion mitzuwirken. Das sind meine größten Ziele, - aber die liegen, denke ich, noch in fernerer Zukunft", so Stefan Leonhardsberger.
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Ö1 Talentebörse, Donnerstag, 20. August 2009, 7:55 Uhr
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