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Gefahren sollte man erkennen und ihnen auch vorbeugen, sofern man das kann. Aber man sollte sie richtig einschätzen lernen. Ein Selbstversuch.
Von Pandemien und anderen Gefahren
Was macht der Krautsalat?
Gestern lang neben dem Sammelbehälter für Altglas ein kleines Häufchen Krautsalat, umgeben von einigen Scherben, die in der Sonne glitzerten. Wenige Stunden später lag auf dem Sitz in der U-Bahn, auf dem ich mich fast schon niedergelassen hatte, ebenfalls ein Häufchen Krautsalat. Was mag das wohl bedeuten, dieses wiederholte Auftreten von Krautsalat in Häufchenform entlang meines Weges? Vielleicht ist er gar nicht ungefährlich, enthält unbekannte Krankheitskeime, man muss immer alle möglichen Bedrohungen bedenken, das lernen wir im amerikanischen Fernsehen.

(c) ORF, Hummel
Vor Panikmache wird gewarnt, bevorzugt von Medien, die selbst Panik verbreiten.

Wir sind doch ständig bedroht, gerade haben wir wieder einmal den Ausbruch einer Pandemie nur knapp verfehlt. Die WHO habe die Warnstufe auf fünf erhöht, schrieb ein buntes Hochglanzblatt noch vor wenigen Wochen, der globale Ausbruch der Schweinegrippe stehe unmittelbar bevor. Zu diesem Zeitpunkt gab es weltweit 174 Krankheitsfälle. Das Worst-Case- Szenario wurde wie folgt beschrieben: 50 Prozent der Weltbevölkerung sind infiziert, aber nur 35 Prozent erkranken. 0,2 Prozent sterben (0,2 Prozent der Erkrankten oder der Weltbevölkerung?). Haben wir tatsächlich schon wieder vergessen, wie bedroht wir gerade noch waren?

Wenn schon die Schlagzeilen des vorigen Monats nicht mehr in Erinnerung sind, wie entschwunden sind die, die mehrere Jahre zurückliegen. Damals gab es die Vogelgrippe, wie kleine schillernde Blasen stiegen zwischen 2004 und 2007 immer wieder Meldungen über angebliche Opfer an die Oberfläche der Medienaufmerksamkeit. Eine Schlagzeile lautete zum Beispiel: "Bereits 3 Vogelgrippe-Erkrankungen in Vietnam". Ich bin sicher, im selben Zeitraum sind mehr Menschen an Reiskörnern erstickt, aber wir lesen nirgendwo, dass man Reisessen verbieten sollte. Der gravierende Unterschied ist wahrscheinlich, dass es gegen das Verkutzen beim Reisessen noch kein Medikament gibt, das große Pharmakonzerne entwickelt haben und weltweit an den Mann bringen möchten.

Die Vogelgrippe ist zwar nicht ausgebrochen und auch die Schweinegrippe hat es nicht geschafft, zur Pandemie zu werden. Aber vorgebeugt wurde. Nach Rekordumsätzen der Medikamente stiegen die Gewinne des Tamiflu-Entwicklers Gilead und Relenza–Entwicklers Biota, sowie die Aktienkurse der Pharmakonzerne. Da sage noch einer, es gäbe heutzutage keine Gewinner mehr.

Aber welche Alternativen gibt es zum massenhaften Horten von Mitteln gegen möglicherweise vielleicht drohende Gefahren? Wir könnten von der österreichischen Exekutive lernen. Wenn jemand zur Polizei geht und sagt, er fühle sich bedroht, dann wird abgewartet. Wenn der Mann tatsächlich erschossen worden ist, kann man immer noch Personenschutz für die Hinterbliebenen stellen. Außerdem sollte man bedenken, dass die Polizei in all den Fällen, wo niemand erschossen wurde, richtig gehandelt hat, indem sie nicht handelt.

Aber was ist mit dem Krautsalat? Da ich kein Tamiflu in der Hausapotheke habe und, ehrlich gesagt, auch keines kaufen würde, wenn die Krautgrippe ausbricht, handle ich doch nach dem Polizeiprinzip. Und heute früh lag der kleine Haufen Krautsalat tatsächlich nicht mehr neben dem Glascontainer. Den auf dem U-Bahnsitz kann ich leider nicht überprüfen, weil ich vergessen habe, die Wagennummer zu notieren.
Text: Doris Stoisser
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