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Webserien als neues Film-Genre
Webserien sind ein neues filmisches Genre, das im Zuge der Völkerwanderung junger Medienkonsumenten vom Fernsehen ins Internet entstanden ist. Die durchschnittliche Dauer einer Episode - manchmal auch "Webisode" genannt - korreliert dabei mit der bekannt kurzen Aufmerksamkeitsspanne von Internet-Nutzern und beträgt lediglich drei Minuten.

Mittlerweile gibt es immer mehr Formate und Serien, die eigens für das Web produziert werden.
Arman Riahi möchte allerdings bei "Neue Wiener" mit diesem ungeschriebenen Gesetz der drei Minuten brechen. Die Episoden seiner Webserie sind deutlich länger und dauern sieben bis neun Minuten. Anders als bei den meisten anderen Webserien enden die Episoden auch nicht mit einem "Cliffhanger", der die Zuschauer zum Wiederkommen und Weitersehen zwingen soll, sondern sie sind in sich geschlossene Vignetten und Episoden aus dem Leben der vorgestellten Protagonisten der Serie.
Anders als die Macher der meisten anderen Webserien orientiert sich Arman Riahi bei "Neue Wiener" auch nicht an erfolgreichen Fernsehserien; seine formalen Vorbilder findet er mehr im Filmbereich und in Gestalt von Filmemachern und Regisseuren wie Jim Jarmusch und Woody Allen.
Auch wenn ihm das Filmemachen fürs Web Freiheiten gegenüber der klassischen Film- oder Fernsehproduktion bietet, so muss sich Arman Riahi dennoch gewissen Spielregeln bei der Produktion von Webserien beugen:
"So wie beim Fernsehen und wie beim Kino auch bin ich auf eine bestimmte Auflösung, einen bestimmten Bildkader eingegrenzt. Der Bildkader ist dabei viel kleiner, man hat - simpel gesagt - weniger Projektionsfläche. Die Zuseher sitzen vor einem Computer, sie sitzen vor einem Bildschirm - der ohnehin nicht groß ist und der noch eine zusätzliche Begrenzung hat, weil jede Internetserie in einem Broswer läuft und das Videofenster ja nur ein Teil dieses Browsers ist. Diese formalen Einschränkungen bringen zugleich auch ästhetische Einschränkungen mit sich. Und dann gibt es auch noch inhaltliche Einschränkungen - schon allein durch die Tatsache, dass die Aufmerksamkeit der Zuschauer im Internet so kurz ist. Man darf eigentlich kaum eine Sekunde verschenken, weil den Usern sonst sofort langweilig wird und sie wegklicken. So gesehen muss man sich beim Filmemachen fürs Web eigentlich noch mehr den Konventionen und ungeschriebenen Gesetzen anpassen - auch wenn ich bei 'Neue Wiener' versuche, diese Regeln und Gesetze möglichst zu brechen."
Wie es mit der Webserie "Neue Wiener" nach der Fertigstellung der ersten drei Pilotfolgen kommenden September weitergehen wird, ist vor allem eine Frage der weiteren Finanzierung. Auch wenn Webserien in der Produktion gegenüber klassischem Film und Fernsehen deutlich billiger sind, so sind sie nicht unbedingt billig. Je nach Aufwand und Qualität der Produktion bewegt sich der Minutenpreis dabei zwischen 100 und 1.000 Euro pro Minute.
Eine Hoffnung für junge Filmemacher wie Arman Riahi ist dabei die klassische Filmförderung, die - zaghaft noch, aber doch - auch neue filmische Formate im Internet unterstützt. Die großen kommerziellen Produktionsfirmen haben das Potential von Webserien bereits erkannt - seit kurzem drängen die "Big Player" der Branche wie "Big Brother"-Entwickler Endemol oder Sony Pictures in dieses neue Marktsegment.
Sony hat sogar eine eigene Plattform für Webserien namens Crackle.com ins Leben gerufen, auf der unter anderem auch die von Sony selbst produzierte Webserie "Coma" läuft, die immerhin mit ein paar Stars wie Michael Madsen und George Hamilton aufwarten kann. Und auch neue Akteure erscheinen auf der Bildfläche wie etwa die Deutsche Telekom, die vor wenigen Wochen ebenfalls eine Plattform für Webserien gestartet hat. Ihr programmatischer Titel: 3min.de.
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