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Bettina Marx ist Hörfunkkorrespondentin der ARD für Israel und die Palästinensergebiete. Für die Vorfälle im Gazastreifen entwickelte sie ein besonderes Interesse.

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Gaza
Land ohne Hoffnung
Spätestens seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas-Bewegung im Gazastreifen im Juni 2007 ist die palästinensische Region Gaza aus den Schlagzeilen fast verschwunden. Auch wer die Berichterstattung über den Gazakrieg im vergangenen Dezember verfolgte, konnte den Konflikt im schmalen Küstenstreifen zwischen Israel und Ägypten kaum verstehen.

Israelis gegen Palästinenser - das war noch begreiflich. Aber den Kampf "Hamasland" gegen "Fatahland" war in den immer kürzer werdenden Berichten der Massenmedien kaum noch zu erklären. Manche rätselten, warum die Palästinenser in Gaza Israel mit Raketen beschießen, obwohl sich Israel aus Gaza zurückgezogen hat. Um diese komplexen Fragen zu beantworten, schrieb Bettina Marx das Buch "Gaza - Berichte aus einem Land ohne Hoffnung".

"Ich habe versucht, ein Buch zu schreiben, das schon Reportagen beinhaltet", so Bettina Marx im Gespräch, "einfach auch damit es lebendiger wird. Aber ich wollte auch ein Sachbuch schreiben, ich wollte schon sachliche, fachliche Informationen über Gaza vermitteln, weil ich glaube, es gibt einfach sehr wenig in Deutschland dazu."

Die Grundlage für das Buch bildeten die vielen Interviews, die Bettina Marx von 2003 bis Ende 2007 als ARD-Hörfunkkorrespondentin für Israel und die Palästinensergebiete führte.
Scheinbar auf zwei Kontinente
Gaza ist seit dem Rückzug der israelischen Soldaten und Siedler 2005 unabhängig, aber weil Israel die Grenzübergänge nach Gaza kontrolliert und sogar den Kalorienverbrauch der 1,5 Millionen Palästinenser dort bestimmt, zieht sich der Bezug zu Israel wie ein roter Faden durch das Buch. Tel Aviv und Gaza scheinen auf zwei Kontinenten zu liegen. So beschreibt Bettina Marx die 60 Kilometer lange Fahrt von ihrem Wohnsitz in Tel Aviv nach Gaza:

Es ist wie eine Reise zwischen Erster und Dritter Welt, zwischen unbändigem Optimismus und Lebensfreude auf der einen Seite und tiefer Bitterkeit und Verzweiflung auf der anderen, zwischen Zukunftszuversicht und Hoffnungslosigkeit, zwischen Stolz und Demütigung.
Historischer Rückblick
Abgesehen von einigen Reportagen, die den chronologischen Aufbau durchbrechen und einem historischen Rückblick über den einmal blühenden Küstenstreifen, orientiert sich Bettina Marx an der israelisch-palästinensischen Geschichte: Von Beginn der israelischen Besatzung 1967 über die erste Intifada 1987, die Oslo-Verträge in den 1990er Jahren, die zweite Intifada im Jahr 2000, die gewaltsame Machtübernahme der Hamas und den palästinensischen Bürgerkrieg 2007, sowie den letzten Gazakrieg 2008.

Was leider fehlt, ist eine schematische Chronologie, und auch eine leserliche Landkarte wäre für den Leser hilfreich gewesen. Bettina Marx ist Islamwissenschaftlerin und promovierte Judaistin. Sie schreibt klar, souverän, präzise und kritisch, zum Beispiel über den sogenannten Friedensprozess und meint dazu:

"Ich glaube auch nicht, dass der Friedensprozess wirklich zu einem Frieden führen sollte. Wenn man heute mit ein bisschen mehr Wissen und Kenntnissen zurückschaut, wie dieser Friedensprozess begann und wenn man sich die Oslo-Verträge genau anschaut, dann sieht man, dass sie vollkommen ungerecht sind, dass sie von den Palästinensern sehr viel mehr fordern als von den Israelis."
Interesse für die Menschen
Bettina Marx kann die Politik scharf analysieren, interessiert sich aber auch für die Menschen in Gaza. So reiste sie ins Flüchtlingslager Deir el Balach, um die damals 19-jährige Sportlerin Sanaa Abu Bachit zu treffen, die als Mittelstreckenläuferin Palästina bei den Olympischen Spielen in Athen vertreten hat. Sie errang zwar keine Medaille, trug aber zur Gleichberechtigung in der traditionell-moslemischen Gesellschaft bei.

Als sie anfing, ernsthaft zu trainieren, wurde sie häufig beschimpft und verunglimpft. Denn es gehört sich nicht für ein Mädchen in Gaza, im Sportdress oder gar in kurzen Hosen herumzulaufen. Ihr und ihren Mitläuferinnen schlug Ablehnung entgegen. Manchmal wurden sie sogar mit Steinen beworfen, wenn sie am Strand von Gaza trainierten.

Die Häme verwandelte sich allmählich in Beifall und Marx, ganz begeistert, erlaubt sich für einen Moment eine verrückte Idee: Der Gazastreifen sei doch 42 Kilometer lang, man könnte also weltweit berühmte Läufer für einen Gaza-Marathon gewinnen, die, "von Grenze zu Grenze, von einer Gefängnismauer zur anderen" laufen könnten.
Erschwerte freie Berichterstattung
Ein Kapitel widmet Marx der Berichterstattung aus Gaza. Sie schreibt, dass der Nahe Osten "ein Quotenkiller" bei den deutschsprachigen elektronischen Medien sei und zitiert eine Studie, wonach die "New York Times" im ersten Jahr des Palästinenseraufstandes dreimal so viel über den Tod von Israelis als über den Tod von Palästinensern berichtete. Sie schildert mutig, wie Palästinenser und Israelis gezielt die freie Berichterstattung erschweren, wobei die Hamas unbeugsame Reporter mit Gewalt bedrohen, die Israelis nur ihre Akkreditierung nicht verlängern.

Die Autorin ergreift Partei für die Menschen in Gaza und appelliert an ihre Leser, sie nicht zu vergessen. Denn in Gaza brach die erste Intifada aus, hier entstand die Hamas-Bewegung, und hier wird sich die Zukunft der Palästinenser entscheiden, sagt Bettina Marx:

"Voraussetzung wäre, dass sich etwas verbessert, dass die beiden Fraktionen Hamas und Fatah sich einigen und eine Regierung der nationalen Einheit bilden. Also ich glaube, es gibt keine andere Möglichkeit als diese beiden Lager, die nun mal existieren, dass sie versuchen, zusammen zu kommen im Interesse ihres Volkes, ihre Divergenzen überwinden. Das ist schwer, das ist mir vollkommen klar, aber sie müssen das versuchen".
Viele Antworten
Nach einer solchen Lektüre, bekommen die Menschen in den Kurzberichten ein Gesicht und die sogenannte "Gewaltspirale" eine Logik. Wer sich fragt, warum Israelis und Palästinenser ihren Konflikt nicht beilegen und warum die palästinensischen Gruppierungen Hamas und Fatah keine Einigung finden, kann viele Antworten darauf in diesem interessanten und sehr lesbaren Buch finden.
Text: Igal Avidan
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Buch-Tipp
Bettina Marx, "Gaza. Berichte aus einem Land ohne Hoffnung", Zweitausendeins Verlag

Link
Zweitausendeins - Gaza
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