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Bleibt nur zu hoffen, dass die schlimmsten Prophezeiungen der kroatischen Titelseiten nicht in Erfüllung gehen.
Ein langer heißer Sommer
Buntes und Düsteres aus Südkroatien
Es ist acht Uhr früh in der ruhigen Ortschaft Mlini, etwa fünf Kilometer von Dubrovnik entfernt. In der Kaffeebar "Gusar" (zu Deutsch: "Pirat") am Beginn der Bucht von Mlini sammeln sich langsam die ersten Gäste. Der Sommer ist fast vorbei und die Ortschaft ist von Fremden befreit. Jetzt können die Hiesigen die Ruhe des späten Sommers genießen. Man parkt direkt vor der Bar.

Zuerst steigen meist die großen Bäuche aus den Autos aus, dann folgt der restliche Mensch. Ohne den Wagen abzusperren, bewegt sich ein stolzer Bauchbesitzer langsam zu seinem Tisch. Seine Gangart ist typisch für Süddalmatien. Man könnte sie auch als "faul" bezeichnen. Man versucht hier, dem Druck der bereits am Vormittag gnadenlos herunterbrennenden Sonne durch möglichst optimale Kraftausnutzung entgegenzuwirken. Dabei hebt man den Fuß kaum vom Boden auf und verwendet die Technik der nachziehenden Fußbewegung. Zu hören ist nur das Klatschen der Sandalen und der Flipflops.

(c) Schimmer, ORF
Geht es wirklich bergab mit Kroatien?

Zeitungsleser
Die Neuankommenden nehmen wie in Zeitlupe ihre halb sitzende, halb liegende, möglichst breite Position in den Sesseln ein, um ihren Kaffee - oder was auch immer - zu genießen. Jeder bringt seine Morgenzeitungen mit. Die am meisten gelesenen Tageszeitungen in Kroatien, "Jutarnji list" und "Vecernji list" ("Morgenblatt" und "Abendblatt") ähneln in ihrer Erscheinung einer Kombination von seriösen Zeitungen und der englischen "Sun" verwandten Bildblättern. Noch stärker tut das die wichtigste dalmatinische Zeitung "Slobodna Dalmacija" ("Freies Dalmatien").

Auf den Titelseiten finden sich neben Meldungen aus Politik und Wirtschaft Pikanterien aus dem sogenannten gesellschaftlichen Leben. So kann man sich über die Wirtschaftskrise in Kroatien informieren und gleichzeitig von einer mehr oder weniger bekannten Schönheit in ihrer vollblühenden Erscheinung auf irgendeinem Strand an der Adria träumen.
Die dunklen Prophezeiungen
Das mittlere Drittel der Titelseite ist fast immer mit einer sensationell großen Aufschrift aus dem Bereich Politik und Wirtschaft belegt. So zum Beispiel konnte man im "Jutarnji list" vom 28. August lesen: "Kroaten (in großen schwarzen Buchstaben gedruckt), es geht bergab (rote Buchstaben)!"

Nach solchen bedrohlichen Prophezeiungen wundert es nicht, dass die Gäste des "Piraten" in Mlini ihren Mut auf den anderen Seiten der Zeitungen aufzutanken versuchen. Und dafür gibt es viele Möglichkeiten. Die wilden Partys auf Stränden der Adria sind schon legendär geworden. Weil man darüber vermutlich nicht so viel schreiben kann, gibt es umso mehr Bilder zu sehen.

Um das Selbstbewusstsein der Kroaten, trotz der schwarzen Voraussagen, zu steigern, konnte man täglich lesen (und sehen), welche Weltstars die kroatische Küste und die Inseln mit ihren prächtigen Yachten besucht haben. Darunter Armani und Bernie Ecclestone (übrigens ohne seine ehemalige Frau Slavica) und Mickey Rourke besuchte Dubrovnik - um nur einige zu nennen. Die Fotos der glücklichen Gäste und ihrer teuren Schwimmgeräte fehlten natürlich nicht.
Kann man Glück mit Geld kaufen?
"Jutarnji list" versuchte diese prächtigen und luxuriösen Auftritte ein bisschen zu relativieren, indem sie einen Artikel über zwei voll Seiten unter dem Titel "Kann man Glück mit Geld kaufen?" herausbrachten. Aber wie zu erwarten war, antworteten die kroatischen Celebrities und Neureichen mit breitem Kamera-Grinsen, dass die anderen Werte, wie zum Beispiel Liebe, Gesundheit, Hilfsbereitschaft gegenüber den Armen, der Grund für Glück seien. Man konnte vermuten, dass diese weisen Aussagen den ärmeren Mitbürgern und Mitbürgerinnen viel Trost in ihr graues Leben bringen würden.
Die politische Seite des Sommers
Dieser Sommer war in Kroatien - zumindest laut den lokalen Zeitungen - voll von bedeutenden Ereignissen. Zu Sommerbeginn trat Premierminister Ivo Sanader völlig überraschend zurück. Ohne Vorankündigung und ohne Erklärung. Dies öffnete Raum für alle möglichen Spekulationen und die Leser und Leserinnen in Mlini (und auch im restlichen Kroatien) konnten ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Sämtliche Versuche, den Zurückgetretenen zu finden, verliefen ergebnislos. Nach ein paar Wochen wurde der ehemalige Premier schließlich auf einer Yacht in der Adria entdeckt. Gut gelaunt und sonnengebräunt fuhr Sanader auf dem Meer herum und überließ die Probleme der Wirtschaftskrise seiner Nachfolgerin Jadranka Kosor.
Kroatinnen können doch hochspringen
Das Hauptthema des Sommers war aber die kroatische Athletin Blanka Vlasic. Paradoxerweise kommt die beste Hochspringerin der Welt aus einem Land, in dem man sich über den Boden bewegt, fast wie beim Eislaufen, ohne die Füße zu heben.

Blanka Vlasic siegte bei der Leichtathletik WM in Berlin 2009 und mit ihrem Sieg im Hochsprung überschattete sie, zumindest für Kroaten, den Supersprinter Usain Bolt. Die begeisterten Leser im "Piraten" in Mlini kommentierten - halb liegend - dieses Ereignis ihrer Hochspringerin und konnten sich in höchstem Maß mit ihr identifizieren.
September?
So, mit gemischten und verwirrenden Gefühlen, zwischen Hoffnung und Mahnungen warten die Gäste beim "Piraten" den ganzen Sommer lang auf die Krise, die nach Meinung der Zeitungskommentatoren in der zweiten Hälfte des Septembers eskalieren sollte. Die meisten waren sich schon seit Beginn des Sommers einig, dass es zu großen Demonstrationen und anderen Protestaktionen kommen würde.

Vielleicht werden sich jetzt einige Außenstehende wundern, wie es möglich ist, dass man zwei Monate im Voraus eine solche Krise kommen sieht und trotzdem so ruhig seinen Vormittags-Drink genießen kann. Aber die wunderbare Bucht und das Meer von Mlini vor sich sehend, hofft man eben doch, dass sich die düsteren Voraussagen der Presse nicht bewahrheiten...
Text: Radovan Grahovac
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