Was in einer Kamera alles drinstecken kann

In vielen Alltagsgeräten versteckt sich ein leistungsstarker Computer.
"Es beginnt mit einfachen Zusatzfunktionen wie einer Batterieanzeige in Prozent", sagt Michalek, "das hat Canon sonst nicht. Die Kamera zeigt nur an, wenn die Batterie schon kurz davor ist, sterben zu gehen."
Das ist aber längst nicht alles. CHDK bietet unzählige Extrafunktionen, vom Fernauslöser über ein spezielles USB-Kabel bis zu einem Bewegungsmelder, der so schnell ist, dass man bei Gewittern damit Blitze fotografieren kann – jedem Blitz geht nämlich eine Vorentladung voraus, und die Kamera ist in der Theorie schnell genug, das zu registrieren. Mit CHDK ist sie das auch in der Praxis.
Die Firma Canon selbst wollte zu dem Thema keine Stellungnahme abgeben. Offenbar schweigen sie lieber zum Erfindungsreichtum ihrer Kunden. Die Kompaktkameras heißen im Englischen "Point and Shoot", und mehr sollen sie auch nicht können - wenn es nach den Herstellern geht. Die vielen Zusatzfunktionen würden den Konsumenten nur überfordern. Und wer mehr Möglichkeiten will, soll auch tiefer in die Tasche greifen und sich ein Profigerät kaufen.
CHDK stellt dieses Bild auf den Kopf, und bringt deshalb auch neue Impulse für die Industrie: "Das Ganze bringt frischen Wind in die Entwicklung", sagt Michalek: "Viele Funktionen, die CHDK bietet, können in zukünftigen Kameras fix eingebaut werden."
Die Geschichte von CHDK beginnt im Jahr 2006. Der Programmierer Andrej Gratschew knackt die Betriebssoftware seiner Canon-Kompaktkamera und schreibt ein kleines Programm, mit dem es möglich wird, Fotos im Rohdatenformat abzuspeichern.
Er veröffentlicht sein Werk in einem russischen Forum, und schnell entwickelt sich aus der Spielerei mit den Canon-Kameras eine enthusiastische Internet-Gemeinde. Die Abkürzung "CHDK" stammt von Gratschew selbst, und in Wahrheit weiß niemand, wofür sie steht. Die Bedeutung "Canon Hacker’s Development Kit" kam erst später auf - jedenfalls war sie treffend genug, um sich durchzusetzen.
Trotzdem muss man noch lange keine Hacker sein, um CHDK zu benutzen. "Man muss praktisch nur wissen, wie man eine Datei entpackt und auf eine Speicherkarte gibt", sagt Ernst Michalek. Außerdem greift das Programm nicht in die bestehende Betriebssoftware ein und lässt sich ohne Rückstände entfernen. Das heißt, dass sogar die Garantie erhalten bleiben müsste. Jedoch: Von anonymen Hackern im Internet kann man viel bekommen - aber keine Gewähr.
Digital.Leben, Montag bis Donnerstag, 16:55 Uhr
Safer Internet Day 2010
Crowd Funding für Künstler
Vorratsdatenspeicherung
Virtuelles Saatgut für Haiti
Neelie Kroes vor dem EU Parlament
Der digitale Kuhstall
Russland: Soziale Innovation durch neue Medien?
Wenn das Handy zum Wegweiser wird
Uni-Besetzung
Zehn Jahre Beton für Überwacher
How to create a hype
Austria-Forum
Tourismuswerbung 2.0
Online Tutorials
Nachhilfe für Silver Surfer
Die dritte Dimension des Fernsehens
Von Hackern für Hobby-Fotografen
GPS-Kinderüberwachung
Wearable Computing
Wie das World Wide Web zensiert wird
Alternate Reality Games
Inkognito surfen
Netzsperren
Musik legal aus dem Netz
Mit dem Pyjama ins Konzert
Wirtschaftsweblogs
Handyromane
"Nudl'aug"
Untote auf Facebook
Datenbank der Weltkulturen