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Highlights
Ich hatte eine Erscheinung. Ich habe einen alten Bekannten wieder getroffen. Auf dem Bildschirm
Absolut nichts Neues zuhause!
Über die Lust, abzuhauen
Natürlich verrate ich Ihnen nicht, wen ich da gesehen habe. Ein klein wenig geheimnisvoll muss ich schon bleiben. Damit tue ich Ihnen sogar einen Gefallen. Ist doch nichts netter als ein wenig herumrätseln: Wen meint sie? Wer könnte das gewesen sein? Ich könnte Ihnen einen Tipp geben. Seinerzeit, zu meiner Zeit, als wir beide jung, pardon, jünger! gewesen sind, galt er als Wadlbeißer, als sehr erfolgreicher. Heute hat er graue Haare und gibt sich als etwas rebellischer, älterer Herr. War nicht zu ahnen, dass ein Solcher in ihm steckte, damals...

(c) ORF, Schimmer
Alt geworden ist er. Und zahm.

Du liebe Zeit! Wenn er sich in diesen Worten erkennt... Aber das glaube ich nicht, denn warum sollte er meine Kolumne lesen? Na also! Aber wer ahnt schon, wie "wer" eines Tages sein wird? Und wer will schon wissen, wieso das, was "wer" seinerzeit versprochen hat, nicht wirklich geworden ist?

Als ich acht war, hatte mich meine Großmutter zu sich gerufen. Friederike, sagte sie – sie sagte immer Friederike, wenn sie es sehr ernst meinte. Es hat mich erschreckt, denn ich hatte gerade nicht wirklich etwas angestellt oder sonst einen Anlass für ein ernstes Gespräch geliefert – Friederike, sagte sie, du musst jetzt schon damit anfangen, eine liebenswürdige alte Dame zu werden. Patsch, das saß! Jetzt schon. Damit anfangen. Eine liebenswürdige alte Dame. Ich war doch noch nicht einmal im Gymnasium!!! Aber sie sagte immer so seltsame Sachen zu mir. Zupfte während eines Spazierganges auf dem Linzer Froschberg eine Hagebutte von einem Rosenstrauch, betrachtete ihn nachdenklich, dann sagte sie: Schau, das bin ich. Und dann deutete sie auf eine Knospe auf demselben Strauch und sagte: Und das bist du.

Meine Großmutter! Es erschien mir keineswegs seltsam, was ihr so einfiel. Immerhin machte sie die großartigsten Hascheeknödel, Fleischknödel sagt man in unserer Gegend dazu. Gell, da staunen Sie, dass man die einmal selber gemacht hat! Wie das in dem alten Lied heißt: Dienstag – Knödeltag. Und das Gerät, das sie zum Durchdrehen der Braten- und Wurstreste verwendete, war auch noch nicht elektrisch, sondern mit einer Handkurbel zu betätigen. Fleischwolf nannte sie es. Aber sie sagte ja auch Tomaten und nicht Paradeiser, und Kartofferln und nicht Erdäpfel.

Und wenn sie Strudelteig machte, dann erbebte die Wohnung. Sie pfefferte den Teigling mit aller Wucht auf den quadratischen alten Bauerntisch, der in ihrer winzigen Küche stand und jetzt die Küche meines Bruders ziert. Und dann stand sie da, mit hochrotem Gesicht, schwer atmend, meinte: Der muss jetzt ein wenig ruhen. Und als der gezüchtigte Strudelteig fertig geruht hatte, legte sie ihn auf ein riesiges Tischtuch und begann ihn auszuziehen. Wenn sie gut aufgelegt war, durfte ich mithelfen. Aber nur solange, bis mir Ungeschickter das erste Loch passierte. Ab dann musste ich zuschauen.

Das war vor langer Zeit in Linz, als die Stadt noch keine Ahnung von ihrer Zukunft als Kulturhauptstadt 2009 hatte. Und als ich noch nicht wusste, dass "Nachhause-Kommen" für mich eher Wehmut bedeutet als Zufriedenheit. Nein, das stimmt nicht. Ich wusste es schon damals. Ich fuhr nicht gerne weg aus Linz, ich wäre gerne bei ihr geblieben. Sie kommandierte mich nicht herum, wir verstanden uns per Blick, und ich liebte den Geruch der Bäckerei in ihrem Haus im Erdgeschoß. Und den Großstadtlärm am Morgen.

Meine Morgen hier im Dorf sind auch schön. Still, seit es die Saubären beim Nachbarn nicht mehr gibt (Saubären? Männliche Zuchtschweine). Relativ still, denn die anderen Nachbarn haben wieder Truthennen und -hähne im Gehege, wie jedes Jahr im Herbst. Und der Hahn kräht auf der anderen Seite des Dorfes. Es ist ein Platz zum Ankommen. Zum Zuhause fühlen. Zum Kuscheln und Träumen. Können Sie mir verraten, weshalb ich, kaum dass ich von einer längeren Reise zurück bin, die Landkarten nehme, einen Stapel Reiseführer, einen großen Notizblock und eine Tasse Tee und mich zum Spintisieren in meinen Lieblingssessel kuschle?

Wenn ich es mir recht überlege: Hätte ich ein Wohnmobil, worin sowohl mein Mann als auch meine Katzen und meine Lieblingsbücher Platz hätten, wäre ich wohl dauernd "auf Achse". Zigeunerblut? Mein Vater schüttelt belustigt den Kopf. Nicht dass ich wüsste, sagt er. Und dann grinst er: Was für ein Glück, dass du so viele Lieblingsbücher hast. Ein so großes Wohnmobil müsste man erst erfinden.
Text: Friederike C. Raderer
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