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Containerausstellung am Karlsplatz
Ein wenig abseits vom Trubel steht eine Gruppe blauer Baucontainer, zweistöckig aufeinander gestapelt. Eigentlich sieht es aus, wie eine ganz normale Baustelle, wenn da nicht über den Containern eine Aussichtsterrasse schweben würde.
Hier am Karlsplatz hat dieses Jahr Paraflows das Wiener Festival für digitale Kunst und Kulturen ein temporäres Container-Museum aufgestellt. Nachdem es zwei Jahre hintereinander mit einer Ausstellung den Gefechtsturm Arenbergpark, bespielte, verlangt heuer das Thema des Festivals sich gut sichtbar mitten in der Stadt zu platzieren.
"Urban Hacking" heißt es dieses Jahr und Paraflows will damit anstiften, Konventionen im öffentlichen Raum aufzubrechen. Wem gehört die Stadt? Und wie kann man sich die Stadt aneignen oder umgestalten? Was ist erlaubt und was ist verboten?
Die österreichische Architekten- beziehungsweise Künstlergruppe tatort hat sich für die Dauer des Festivals in einem der Container einquartiert und ihren neuen Lebensraum gleich mit einer Handvoll Mikrophonen ausgestattet. Die Geräusche, die in ihrem Containeralltag entstehen, übertragen sie durch sechs - auf Bäumen platzierte - Lautsprecher in den angrenzenden Park und mit einem Livestream auch ins Internet. Natürlich rund um die Uhr.
Für den Festivalleiter und Cokurator der Baucontainergalerie Günther Friesinger hat sich der Aufwand, die Ausstellung auf dem Karlsplatz anzusiedeln, gelohnt. In den ersten Ausstellungstagen hätte die Schau, die neben dem Projekt von tatort 30 Positionen von österreichischen und internationalen Künstlern präsentiert, mehr Besucher gehabt als während des gesamten Festivals im Jahr zuvor.
Das diesjährige Thema "Urban Hacking" ist Friesinger besonders wichtig: Streng genommen gäbe es den öffentlichen Raum, also einen Raum der niemandem und allen gehört, in Österreich nämlich gar nicht. Es gäbe nur Straßen und Plätze, die dem Bezirk, der Stadt, dem Bund gehörten und die der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt würden, meint der Festivalleiter.
Jeder Besitzer entscheide nach politischen Interessen, was er mit dem Raum anstellen will: ob dort Werbetafeln aufgestellt, Großevents abgehalten oder in Grünanlagen "Betreten Verboten" Schilder aufgestellt werden.
Die beiden jungen deutschen Medienkünstler Sebastian Neitsch und Jan Bernstein wissen einiges mit öffentlichen Grünanlagen anzufangen. Sie zeigen in der Ausstellung einen kleinen so genannten "Kunstrasenroboter". Praktisch für unterwegs, passt er doch in jeden mittelgroßen Rucksack.
Der kleine Bot ist über einen Laptop steuerbar und hat einen Bunsenbrenner aufmontiert. Damit kann er Botschaften und Figuren, die vorher in einem Vektorprogramm auf dem Computer erstellt werden in eine Wiese einbrennen. Das Schöne daran sei, so Friesinger, dass es sich dabei nur um einen temporären Eingriff handle. Die Brandmale seien nach einigen Wochen kaum mehr sichtbar und der englische Rasen nicht dauerhaft zerstört.
Matrix, Sonntag, 11. Oktober 2009, 22:30 Uhr
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