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Christoph Meier, bildende Kunst
Wolf-Förderpreis des Ö1 Talentestipendiums 2009
"Es war eine sehr frühe Entscheidung, dass ich Architektur studieren will. Und das war kein Zufall: mein Vater hat sich dafür interessiert, Freunde meiner Eltern waren Architekten. Ich war immer mit dem Interesse am Raum konfrontiert. Ich war aber kein guter Schüler und so hatten meine Eltern Bedenken, ob ich dieses Studium schaffen würde. Aber es ging viel besser, als ich selbst dachte.

Allerdings wurde es aufgrund meiner Ansichten über Architektur immer schwieriger, Ergebnisse zu liefern, die sich den Aufgabenstellungen unterordneten. Denn meine Architektur-Entwürfe waren abstrakter, manche Funktionen erschienen unnötig.

Schließlich suchte ich eine Ausbildung, die meinen Intentionen möglichst nahe kam - und wechselte zur Bildhauerei. Ich habe mich für Heimo Zobernig entschieden, weil er relativ stark an jenen Rahmenbedingungen in der Kunst arbeitet, wie ich Architektur betrieben habe", berichtet Christoph Meier, gebürtiger Wiener, Jahrgang 1980, über seine Entwicklung.

(c) Meier
Christoph Meier

Sein Architektur-Studium begann er 1999 an der TU Wien und hat es 2005 als Diplomingenieur abgeschlossen.

Das Kunst-Studium betrieb Meier ab 2003 an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Heimo Zobernig, und beendete es im Juni dieses Jahres mit dem Magister.

Im Vorjahr ergänzte er seine Ausbildung an der Glasgow School of Art.
Architektonisches Können zum Geldverdienst
Seine architektonischen Kenntnisse setzt Meier heute für diverse Projekte ein, die für ihn eine gewisse Basis des Lebensunterhalts darstellen.

(c) Meier
"Setting#15" (Installation; 2009): Projektoren als institutionalisierte Bausteine im Kunstbetrieb bleiben unbestückt. Nur ihre individuellen Lichttemperaturen nehmen Teile einer malerischen Komposition ein, wodurch sich Genregrenzen erübrigen.

Das Dreidimensionale im Fokus
Die Charakteristik seiner vielfältigen Arbeiten, bei denen er Medien wie unter anderen Performance, Installation und Film einsetzt, beschreibt Meier so:

"Auf jeden Fall steht das Dreidimensionale im Zentrum. Die Zobernig-Klasse ist eine Bildhauerei-Klasse und steht natürlich in dieser Tradition. Meine Arbeiten haben immer einen raumgreifenden Aspekt. Gleichgültig, wo ich eine Arbeit entwerfe, sie reflektiert immer, wo etwas steht, welchen Charakter dieser Raum hat. Damit kommt auch eine gewisse Theatralik dazu, weil man Dinge bewusst positioniert.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass es mir um den Betrachter geht. So sind Skulpturen zum Beispiel nicht fix einem Ort zugeordnet, sondern es liegt am Betrachter, sie im Raum zu verändern."

(c) Meier
"ohne Titel" ("Filmsetperformancebühnefilm", Performance, Installation, 35mm Film, Länge 4:20min; 2009): "Eine Crew filmte sich selbst bei einer Film-Produktion. Es gab kein Skript, die Crew-Mitglieder waren zugleich Akteure", so Christoph Meier.

Ungewöhnliche Diplom-Arbeit und zugleich Doku
Eines der wichtigsten Werke Christoph Meiers ist seine ungewöhnliche Diplomarbeit mit dem Untertitel "Filmsetperformancebühnefilm", die er auf 35 mm Film gedreht hat:

"Ich wollte schon immer eine Film-Crew zusammenstellen, die sich bei der Filmarbeit selber filmt. Und zwar, um einen narrativen Aspekt im Medium selbst auszulöschen.

Es waren 20 Menschen, von denen jeder seine Funktion hatte und sich am Set integrieren konnte. Wir haben uns dann vor einer großen Spiegelwand, die etwa sieben mal zwei Meter war, gegenüber gestellt und uns dabei gefilmt.

Ich wollte diesen performativen Aspekt meiner Arbeit der Prüfungskommission bewusst nicht in Form eines Films zeigen – und legte den Drehstart auf den Beginn der Prüfung. Als die Kommission den Raum betrat, ging es los", beschreibt Meier dieses Projekt, das zugleich eine Dokumentation seiner Diplomprüfung ist.
Mit "Bananasplit" im Kunsthaus Graz seit 2. März
Seit 2. März 2010 zeigt Christoph Meier die in Zusammenarbeit mit Søren Engsted entstandene Rauminstallation "Bananasplit" auf der Brücke zur Needle des Kunsthauses Graz.

Die Installation, die mit "my own private cinema" im Needle/Space04 eröffnet wurde, ist bis 28. März 2010 zu sehen.

Ab 8. April ist Meier, der bisher an rund 40 Gruppen-Ausstellungen teilnahm und bereits sieben Einzel-Präsentationen im In- und Ausland hatte, in der Startgalerie des Wiener "Museums auf Abruf" vertreten.

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Performative Skulptur "5 Stäbe"
Eine andere wichtige Arbeit Meiers ist seine performative Skulptur "5 Stäbe", die 2008 entstanden ist.

"Diese fünf Stäbe, die ursprünglich Infusionsständer waren, habe ich von einem aufgelassenen deutschen Museum gekauft. Mich hat an ihnen interessiert, dass sie eigentlich schon eine fertige Skulptur sind, dass sie Rollen haben, also beweglich im Raum sind.

Nur habe ich ihnen die Funktion genommen, dass keine Blutbeutel mehr an ihnen hängen können. Ich habe die Haken abgeschnitten und die oberen Enden in unterschiedliche Farben getaucht. Da die Stäbe mobil sind, kann der Betrachter ihren Standort verändern – und gibt der Skulptur einen Mehrwert."
Förderpreis im Rahmen des Ö1 Talentestipendiums 2009
Für Christoph Meier war 2009 ein erfolgreiches Jahr: er erhielt den Preis der Galerie Klatovy in Klenová/Tschechien, der mit einer Residency 2010 verbunden ist. Und im Herbst erfuhr er, dass ihm der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis der Karl-Anton Wolf-Stiftung, der im Rahmen des Ö1 Talentestipendiums vergeben wird, zugesprochen wurde:

"Ich habe heuer sehr viel ausgestellt, daher konnte ich kaum Geld verdienen. Und so kommt mir der Preis sehr gelegen, um mich durch den Winter zu bringen. Auch 2010 sieht es ähnlich aus - und Ausstellungen sind immer mit vielen Kosten verbunden", freut sich Meier, der einen Teil des Preisgeldes auch für die Weiterentwicklung seines Diplomfilms verwenden will.

Mehr zum Ö1 Talentestipendium für bildende Kunst 2009 in oe1.ORF.at

(c) Meier
"Turm" von Christoph Meier (Kiste, Tisch, fluoreszierende Röhren; in verschiedenen Größen; 2009)

Kontinuierliche Weiterentwicklung
Derzeit arbeitet der erfolgreiche Künstler, der auch im Bereich Publikation tätig ist, an verschiedenen Projekten im Ausland.

Wie lauten seine Zukunftswünsche? "Mir ist es in erster Linie wichtig, dass ich mich möglichst stark auf meine Arbeit konzentrieren und ihr so die nötige Zeit zur Weiterentwicklung geben kann. Es liegt mir nicht daran, dass eine Galerie nach der anderen bei mir anfragt und ich in ein paar Jahren zum Shooting Star werde. Mir ist viel lieber, dass ich mein Werk zu meiner Zufriedenheit weiterentwickeln kann", so Christoph Meier.
Text: Matthias Osiecki
Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria

Kontakt
Christoph Meier

Tipp
Die Porträts der Ö1 Talentebörse können im Rahmen der Ö1 Podcast nachgehört werden. Alle Sendungen des kostenfreien Radio-Abos finden Sie hier.

Links
Akademie der bildenden Künste Wien
TU Wien
Glasgow School of Art
christophmeier.net
K. A. Wolf
Kunsthaus Graz
MUSA Museum auf Abruf
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Ö1 Talentebörse: Kunst

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