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Highlights
Die Form des Kanons nutzte Ludwig van Beethoven in seiner Oper "Fidelio".
Vokalquartette
Ein Kanon zu viert
Audio
Beethoven vokal und instrumental
Länge: 1:00 min
Nie ist Musiktheater in Bann ziehender als im simultanen Sichtbarmachen der Emotionen ihrer Protagonisten und Protagonistinnen. Berühmtes Beispiel für solche Vokalquartette: die dritte Nummer aus Beethovens "Fidelio", ein Kanon zu viert. Während ein Kanon normalerweise Einigkeit in Worten und Tönen - nur zeitlich verschoben - ausdrückt, zeigt dieser Kanon, was im Musiktheater im Vergleich zum Sprechtheater möglich ist, nämlich: zur gleichen Zeit, simultan übersetzt, unterschiedlichste Gefühle zu vermitteln. Marzelline ist selig, Leonore ist bang, der Vater zufrieden, Jaquino wütend.

Hören Sie in unserem Audio eine legendäre Aufnahme des Jahres 1978 (Lucia Popp als Marzelline, Gundula Janowitz als Leonore, Manfred Jungwirth als Rocco, Adolf DAllapozza als Jaquino, das Orchester der Wiener Staatsoper, Dirigent Leonard Bernstein), danach dasselbe Quartett in einer Fassung für Streicher eines anonymen Beethovenzeitgenossen, die Textlosigkeit ermöglicht uns, die Textur des Kanons genauer wahrzunehmen, die alles beherrschende "wunderliche" Stimmung losgelöst von den Problemen und unterschiedlichen Emotionen der Charaktere.
Was ist wunderbar?
In diesem Quartett wird ein Text gesprochen, der im Grunde mit der Musik nichts zu tun hat. Jede der vier Personen spricht ja einen anderen Text - steht völlig anders zum Geschehen - zur selben Musik. Meiner Meinung nach ist "wunderbar" das die Musik bestimmende Wort. Wir sagen heute wunderbar, wenn etwas sehr schön ist; aber wunderbar ist ja alles, worüber man sich wundert, was unbegreiflich ist. Ich glaube, jeder Mensch empfindet schon im Vorspiel mit den tiefen Streichern, dass hier Unbegreifliches geschieht. Die Figuren verwandeln sind.
Nikolaus Harnoncourt

Das Sprachverständnis zu Beethovens Zeiten war ein anderes als heute, Wunderbar ist mehr in Richtung "mir ist so wunderlich" zu denken oder "seltsam". Der springende Punkt: etwas verwandelt sich im Inneren. Und den entscheidenden Anteil hat die Musik, und ist es nicht darum, dass es jedes Mal wieder bewegend sein kann, in die Oper zu gehen, ins Konzert, wegen der inneren Verwandlung?
Aufeinanderprallen von Gefühlen
Es gibt ein zweites vokales Quartett in Beethovens Oper "Fidelio", drei Männer und eine als Mann verkleidete Frau, Quartett Don Pizarro-Florestan-Leonore-Rocco. Viermaliges Aufeinanderprallen von Gefühlen am dramatischen Höhepunkt des Singspiels: Auf ein Zeichen Roccos erscheint Pizarro, bereit zum Mord. Bevor er den Dolch zieht, gibt er sich Florestan zu erkennen. Im letzten Augenblick wirft sich Leonore schützend vor Florestan und gibt sich als seine Frau zu erkennen. Seinen Dolch pariert sie mit einer Pistole - da ertönt das Trompetensignal vom Turm, das die Ankunft des Ministers anzeigt. Pizarro und Rocco eilen nach oben. Leonore und Florestan sinken sich in die Arme.

Und wieder ist eine Verwandlung geschehen. Amor vincit omnia. Mag's in der Rahmenhandlung um Unterdrückung, Gefängnis, Befreiung, Geldgier und Machtgelüste gehen, die eigentliche Handlung, die eigentliche Befreiung findet bei Beethoven hier statt, in Gestalt einer liebenden Frau, die zu allem bereit ist.
Text: Renate Burtscher
Hör-Tipp
Ausgewählt, Mittwoch, 14. Oktober 2009, 10:05 Uhr
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