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Übles Pflaster Galway
Eine eigene Reihe hat er seinem Helden Jack Taylor gewidmet: ein ehemaliger irischer Polizist, der wegen Insubordination und Trunksucht aus dem Dienst entlassen worden ist, und sich nun mehr schlecht als recht als Privatdetektiv durchs Leben schlägt.
"Jack Taylor fliegt raus" - so der Titel des ersten von Rowohlt übersetzten Detektivromans - ist auch im irischen Original der Auftakt der Taylor-Reihe gewesen.
Taylor - eigene Lebenserkenntnis: "Ich habe weiß Gott alles, was ich gelernt habe, auf die harte Tour gelernt." - Taylor ist also bei der Polizei rausgeflogen, hat das Saufen allerdings nicht aufgegeben und versucht sich als privater Ermittler zu etablieren. Obwohl es, wie es im Buch steht, "keine Privatdetektive in Irland gibt. Das würden die Iren nicht ertragen. Das Konzept streift gefährlich nah den verhassten Informanten. Man kann sich so ziemlich alles erlauben, aber Petzen geht gar nicht."
Eines schönen Tages - so beginnen alle "private eye"-Krimis seit Chandler und Hammett - bei Bruen ist es naturgemäß ein verkaterter Tag - also: Eines Tages spricht eine durchaus attraktive Frau den frühschoppenden Helden in seiner Stammkneipe an. Er möge ihr dabei helfen, den angeblichen Selbstmord ihrer Tochter aufzuklären. Denn ein Selbstmord könne das nicht gewesen sein.
Trotz oder gerade wegen etlicher Brandys und Whiskeys übernimmt Jack Taylor den Fall. Und was da am Ende - so viel kann verraten werden - herauskommt, ist ein mörderischer Skandal in der besseren Gesellschaft der irischen Küstenstadt Galway, in der der Krimi spielt, und in der auch sein Autor lebt. Stadtkarte ist übrigens im Buch mit inbegriffen und durchaus hilfreich.
Aber selbstverständlich ist der reine Plot, die Kriminal-Geschichte, in diesem Roman nicht einmal die halbe Miete. Was Ken Bruen seinen Helden, der sich im besten Fall als trauriger Schelm präsentiert, da so alles erleben lässt - von einer glücklosen Liebesaffäre über den Rauswurf aus seiner Wohnung bis zu diversen Körperverletzungen und einer gescheiterten Entziehungskur - das ergibt in Summe irische Gegenwartsliteratur der feinsten Art. Nicht nur einmal denkt man da an Brendan Behan, seinen "Borstal Boy" oder seine "Bekenntnisse eines irischen Rebellen". Und Bruen selbst ruft in seinem Buch des Öfteren die literarischen Vorbilder an: Neben Oscar Wilde eine ganze Galerie exzellenter Krimiautoren: von Jim Thompson bis zu Ed McBain, von Elmore Leonard bis zu Walter Mosley.
Der Kriminalfall selbst - das sei der Vollständigkeit halber noch gesagt - wird am Ende von Jack Taylor geklärt, der Showdown ist ein zwar moralisch gerechter, aber strafrechtlich verwerflicher.
Und worauf man sich wirklich freuen kann - so das Fazit - ist die noch für heuer angekündigte nächste Übersetzung der Jack-Taylor-Krimis. Dafür vergibt man Harry Rowohlt auch seine Norddeutsch-Neologismen der Marke "Düschchen" und "Käffchen".
Ex libris, jeden Sonntag, 18:15 Uhr
Buch-Tipp
Ken Bruen, "Jack Taylor fliegt raus", aus dem Englischen übersetzt von Harry Rowohlt, Atrium Verlag
Link
Atrium Verlag - Jack Taylor fliegt raus
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