Oder: Plädoyer für ein "Ö1 Taschentuch"
Spanische und italienische Musik der Renaissance von Luis Milan und Francesco Canova da Milona, dargeboten und interpretiert auf Vihuela und Laute, stand auf dem Programm. Gleich zu Beginn spielte Hopkinson Smith die "Fantasia 4 del Segundo" so aufregend frisch, so unmittelbar berührend, dass der Zeitsprung aus dem Jetzt der Event-Kultur in die Mitte des 16. Jahrhunderts mühelos gelang. Das Wiener Konzerthauspublikum folgte angespannt dem Spiel des Solisten, der zweifellos zu den herausragendsten Instrumentalisten der Gegenwart zählt, davon aber kein großes Aufheben macht.

Das Wiener Konzerthauspublikum folgte angespannt dem Spiel des Solisten, der zweifellos zu den herausragendsten Instrumentalisten der Gegenwart zählt, davon aber kein großes Aufheben macht.
Alfred Brendel unterbrach einst bei den Salzburger Festspielen im großen Festspielhaus abrupt ein Schubert-"Impromptu" als ihm das wiederholte Husten, das nicht einmal durch ein Taschentuch gedämpft wurde, das Spiel vergällte. Und das Konzerthaus-Management ließ nach einer offenbar hustenreichen Saison in jedes Programm - sinngemäß - drucken, der p.t. Besucher, die werte Besucherin möge doch die Lautstärke eines etwaigen Hustenanfalls durch ein Taschentuch reduzieren. Das muss in jener Saison gewesen sein, als Tzimon Barto im großen Saal des Wiener Konzerthauses einen umjubelten Klavierabend gegeben hat, und vor mir ein Brite das ständige Husten im Publikum mit der Feststellung quittierte: "In London, If I catch a cold, I see the doctor. In Vienna, people instead go to the Konzerthaus."
Wahrscheinlich, dachte ich mir im Stillen, heißen die Resonanzen deshalb Resonanzen, weil das Husten des Publikums in den ehrwürdigen Sälen des Konzerthauses echoähnlich widerhallt. Unergründbar bleibt, ob diese Unsitte eine besondere Form der Kritik am Künstler ist. Ob wir Konzentration über eine längere Zeitspanne nicht mehr in der Lage sind zu ertragen, weil die Aufnahmebereitschaft fehlt, die Hingabe an die Musik. Oder der Konzertbesuch, weil im Abonnement gebucht, eine Belästigung ist, die per Hustenanfall abgearbeitet wird. Wirklich diskutieren konnte ich das mit den Hustenden nicht. Viele von ihnen flüchteten nämlich rechtzeitig vor der Zugabe. Wahrscheinlich um den für 13:00 Uhr reservierten Mittagstisch im Restaurant als erste zu erreichen.
Hör-Tipps
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Konzert am Vormittag, Donnerstag, 4. Februar 2010, 10:05 Uhr
Konzert am Vormittag, Donnerstag, 18. Februar 2010, 10:05 Uhr
Alte Musik - Neu interpretiert, Dienstag, 23. Februar 2010, 19:30 Uhr
Resonanzen 2010, Donnerstag, 1. April 2010, 10:05 Uhr
Resonanzen 2010, Donnerstag, 20. Mai 2010, 10:05 Uhr
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