oe1.ORF.atORF.at
oe1.ORF.at
Webradio Podcast
Highlights
Was bedeutet Kunst für Sie?
Peter Brooks' "Hamlet"-Inszenierung im Pariser "Bouffes du Nord".

Woher kommt Ihre Kreativität?
Aus der Musik und aus dem Bauch.

Ihr Motto lautet?
Ein Grundvertrauen zum Leben haben.

Mehr zur Ö1 Talentebörse
Anisha Bondy, Musiktheater-Regie
Präferenz für Musiktheater des 20. Jahrhunderts
"Ich bin von meinen Eltern vorbelastet, die beide Dokumentarfilmer sind. Mein Vater ist auch Komponist und so bin ich mit Musik aufgewachsen, aber eher mit Jazz. Ich habe in der Schule im Chor gesungen und Freude daran gehabt - aber nicht mit Oper, gegen die habe ich mich bis zur Matura gewehrt. Dann sang ich bei einer Studenten-Produktion in 'Dido und Aeneas' im Chor - und auf einmal war die Begeisterung für das Musiktheater da. Und ich dachte: Musik und Theater - das passt doch zusammen. Schließlich machte ich die Aufnahmeprüfung", erzählt Anisha Bondy, in London geboren, aufgewachsen in Berlin, Jahrgang 1981, die bei Michal Temme an der Wiener Musik-Universität seit 2002 Musiktheater-Regie studiert.

(c) Anisha Bondy
Anisha Bondy

Die Herkunft der jungen Regisseurin, die nicht verwandt ist mit Luc Bondy, ist international und ihre Entscheidung für Wien kam nicht zufällig: "Meine Großmutter ist gebürtige Wienerin, die 1938 ins Exil nach London ging, wo sie meinen Großvater kennen lernte. Berlin kannte ich schon und wusste, wie der Betrieb dort läuft. Und Wien war neu für mich. Außerdem habe ich gesehen, dass hier der praktische Teil ein viel größerer und wichtigerer ist. Und Wien ist doch die Stadt der Musik, der Oper - also ein guter Startpunkt", erklärt die junge Regisseurin, die nun im siebenten Semester ist.
"Komödie auf der Brücke" beim Festival Retz
"Es war eine sehr spannende Arbeit und ich habe große Freude, weil man die Entwicklung der Mitwirkenden sieht. Nun bin ich gespannt, wie das Werk beim Publikum ankommt. Der große Unterschied zur ursprünglichen Aufführung ist, dass wir das Werk in Englisch gezeigt haben. Für Retz wurde es jetzt in tschechischer Sprache einstudiert. Mein großes Lob gilt daher den Sängern, die diese Herausforderung mit einem Sprach-Coach und viel Enthusiasmus bravourös gemeistert haben", so Anisha Bondy knapp vor der Premiere der Martinu-Oper "Komödie auf der Brücke" beim ersten Festival Retz.

(c) Anisha Bondy
Bohuslav Martinus "Komödie auf der Brücke" in der Regie von Anisha Bondy ist drei Mal beim ersten Festival Retz zu sehen.

Es war Bondys zweite Arbeit an der Musik-Universität, die in Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Raphael Eröd entstand. Als er ihr - auf der Suche nach einem Werk - aus Bohuslav Martinus Oper "Comedy on the bridge" vorspielte, war sie sofort begeistert: "Die Musik hat mich durch die Doppelseitigkeit Schauspiel-Gesang und die Lebendigkeit - eigentlich ist es ja eine Radio-Oper - sofort fasziniert. Ebenso die Thematik: Brücke, Grenzübergänge, zwei feindliche Lager. Martinu hat das Werk 1938 geschrieben, kurz bevor er ins Exil nach Frankreich gehen musste. Wir wollten mit der Arbeit auch darauf hinweisen, wie privilegiert wir heute sind", berichtet die junge Regisseurin über diese Kooperation, die durch den Kontakt von "Volksopern"-Chef Rudolf Berger und Michael Temme entstand.

Mehr zum neuen Festival in Retz in Ö1 Inforadio
Timing - der kleine Unterschied
Was Musik- und Sprechtheater-Regie unterscheidet, erklärt Bondy an einem praktischen Beispiel:

"Wie enorm dieser Unterschied ist, habe ich im vergangenen Oktober gemacht, als ich erstmals eine Operette - "Là-Haut! Da Oben!" von Maurice Yvain - für die inszeniert habe. Bei den Dialogen merkte ich, was es heißt, den Rhythmus für einen Text selbst finden zu müssen. Das war für mich etwas komplett Neues. Bei Musik hat man eben das Timing und muss sich daran halten - das gibt es im Sprechtheater nicht."
Musik, die Bilder hervorruft
"Ich brauche Musik, die mich inspiriert, wo dann Bilder in meinem Kopf entstehen. Das ist bei purem Text nicht so der Fall. Ich glaube, dass meine Art zu arbeiten, auch etwas Choreografisches hat", erläutert Bondy ihre stilistische Richtung.

"Diese Kombination Schauspiel - Gesang, wo sich die Gattungen vermischen, liegt mir. Und die gibt es eher im 20. Jahrhundert. Ich finde die Thematiken der Oper der Jahrhundertwende, des letzten Jahrhunderts, am interessantesten. Ich liebe Richard Strauss , die 'Salome' ist eine meiner Lieblingsopern, Strawinskys 'Geschichte vom Soldaten' oder Schostakowitschs "Die Nase". Es sind also auch die absurden Geschichten, die mich reizen und herausfordern."
Regie-Debüt mit "La voix humaine"
Vor zwei Jahren hatte sie ihr Regie-Debüt mit der Uni-Produktion "La voix humaine" von Francis Poulenc. Die Vorgabe war, ein kurzes Stück mit Klavier und ein, zwei Sängern zu inszenieren. "Eine Frau führt ihr letztes Gespräch mit dem Geliebten, bevor sie sich das Leben nimmt. Ursprünglich wollte ich diese Rolle mit einem Counter-Tenor besetzen, der die Rolle der Frau spielt und natürlich eine homosexuelle Beziehung hat. Denn es gibt da für mich keinen Unterschied, was den Dialog betrifft."

(c) Anisha Bondy
"Dieses Werk ist eine enorm spannende Arbeit von Jean Cocteau", so Anisha Bondy über die Poulenc-Oper "La voix humaine".

"Ich fand bei meinen Recherchen heraus, dass Klaus Kinski ursprünglich die Cocteau-Uraufführung in Berlin machen sollte, es aber aus Krankheitsgründen nicht dazu kam. Auch bei mir war es so - der Counter-Tenor erkrankte, ich inszenierte das Stück mit einer Sängerin. Rollentausch gefällt mir an sich sehr. Und ich arbeite sehr gerne mit einem gemischten Ensemble aus Sängern und Schauspielern", so Bondy.
Theater-Praxis
Praktische Erfahrungen konnte Anisha Bondy auch bereits an mehreren Theatern sammeln: Vor allem am Theater Basel und in der Kölner Oper bei Katharina Thalbach, die sie sehr schätzt.

"Ich habe unheimlich viel gelernt durch diese Assistenzen. Und das Programm war sehr abwechslungsreich - von Offenbachs 'Orpheus in der Unterwelt' und der 'Salome' von Strauss mit Thalbach, über Monteverdis 'Krönung der Poppea' in der Regie von Nigel Lowery bis zur Uraufführung von Wolfgang Mitterers 'Crushrooms' in der Regie von Robert Schuster", berichtet die Nachwuchs-Regisseurin.
Zukunftswunsch: Eigene Truppe
Nach der Arbeit in Retz widmet sich Bondy wieder ihrer Diplom-Inszenierung von Carl Orffs "Die Kluge", die im Oktober auf der Neuen Studiobühne in Penzing gezeigt wird. Und mit ihrem Team, bestehend aus fünf jungen Künstler, die aus verschiedenen Ländern kommen, schmiedet sie bereits Pläne für eine eigene Musiktheater-Truppe. "Wir ergänzen uns ideal. Denn es ist ganz wichtig, dass alle Kunstformen mit- und nicht gegeneinander arbeiten."

Jüngst hat sie ein Angebot aus Basel erhalten und wird bei Michael Thalheimers Produktion von Verdis "Rigoletto" sowie bei mehreren Uraufführungen Regie-Assistenz machen. "Ich glaube, dass ich meinen Beruf gefunden habe. Und wenn ich davon leben und Karriere machen, aber auch ein Familienleben führen kann - das wäre die Erfüllung meiner Wünsche", so Anisha Bondy.
Text: Matthias Osiecki
Um Ihre Meinung abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen. Log-in
Die ORF.at-Foren sind jedermann zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Bitte bleiben Sie sachlich und bemühen Sie sich um eine faire und freundliche Diskussions-Atmosphäre. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge, behält sich aber das Recht vor, krass unsachliche, rechtswidrige oder moralisch bedenkliche Beiträge zu löschen.
Ö1 Talentebörse: Bühne

Diana-Marina Fischer, Sopran
Sarantos Zervoulakos, Schauspielregie
Andrejus Kalinovas, Tenor
Raimund Orfeo Voigt, Szenografie
Angela Smigoc, Schauspielerin
Simona Eisinger, Koloratursopran
Martina Mikelic, Altistin
Markus Subramaniam, Schauspieler
Michael Großschädl, Schauspieler
Regina Riel, Sopran
Alexander Meile, Schauspieler
Stefan Leonhardsberger, Schauspieler
Martina Lechner, Musikalisches Unterhaltungstheater
Eva Maria Sommersberg, Schauspielerin
Marie Jung, Schauspielerin
Andrè Schuen, Bassbariton
Steffen Jäger, Regie
Emily Cox, Schauspielerin
Anna Unterberger, Schauspielerin
Theresa Langer, Schauspielerin
Verena Rotky, Bühnengestaltung
Ines Schiller, Schauspielerin
Louisa von Spies, Schauspielerin
Susanne Inkiow, Regie
Anita Götz, Sopran
Katja Lehmann, Regisseurin
Nikoletta Korkos, Tänzerin
Irene Mattausch, Sopran
Sophia Freynhofer, Schauspielerin
Johannes Pölzgutter, Musiktheaterregie
Nanina R. Kotlowski, Tänzerin
Florian Köhler, Schauspieler
Matthäus Schmidlechner, Tenor
Christiane Karg, Sopranistin
Matthias Lier, Schauspieler
Alexander F. Zieglarski, Schauspieler
Barbara Schulte, Theater-Regie
Petra Staduan, Schauspielerin
Anna Maria Nowak, Tänzerin
Nikolaus Barton, Schauspieler
Sirkka Mentlein, Musiktheater-Regie
Hannes Perkmann, Schauspieler
Thomas Frank, Schauspieler
Taylan Memioglu, Tenor
Magdalena Kronschläger, Schauspielerin
Florian Berger, Tanz
Jolene McCleland, Mezzosopran
Bettina Schwarz, Schauspielerin
Barbara Novotny, Schauspielerin
Bryan Rothfuss, Bariton
Peter Gregor Pertusini, Schauspieler
Tania Oppel, Koloratursopran
Anisha Bondy, Musiktheater-Regie
Daniela Keckeis, Schauspielerin
Katharina Knap, Schauspielerin
Rainer Sellmaier, Bühnenbild
Thiemo Strutzenberger, Schauspieler