Mittwoch, 28. Dezember 2005
10:05 Uhr
Gespielt von Edith Kraus und Adina Mornell
Janácek ist 58, als er "Im Nebel" schreibt. Er hat schwierige Zeiten hinter sich, lebt in künstlerischer und persönlicher Isolation. Das ist unüberhörbar. Trotz vieler Lyrismen, zärtlicher Anklänge ist und bleibt die Grundstimmung melancholisch. Jaroslav Vogel, einer der wichtigsten Janácek-Biografen, ist der Meinung, dass der Titel "Im Nebel" sich auf den Nebel beziehe, den der Komponist während dieser Zeit empfand - angesichts der kleinlichen Gleichgültigkeit der Welt gegenüber dem Großteil seiner Musik im Allgemeinen und im Besonderen gegenüber seiner Oper "Jenufa".
Verblüffend ist die Schlichtheit, auch die große Knappheit von Janáceks ganz und gar individuellen, unverwechselbaren Stil. Massige Klangfülle mag er nicht, jedes Motiv, jede einzelne Note soll ganz klar und in ihrer Eigenart hervortreten können. Die Musik, auch wenn betont nicht-romantisch, ist immer leidenschaftlich und expressiv.
Edith Kraus wurde 1913 in Wien geboren, als als Elfjährige gab sie ihr Konzertdebüt. Als jüngste Studentin wurde sie 1927, mit 14, an die Staatliche Hochschule für Musik in Berlin zugelassen. Kraus war die jüngste Schülerin von Artur Schnabel.
Ihre Karriere als Konzertpianistin begann in den 1930er Jahren und wurde jäh unterbrochen durch die Deportation nach Theresienstadt im Jahre 1942. Edith Kraus hat überlebt. Sie hat in Theresienstadt die sechs Klaviersonaten von Viktor Ullmann uraufgeführt - zu finden in der "Koch Terezin Musicanthologie", die ein erschütterndes Dokument ist für den nicht zu brechenden künstlerischen Überlebenswillen der Musiker in Theresienstadt.
Edith Kraus hat nach der Befreiung viel in Prag konzertiert und im Rundfunk Aufnahmen gemacht. 1949 ist sie nach Israel ausgewandert und hat dort in Tel Aviv unterrichtet, weiter Konzerte gegeben und sich um das Vermächtnis der Musik in Theresienstadt gekümmert.
Ein bisschen verweilender, weniger radikal, den freien Assoziationen moderater nachsinnend, spielt Adina Mornell die "Nebel". Für sie tut sich bei Janácek ein Gefühlsnebel auf, die Episoden lässt sie in diffusem Licht und verwaschenen Farben verschwinden. "Janácek verwendet hier die Tonarten Des-Dur und Ges-Dur. Das bedeutet ein Spiel hauptsächlich auf schwarzen Tasten, die ich auch mit geschlossenen Augen finde oder wie im Nebel erfühle", sagt Adina Mornell.
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