Berichte aus der Welt der Mikro-Massenmedien

Neue Werbeformen und wachsende Zugriffszahlen sorgen mittlerweile dafür, dass sich immer mehr Blogger professionalisieren.
LA Observed ist Teil eines Trends zur Professionalisierung der Weblog-Welt. Immer mehr Journalisten wie Roderick entdecken das neue Medium als Erweiterung ihres klassischen Wirkungsfeldes für sich. Auch Geld verdienen ist in der Welt der Blogs nicht mehr tabu. Roderick hat sein Blog für Anzeigen geöffnet und erwirtschaftet damit einen stetig wachsenden Zuverdienst.
Roderick setzt für sein Blog auf die Hilfe der Website Blogads.com - ein Angebot, das sich als Vermittlungsinstanz zwischen Werbetreibenden und Bloggern versteht. Blogads-Anzeigen kombinieren Bilder mit kurzen Texten und kommen damit oftmals angenehm unaufgeregt daher. Für Kevin Roderick gibt es allerdings noch einen weiteren Grund, auf die Hilfe von Blogads.com zu setzen: Er muss sich damit nicht selbst auf die Suche nach Anzeigen machen und kann die Trennung von Redaktion und Verlag auch als Ein-Mann-Medienunternehmen beibehalten.
Wie Kevin Roderick entdecken derzeit zahlreiche Weblog-Autoren, dass ihre Netzplattformen mehr sein können als nur ein Hobby. Grund dafür ist nicht zuletzt auch die rasant wachsende Leserschaft. Die Meinungsforscher vom Pew Internet & American Life Project ermittelten kürzlich, dass 39 Millionen US-Amerikaner im Erwachsenenalter Weblogs lesen - ein Wachstum von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Beginn des Jahres. Gleichzeitig investieren immer mehr Firmen in Internet-Werbung. Vertreter der Online-Wirtschaft gehen davon aus, dass dieses Jahr mehr als zwölf Milliarden Dollar für Anzeigen im Web ausgegeben werden. Letztes Jahr waren es noch weniger als zehn Milliarden.
Ein Großteil dieses Geldes landet weiterhin bei großen Online-Anbietern. Doch Textwerbeprogramme wie Googles Adsense-Dienst sowie Anbieter wie Blogads ermöglichen es immer mehr Weblog-Betreibern, sich eine Scheibe vom Werbekuchen abzuschneiden. Schon machen erste Erfolgsstories die Runde. So setzt der britische Blogger Andrew Carton mit seinem Weblog Treunauts.com zwischen 8000 und 20.000 Dollar pro Monat um. Auch in den deutschsprachigen Ländern gibt es erste Versuche, mit Weblogs Geld zu verdienen, etwa bei Johnny Haeuslers Spreeblick.com.
"Was ich an Blogs interessant finde, ist die persönliche Perspektive. Menschen schreiben über Dinge, die sie interessieren. Wenn Leute dafür bezahlt werden, geht es mehr darum, ein Ziel zu erreichen." Das sagt Sean Bonner, Mitbegründer des Metroblogging-Netzwerks.
Metroblogging besteht aus knapp 40 ortsspezifischen Weblogs in Städten wie New York, Dubai, Tokyo und Wien, die von lokalen Bloggern betreut werden. Angefangen hat für Metroblogging alles mit einem einzigen Blog in Los Angeles.
Der Startschuss für das Blogging.la genannte Weblog fiel im November 2003. Seitdem schreiben dort täglich eine Handvoll Autoren über die Events, Restaurants, Politik und den Alltag der südkalifornischen Millionenmetropole. Blogging.la hat nur wenig mit dem redaktionellen Anspruch des LA Observed-Blogs zu tun. An Stelle von journalistischem Handwerkszeug steht hier alltäglicher Austausch, der an den Tratsch im Zeitungskiosk um die Ecke erinnert.
Schon kurz nach dem Start bekam Sean Bonner Anfragen aus anderen Städten. Im Sommer 2004 startete man deshalb eine Expansion, und Blogging.la wurde Teil einer stetig wachsenden Familie von Metropolen-Blogs. Wie sich das jeweilige Blog inhaltlich ausrichtet, überlässt Bonner den Autoren vor Ort.
Dieser lokale Ansatz hat sich bisher gut bewährt. Das Metroblogging-Netzwerk bietet mittlerweile 600 Bloggern weltweit eine Heimat. Die Zugriffe auf die einzelnen Seiten wachsen zudem rasant. Das Los Angeles-Blog verzeichnet bereits mehr als eine Millionen Besucher pro Monat.
Die Weblogs des Metroblogging-Netzwerks und Kevin Rodericks LA Observed stellen zwei sehr unterschiedliche Ansätze dar. Auf der einen Seite die Amateur-Blogger, die persönliche Beobachtungen mit Klatsch und Tratsch mischen. Auf der anderen Seite der Berufsjournalist, der sein Blog mit professionellem Arbeitsethos betreut. Beide eint jedoch, dass sie sich erfolgreich aufs Lokale konzentrieren.
Dass lokale Nachrichten in der Hand von Bloggern besser aufgehoben sind, würde Sean Bonner sofort unterschreiben. Er hat denn auch eine ebenso simple wie einleuchtende Begründung für die wachsende Bedeutung der neuen Online-Mikromedien: Es gibt einfach nahezu überall viel mehr Blogger vor Ort als Journalisten.
Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 8. Jänner 2006, 22:30 Uhr
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