Tonspuren
Freitag, 23. Dezember 2005
22:15 Uhr
Freitag, 23. Dezember 2005
22:15 Uhr
Städte ohne Dattelpalmen
Porträt des sudanesischen Dichters Tarek Eltayeb
Porträt des sudanesischen Dichters Tarek Eltayeb
"Es passiert mir häufig, dass man mir sagt, ich sei kein echter Muslim, weil ich nicht faste und nicht in die Moschee gehe, ich sei kein echter Sudanese, weil ich den sudanesischen Dielekt nicht beherrsche, ich sei kein echter Ägypter, weil ich sudanesische Vorfahren habe, ich sei kein echter Afrikaner, weil ich Araber bin und gleichzeitig kein echter Araber, weil ich Afrikaner bin."

Tarek Eltayeb

Tarek Eltayeb
Kindheit in Kairo
Tarek Eltayeb ist 1959 in Bab Elschaaria in Alt-Kairo geboren, in jenem über tausend Jahre alten Stadtteil mit den winkligen Gassen und dem berühmten Basar Chan al-Chalili. Seine ersten Lebensjahre verbringt Tarek bei seiner Großmutter, die nur einen Katzensprung von den geschichtsträchtigen Kultureinrichtungen Hussein-Moschee und As'har-Universität entfernt wohnt.
Tareks Vater, im Sudan geboren, in den frühen 50er Jahren nach Ägyten gekommen, ist beim ägyptischen Militär für Grenzüberwachung zuständig und lebt fern von seiner Familie.
Tarek Eltayeb ist 1959 in Bab Elschaaria in Alt-Kairo geboren, in jenem über tausend Jahre alten Stadtteil mit den winkligen Gassen und dem berühmten Basar Chan al-Chalili. Seine ersten Lebensjahre verbringt Tarek bei seiner Großmutter, die nur einen Katzensprung von den geschichtsträchtigen Kultureinrichtungen Hussein-Moschee und As'har-Universität entfernt wohnt.
Tareks Vater, im Sudan geboren, in den frühen 50er Jahren nach Ägyten gekommen, ist beim ägyptischen Militär für Grenzüberwachung zuständig und lebt fern von seiner Familie.
Wasser vom 600 Meter entfernten Brunnen
Anfang der 60er Jahre, da ist Tarek etwa drei oder vier Jahre alt, bezieht die Familie Eltayeb ein Haus im östlichen Kairoer Stadtteil Ain Schams, wo eine relativ große sudanesische Gemeinde lebt.
"In diesem neuen Viertel," erinnert sich Tarek Eltayeb, "waren wir schon in der Wüste. Es gab keine asphaltierte Straßen, dafür aber viel Wüstensand. Zuhause hatten wir weder fließendes Wasser noch Elektrizität, unser Wasser haben wir vom 600 Meter entfernten öffentlichen Wasserhahn geholt und unser Licht kam aus Kerosin-Lampen."
Anfang der 60er Jahre, da ist Tarek etwa drei oder vier Jahre alt, bezieht die Familie Eltayeb ein Haus im östlichen Kairoer Stadtteil Ain Schams, wo eine relativ große sudanesische Gemeinde lebt.
"In diesem neuen Viertel," erinnert sich Tarek Eltayeb, "waren wir schon in der Wüste. Es gab keine asphaltierte Straßen, dafür aber viel Wüstensand. Zuhause hatten wir weder fließendes Wasser noch Elektrizität, unser Wasser haben wir vom 600 Meter entfernten öffentlichen Wasserhahn geholt und unser Licht kam aus Kerosin-Lampen."
Düstere Gedanken
In diesem Haus, am Rande der Riesenmetropole, wächst Tarek weiterhin ohne Vater auf. Tareks Mutter, eine sehr junge, in Kairo geborene Sudanesin, kümmert sich zu diesem Zeitpunkt ganz allein um ihre drei Kinder, Tarek und seine beiden Schwestern. Tarek ist der Jüngste.
Ich sitze auf einem Stein vor unserem Haus aus Lehm. Vieles geht mir durch den Kopf, während ich mit einem dürren Ast sonderbare Zeichen und Linien in den Boden ritze, ohne es merken. Denn ich bin tief in meine düsteren Gedanken versunken.
Zornig und aufgebracht drücke ich den verdorrten Ast gegen den rissigen und unfruchtbaren Boden. Bittere Wut schnürt mir die Kehle zu. Ich spucke auf den Boden und verfluche diese Armut und diese Dürre, die erbarmungslos über uns hergefallen sind. Ich seufze, wenn ich an meinen Vater denke und daran, was er uns angetan hat. Und ich spucke noch einmal aus. Ich hasse ihn abgrundtief. Er muss mich, meine Mutter und meine beiden kleinen Schwestern ja auch hassen. Warum hätte er uns sonst verlassen...
In diesem Haus, am Rande der Riesenmetropole, wächst Tarek weiterhin ohne Vater auf. Tareks Mutter, eine sehr junge, in Kairo geborene Sudanesin, kümmert sich zu diesem Zeitpunkt ganz allein um ihre drei Kinder, Tarek und seine beiden Schwestern. Tarek ist der Jüngste.
Ich sitze auf einem Stein vor unserem Haus aus Lehm. Vieles geht mir durch den Kopf, während ich mit einem dürren Ast sonderbare Zeichen und Linien in den Boden ritze, ohne es merken. Denn ich bin tief in meine düsteren Gedanken versunken.
Zornig und aufgebracht drücke ich den verdorrten Ast gegen den rissigen und unfruchtbaren Boden. Bittere Wut schnürt mir die Kehle zu. Ich spucke auf den Boden und verfluche diese Armut und diese Dürre, die erbarmungslos über uns hergefallen sind. Ich seufze, wenn ich an meinen Vater denke und daran, was er uns angetan hat. Und ich spucke noch einmal aus. Ich hasse ihn abgrundtief. Er muss mich, meine Mutter und meine beiden kleinen Schwestern ja auch hassen. Warum hätte er uns sonst verlassen...
Diese Gefühle der Fremdheit
Wie Hamza, der Protagonist in seinem Roman "Städte ohne Dattelpalmen", erinnert sich Tarek Eltayeb sehr oft an zu Hause, an seine Familie, an seine Schwester, an Augenblicke seiner Kindheit. Wie Hamza hat er oft diese Gefühle der Fremdheit, des Außenseitertums, der Ungewissheit in einem Leben außerhalb der Heimat.
1984 kommt Tarek Eltayeb mit einem Touristenvisum nach Wien, bleibt, beginnt zunächst als Zeitungskolporteur zu arbeiten. "Damals waren meine Deutsch-Kenntnisse sehr gering und wenn mich jemand gefragt hat: 'Wie heißen Sie?', habe ich immer gesagt 'Kronen-Zeitung' oder 'Fünf Schilling'."
Wie Hamza, der Protagonist in seinem Roman "Städte ohne Dattelpalmen", erinnert sich Tarek Eltayeb sehr oft an zu Hause, an seine Familie, an seine Schwester, an Augenblicke seiner Kindheit. Wie Hamza hat er oft diese Gefühle der Fremdheit, des Außenseitertums, der Ungewissheit in einem Leben außerhalb der Heimat.
1984 kommt Tarek Eltayeb mit einem Touristenvisum nach Wien, bleibt, beginnt zunächst als Zeitungskolporteur zu arbeiten. "Damals waren meine Deutsch-Kenntnisse sehr gering und wenn mich jemand gefragt hat: 'Wie heißen Sie?', habe ich immer gesagt 'Kronen-Zeitung' oder 'Fünf Schilling'."
Text: Mahmoud Lamine
Download-Tipp
Ö1 Club-Mitglieder können die Sendung nach Ende der Live-Ausstrahlung im Download-Bereich herunterladen.
Buch-Tipps
Tarek Eltayeb, "Städte unter Dattelplamen", Edition Selene, ISBN 3852661412
Tarek Eltayeb, "Aus dem Teppich meiner Schatten", Edition Selene, ISBN 3852661773
Tarek Eltayeb, "Verbot und Tabu", Edition Selene, ISBN 3852662370
Ö1 Club-Mitglieder können die Sendung nach Ende der Live-Ausstrahlung im Download-Bereich herunterladen.
Buch-Tipps
Tarek Eltayeb, "Städte unter Dattelplamen", Edition Selene, ISBN 3852661412
Tarek Eltayeb, "Aus dem Teppich meiner Schatten", Edition Selene, ISBN 3852661773
Tarek Eltayeb, "Verbot und Tabu", Edition Selene, ISBN 3852662370
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