Ein Spiel zur Fördergeldvergabe
Die Bewegung der unterschiedlichen Netzkultur-Initiativen formierte sich im Herbst 2004. Die Initialzündung gab ein dreitägiges Festival im Künstlerhaus, bei der sich die digitale Wiener Szene präsentierte.
In Kooperation mit der Kulturabteilung der Stadt Wien wurde im letzten Jahr ein neues Fördermodell entwickelt. Von Anfang an wurde auf Keywords wie "partizipatorisch und egalitär" gesetzt. Denn das neue Modell zur Vergabe der Fördermittel, soll dem Wesen der Netzkultur gerecht werden, betont Christian Theiler, Musiker und Multimedia-Künstler.
Das Herzstück des neuen Fördermodells ist ein Softwareprogramm. Was das Tool zur gegenseitigen Bewertung leisten muss, wurde in langwierigen Diskussionen von der Netznetz-Community erörtert.
Insgesamt wird über Mana eine Fördersumme von 250.000 Euro vergeben. Um mitspielen zu können, muss man erstens im Bereich der Netzkunst und Netzkultur im Raum Wien aktiv sein und sich bis 3. März unter"mana.netznetz.net" registrieren. Das aktuelle Konzept, für das sich im Dezember eine Mehrheit aussprach, basiert auf einer Spielidee.
Wie das Community Game tatsächlich funktioniert, erklärt Christoph Theiler, der auch die Idee zum favorisierten Modell hatte. Jeder Mitspieler bekommt von der Software zufallsgesteuert eine unterschiedliche Zahl von Spielpunkten zugewiesen. Damit die Spielpunkte nicht verfallen, müssen sie untereinander vergeben werden. Am Ende des Spiels können die Bewerber die gesammelten Punkte bei der MA7 gegen Fördergeld eintauschen.
Stichwort Ideenklau. Wird ein Projektantrag bei einer Förderstelle abgegeben, so kann der Bewerber davon ausgehen, dass sein Vorhaben vertraulich behandelt wird. Anders bei einem öffentlichen Bewertungsspiel, bei dem die Bewerbungen für alle einsehbar sind. Die Beschreibung des Projektvorhabens spielt deshalb im Mana-Community-Game eine untergeordnete Rolle. Vergeben werden Stipendien, erklärt Thomas Thurner.
Dass mit "Mana" nicht konkrete Projekte sondern interessante Arbeit gefördert werden soll, dafür spricht sich auch Hans Bernhard von der Gruppe"ubermorgen.com" aus. Der international erfolgreiche Netzkünstler vergleicht sein Schaffen mit der Grundlagenforschung, wo nicht ergebnis- sondern erkenntnisorientiert gearbeitet wird.
Doch wenn Personen gefördert werden, wie geht die Community dann mit Neidgenossenschaft und Freunderlwirtschaft um? Kein Problem, meint Stefan Lutschinger, der derzeit die Rolle des Mana-Community-Game-Sprechers einnimmt. Freunderlwirtschaft ist die Rückseite der Vernetzung und ist ausdrücklich dann erlaubt, wenn sie zu konstruktiven Ergebnissen führt.
Wenn Fördergeber gleichzeitig auch Förderempfänger sind, ist sozialer Druck vorprogrammiert, kritisieren Sabine Maier und Michael Mastrototaro, die als Künstlerduo "Machfeld" Netz- und Medienkunst betreiben.
Um ihre Werke realisieren zu können, sind sie auf öffentliche Förderungen angewiesen. "Für uns ist diese Arbeit kein Spiel sondern unser Broterwerb, in anderen Bereichen wäre es undenkbar Spiele einzuführen, um an Gelder heranzukommen."
Mit der Entwicklungsarbeit der Netznetz-Szene höchst zufrieden, ist der der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath- Pokorny. Was er sich von dem kulturpolitischen Experiment erwartet?" Ich erwarte mir eine Belebung der Szene und dass gute Projekte herauskommen. Wenn das gut funktioniert, kann ich mir durchaus vorstellen dieses Modell auch auf andere Förderbereiche auszuweiten."
Insgesamt steht stellt die Stadt Wien für Netzkunst und Netzkultur ein Fördervolumen von 500.000 Euro bereit. 50.000 Euro sind für Kleinstförderungen vorgesehen, um diese so genannten "Microgrants" können Kunst- und Kulturschaffende nach wie vor bei der Wiener Kulturabteilung ansuchen.
100.000 Euro stehen für "Backbone-Projekte", also für die Förderung von Infrastrukturen bereit und mit den restlichen 100.000 Euro soll die Netznetz-Community eine jährliche Großveranstaltung bestreiten, die so genannte"Annual Convention", bei der die geförderten Projekte präsentiert werden.
Die Hälfte des Fördervolumens wird über Mana vergeben, als so genannte "Networkgrants". Was ist aber nun mit den Spielverderbern, die keine Lust haben sich in das Community-Game einzuklinken? Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny sieht darin kein Problem: "In anderen Förderbereichen muss man sich dem Kuratorenmodell oder dem Jury-Modell oder dem Beiratssystem unterwerfen."
Für einen Player der Wiener Netzkulturszene scheint das Spiel bereits gelaufen zu sein. Die Netbase, die seit 1994 nicht nur lokal sondern auch international als Anlaufstelle für Netzkünstler und Drehscheibe für Netzdiskurse fungierte, müsste sich nun ebenfalls über das neue Fördermodell um Gelder bewerben.
Doch bei den geringen Fördersummen, die über das Community Game verteilt werden, ist eine nachhaltige und internationale Projektarbeit nicht zu finanzieren, so Konrad Becker, Gründer und Leiter der Netbase. Außerdem sei ein Förderspiel nicht dazu geeignet, Finanzierungspartner, wie die EU an Land zu ziehen.
Matrix, Sonntag, 19. Februar 2006, 22:30 Uhr
Download-Tipp
Ö1 Club-Mitglieder können die Sendung nach der Ausstrahlung 30 Tage lang im Download-Bereich herunterladen.
Veranstaltungs-Tipp
Community Gameplay - Das softwarebasierte Fördermodell Netzkulturen MANA, Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien, 20. Februar 2006, 19:00 Uhr.
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