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Highlights
Anlässlich des EU-Lateinamerikagipfels setzt Ö1 von April bis Juni mit mehr als 30 geplanten Sendungen einen besonderen Programmschwerpunkt.
Aufbrüche, Umbrüche, Alternativen
Lateinamerikanische Skizzen
In Guatemala kontrollieren einige wenige Großgrundbesitzer 60 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Landes. In Argentinien besitzen zehn Prozent der Bevölkerung rund dreißig Mal so viel Einkommen und Vermögen wie die restlichen neunzig Prozent. In Brasilien verfügt ein Prozent der Bevölkerung über fast die Hälfte des Bodens. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Vielerorts organisieren sich jedoch Bewohnerinnen und Bewohner Lateinamerikas, die sich mit diesen und anderen Ungerechtigkeiten nicht mehr abfinden. Der "Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra" (MST), die Bewegung der landlosen Bauern Brasiliens, gelang es beispielsweise mit einem Marsch Richtung Hauptstadt Brasilia, auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Die Landlosen fordern vehement eine Agrarreform.

(c) APA
Voraussetzung für eine Landreform böte eigentlich die brasilianische Verfassung, die die Enteignung unproduktiven Landes für die Agrarreform vorsieht.

Das Wasser gehört allen
So lautete der Slogan einer Initiative in Uruguay, die sich für den uneingeschränkten freien Zugang aller zu Trinkwasser und Abwassersystem und gegen die Pläne von Politik und Wirtschaft, Wasser zu privatisieren, engagierte. Ende 2004 wurde, gemeinsam mit den letzten Parlamentswahlen, ein Referendum abgehalten, in dem sich die Bevölkerung mehrheitlich dafür aussprach, den Schutz des Wassers - weltweit erstmalig - in der Verfassung zu verankern. Seither kämpft man um die Auflösung der Verträge mit internationalen Konzernen, an die zuvor schon ein Teil der Wasserversorgung verkauft worden war, und darum, die ebenfalls per Referendum verlangte Mitbestimmung der Bevölkerung bei der Wasserver- und Abwasserentsorgung umzusetzen.

In vielen Ländern Lateinamerikas liegt das Ende der letzten Militärdiktatur nicht allzu lange zurück, Volksentscheide wie das Wasser-Referendum in Uruguay werden auch als wichtige Zeichen sich entwickelnden Demokratieverständnisses gewertet.
Sozialpsychologen gefragt
Neue Ansätze gibt es in einer Psychologie der Befreiung Lateinamerikas. Die zentrale Frage, welche Rolle die Psychologie angesichts der gesellschaftlichen Realität in lateinamerikanischen Ländern spielen kann, versuchen Sozialpsychologen, Anthropologen und Philosophen aus allen Teilen des südlichen Kontinents neu zu beantworten. Seit 1998 haben sie ein Netzwerk aufgebaut und organisieren im Zwei-Jahres-Rhythmus Kongresse mit dem Ziel, die psychologische Theorie und Praxis den konkreten Bedürfnissen und Problemen der gesellschaftlichen Realität in ihren Ländern anzupassen - einer Realität, in der Gewalt eine zentrale Rolle spielt, aber auch die Hoffnung der Menschen auf ein besseres Leben.
Text: Birgit Dalheimer, Ö1 Wissenschaftsredaktion
Hör-Tipp
Radiokolleg, Montag, 24. April bis Donnerstag, 27. April, 9:05 Uhr

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