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Vom Schauspieler zum Regisseur

Wolfgang Rupert Muhr
Die künstlerische Palette Muhrs ist sehr breit - und ganz stark vom Schreiben geprägt, wie er erzählt: "Der Impuls zum Schreiben-Müssen ist bei mir sehr stark und die Wertigkeit des Schreibens steht ganz oben. Denn beim Schreiben ist man ganz auf sich gestellt - und hat nicht diese enorm aufwendige Struktur wie beim Filmemachen. Es ist etwas Wunderbares, der pure kreative Akt." Und er kann auch auf diesem Gebiet bereits einiges vorweisen:
So hat er bereits die Theaterstücke Lemminge im Kopf (1996), die im dietheater Konzerthaus Wien uraufgeführt wurden sowie "Fiat Lux" und das Dramolett "Dezibel entscheiden" (1999), das am Burgtheater aufgeführt wurde, verfasst. "Im Mittelpunkt meiner Stücke steht immer der Mensch. Es geht um das Miteinander von Menschen, es erforschen und verstehen zu wollen - ein Suchen nach der Authentizität, gemischt mit einer Prise Humor und Ironie."
Das kreative Multitalent hat aber auch zwei Hörspiele verfasst, die bereits in Ö1 ausgestrahlt wurden: "Frau Karlova bittet zu Tisch" (2000) sowie "Station Zebra" (2001):
"Bei diesem Genre liegt die Sinnlichkeit ausschließlich auf der Tonebene. Der Zuhörer schafft aus seiner Imagination Bilder. Ich finde dieses Medium faszinierend, weil so viel der Vorstellungskraft des Zuhörers überlassen ist", erzählt Muhr.

Vera Weisbrod als Laureen in "Begun in Hollywood, finished in Vienna" (2001/03): "Amerikanische Traumwelt versus Wiener Wirklichkeit - oder etwa umgekehrt - oder keines von beiden?", lässt Wolfgang Rupert Muhr offen.
"Das schwierigste bei diesem Medium ist für mich der organisatorische Aufwand. Begonnen bei der Finanzierung, beim Materialeinsatz, der auch für unspektakuläre Projekte nötig ist, bis hin zur Abhängigkeit vom Wetter. Und dann die Qual der Wahl in der Postproduktion: Die enormen Möglichkeiten, die das digitale Zeitalter bietet, sind zweischneidig: Einerseits enorm hilfreich für die eigene Vision, andererseits kann man sich leicht in einem Labyrinth an Möglichkeiten verlieren", beschreibt Muhr, der das fiktionale Genre bevorzugt, die Herausforderung des Filmemachens.
Seit Beginn seines Studiums sind bereits zahlreiche Filme entstanden, so u. a. "Teamwork" und "Paranoikum" (beide 2000), das Porträt "Lucy McEvil" (2001), "Begun in Hollywood, finished in Vienna" (2001/2002), der Spiel/Real-Dok "Lebewohl, Bruder!" (2003/2004) sowie der Kurzspielfilm "Lovers´ Campus (2004/05).

"Lovers' Campus" (2004/05) mit Jasmin Devi (Diane) und Kathi Schwarz (Tim): "Dieser Film, der vom Streit eines Paares, der ihr Leben nachhaltig verändert, erzählt, ist ein Spiel mit Klischees", so Wolfgang Rupert Muhr.
Muhrs jüngste erfolgreiche Arbeit, die im vergangenen März gezeigt wurde, war eine Visualisierung von Maurice Ravels exotisch gefärbten "Chansons madécasses" für den Wiener Musikverein. Das Video verbindet die Klangfarben Ravels in optischer Form zu einem synästhetisches Kunstwerk.
"Einen ganz wesentlichen Anteil an dieser assoziativen Arbeit hat Christian Haake als Kameramann, den ich besonders schätze. Die besondere Herausforderung war es, genau umgekehrt zu arbeiten, als man es sonst tut - denn hier entstand nicht die Musik zum Film, sondern sie war die Vorgabe. Wir haben versucht, die Schwere dieser Musik gegenläufig zu behandeln. Individualismus versus Masse war dabei ein Thema", so Muhr.

"Lebewohl, Bruder!" (Spiel-Doku, 2003/04): Was W. R. Muhr als "Fake-Doku" geplant hatte, entwickelte sich vor laufender Kamera schließlich zum "echten" Dokumentarfilm.
Derzeit arbeitet der Nachwuchs-Regisseur außer an seinem Diplomfilm-Drehbuch an einem Dokumentarfilm, in dem es um das Wiedersehen von drei Geschwistern in ihrem Elternhaus, dessen Zukunft ungewiss ist, geht.
"Es ist spannend zu sehen, wie diese drei Protagonisten in diesem Umfeld zusammentreffen. Ich will darin einen Teil ihres Lebens beschreiben - und damit auch für sie festhalten", erzählt Muhr über sein jüngstes Projekt, das im Sommer beendet sein wird.
Das Schreiben von Hörspielen, Theaterstücken und Prosa will der vielseitig talentierte Filmemacher, der eine starke Affinität zum fiktionalen Genre hat, nach Abschluss seines Studiums wieder intensivieren.
Und wie lauten die Zukunftswünsche von Wolfgang Rupert Muhr? "Einen guten Diplomfilm zu machen. Die geplante Länge liegt bei hundert Minuten, das Buch geht in eine ganz andere Richtung als bisherige Projekte, weg von der Überhöhung. Und wenn wir dazu die richtigen Produktionspartner bekommen und der Film seinen Weg zu einem Verleih findet, ist die Mission erfüllt. Zumindest diesen einen mehr als tauglichen Langfilm habe ich mir vorgenommen. Weiter schau ich gar nicht."
Wolfgang Rupert Muhr
Links
Wiener Filmakademie
Filmfestival der Filmakademie Wien 2003 - Begun in Hollywood, finished in Vienna
Diagonale 2005 - "Lebewohl, Bruder!"
Burgtheater
Musikverein
Theater in der Josefstadt
Volkstheater Wien
Julia Drack, Schnitt
Esther Hassfurther, Produktion und Regie
Gerald Kerkletz, Kamera
Markus Kircher, Schnitt
Lucia Schrenk, Produktion
Hannes Kreuzer, Produktion
Thomas Marschall, Kamera
Johanna Moder, Filmregisseurin
Alexander Vittorio Papsch, Filmemacher
Peter Jaitz, Filmregie
Constanze Schumann, Produzentin
Libertad Hackl, Buch & Regie
Robert Oberrainer, Kamera
Barbara Schärf, Filmregie
Roman Sorger, Produzent
Alarich Lenz, Cutter
Clemens Kogler, Experimentalfilmer
Erik Etschel, Film-Regie
Sigmund Steiner, Filmregie
Rosana Saavedra Santis, Schnitt
Wolfgang Rupert Muhr, Filmregie
Marie Kreutzer, Buch & Dramaturgie
Marcus J. Carney, Filmemacher
Alexander Glehr, Produktion
Nina Kusturica, Filmregisseurin
Marco Antoniazzi, Filmregisseur
Thomas Reider, Drehbuch & Regie