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Highlights
Voriges Jahr wurde Andahuaylas Schauplatz einer spektakulären Aktion für die Rechte der Indigenos.
Der Kampf der Ketschuas
Nachfahren der Inkas
Ausgerechnet in jener Stadt, in der José Maria Arguedas, der sein Leben lang gewaltlos für die Anerkennung der Ketschua kämpfte, die ersten drei Jahre seines nicht sehr glücklichen Lebens verbrachte, besetzten Anfang Januar 2005 Antauro Humala und eine Gruppe "Ethnocaceristen" eine Polizeistation und nahmen 17 Polizisten als Geiseln. Ihre Forderungen: Präsident Alejandro Toledo solle zurücktreten, denn er habe nicht nur seine Herkunft als Indigeno, sondern auch Peru verraten. Seine Demokratie wäre eine "timo-cracia" (von span. timo: Betrug, Gaunerei), und der Ausverkauf Perus müsse gestoppt werden.

Vier Tage später waren die Geiseln frei, aber es waren fünf Tote zu beklagen. Antauro Humala wurde verhaftet, die Aktion als versuchter Militärputsch gewertet. Antauros Bruder Ollanta Humala, damals Botschafter in Südkorea und möglicherweise der nächste Präsident Perus, distanzierte sich von ihm.
Weg in die Legalität
Besondere Pikanterie: Beide Brüder leiteten bereits eine ähnliche Aktion im Oktober 2000. Durch die Besetzung einer Kupfermine in Toquepala, knapp 200 Kilometer südlich von Cuzco, sollte Präsident Fujimoris Abdankung und die Verhaftung seines Sicherheitschefs Vladimiro Montesino erzwungen werden. Die Aktion selbst hatte keinen Erfolg. Die Humala-Brüder wurden verhaftet, aber relativ bald begnadigt. Fujimori und Montesino warten beide hinter Gittern auf ihren Prozess. Die Brüder Humala, drei sind mittlerweile in der Politik, wollen nun mit legalen Mitteln die Rechte der Indigenos durchsetzen.

Vater Isaac Humala, Rechtsanwalt, Führer der Kommunisten und Gründer von Perus "Ethno-Nationalistischer Bewegung", war davon überzeugt, dass nur die Nachkommen der Inkas die Peruaner aus dem Joch von Armut, Missachtung und Entrechtung führen könnten. Deshalb gab er fünf seiner acht Kinder Ketschua-Namen und schickte zwei seiner Söhne, Antauro und Ollanta, auf die Militärakademie in Chorillos.

Und immer wieder begegnete er in seinem Leben Mario Vargas Llosa: Er brachte ihm die Grundlagen des Marxismus-Leninismus bei, Vargas Llosa dagegen porträtierte ihn in seinem Roman "Gespräch in der Kathedrale".

(c) APA
José Maria Arguedas setzt sich mit Hilfe seiner Bücher für die Ketschua ein.

Nachfahre des letzten Inkas
Knapp 200 Jahre früher nahm auch José Gabriel Condorcanqui einen Ketschua-Namen an, vielleicht mit etwas mehr Berechtigung als die Humalas, die aus einer Mestizen-Familie stammen: José Gabriel Condorcanqui war nämlich der Urenkel des letzten Inkas Túpac Amaru.

Er wollte eigentlich nur in Frieden leben, als er von Spaniens Gnaden über die Provinzen Tungasuca und Pampamarca herrschte, doch das Elend und die Armut seiner Schutzbefohlenen ließen ihm keine Ruhe. 1780 kam es zum ersten landesweiten Aufstand gegen die Spanier seit 200 Jahren. Er wurde blutig niedergeschlagen. Tupac Amaru der II. musste am Hauptplatz von Cuzco die Hinrichtung seiner ganzen Familie und seiner Anhänger miterleben, bevor er selbst grausam umgebracht wurde. Die unmittelbaren Folgen des Aufstands: Die Hispanisierung der Indigenos wurde mit noch größerem Nachdruck betrieben. Und: Tupac Amaru II. wurde zum Mythos.
Leben unter Ketschuas
Wie passt der Schriftsteller José Maria Arguedas in diese Sache? Arguedas wuchs unter Ketschua wie ein Ketschua auf, nicht aus eigener Entscheidung, sondern weil ihn seine Stiefmutter, eine reiche Großgrundbesitzerin, nicht in ihrer Nähe haben wollte, als ihr Mann, sein Vater, sich vor der Polizei verstecken musste. Dieser war nämlich als Anwalt für die Rechte der Armen gegen die Reichen eingetreten. Als Arguedas mit 14 ins Jesuitenkolleg von Huancayo kam, sprach er nur Ketschua und musste erst "zivilisiert" werden.

Seine Erlebnisse und die Lebensumstände der Ketschua aus dieser Zeit schrieb er 1958 in dem autobiografisch geprägten Roman "Die tiefen Flüsse" nieder, in einem an die Grundlagen des Ketschua angelehnten, neuen Sprachstil. Im selben Jahr wurde er Professor für Anthropologie und leitete das Museo Nacional de Historia, immer bestrebt, das kulturelle Erbe der Ketschua und der Inka-Nachfahren zu erhalten.

An der unüberwindlichen Kluft zwischen Indigenos und Weißen, die er am eigenen Leib erlebt hat und die sich ihm als Persönlichkeitsbild in die eigene Seele eingeprägt hat, ist er schließlich zerbrochen. José Maria Arguedas hat sich am 2. Dezember 1969 in Lima das Leben genommen.
Text: Friederike C. Raderer
Hör-Tipp
Terra incognita, Donnerstag, 4. Mai 2006, 11:40 Uhr

Buch-Tipp
José Maria Arguedas, "Die tiefen Flüsse", aus dem Spanischen übersetzt von Susanne Heintz, Suhrkamp Verlag, ISBN 351837088
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