Kolumne von Janko Röttgers

Was für eine Katastrophe. Dank Podcasting kann jetzt jeder Radio machen.
Dazu kommt, dass viele Podcaster mangels anderer Themen am liebsten über Podcasting selbst sprechen. Derartiges selbst-referenzielles Gehabe würde Niklas Luhmann stolz machen, uns Durchschnittsnutzern ruiniert es jedoch lediglich das Gehör. PFFFFdcasting, PCHCCHCHcasting, PRRRdcasting. Hat man erst einmal eine Reihe von Podcasts auf dem eigenen iPod, dann wird bald jeder Track zum Knaller. Haben sie in letzter Zeit mal jemanden mit den verräterisch weißen Kopfhörern gesehen, der alle paar Minuten unversehens zusammenzuckt? Jede Wette, dass derjenige sich grad am Hören eines Podcasts versucht hat.
Zum Glück gibt's ein paar gelungene Ausnahmen. Da wäre zum Beispiel Johnny Häusler vom Spreeblick-Podcast. Jeden Tag versorgt er uns mit amüsanten Alltagsbetrachtungen, für Leute wie mich unlösbaren Musikrätseln und kurzweiligem Geplänkel aus Berlin Kreuzberg. Oder Leo Laporte und seine Kollegen vom TWIT-Podcast, die einmal in der Woche launisch und unterhaltsam die aktuellen Technologie-Nachrichten kommentieren.
Zugegeben, Häusler und Laporte sind alles andere als Amateure. Der eine moderierte lange Jahre im Berliner Rundfunk, der andere ist heute noch jede Woche in den USA auf Sendung. Doch die beiden haben früh verstanden, warum Podcasting so revolutionär ist. Nutzer können sich ihre Programme anhören, wann und wo immer sie wollen. Keine Zeit, um 12.00 Uhr Mittags in die wöchentlich Lieblingssendung einzuschalten? Kein Problem: Eine MP3-Datei der Sendung wartet bereits auf der heimischen Festplatte.
Produzenten müssen sich nicht mehr an die Begrenzungen des klassischen Rundfunks halten. Sendungen können so kurz oder lang sein, wie es für das jeweilige Thema angebracht ist. Dazu wird die Welt zum eigenen Sendegebiet. Podcaster finden über das Netz Zuhörer in Gegenden, die für klassische Radiowellen unerreichbar gewesen wären.
Und dann wären da natürlich noch die Produktionskosten. Bandbreite gibt's zwar nicht umsonst, aber billiger als Sendemasten ist sie allemal. Ein paar Investitionen sollte man trotzdem nicht scheuen. Hobby-Podcaster: Nehmt euch ein Beispiel an den Profis und Radio-Aussteigern. Kauft euch gute Mikrofone mit Poppschutz. Dann klappt's auch mit der Radio-Revolution. Und dem P obendrein.
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