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Highlights
Barockmusik im Herzen Boliviens: Die Geschichte, wie es dazu kam, reicht rund 300 Jahre zurück.
La Noche de Santa Cruz
Konzert für eine explodierende Stadt
17. Jahrhundert. Die Jesuiten brechen auf nach Südamerika. Sie haben das Christentum im Gepäck, und: Koffer voller Noten und Geigen. In Bolivien gründen sie Dörfer, bauen Kirchen und geben die ersten Konzerte. Die Indios hören die Musik und sind verzaubert. Sie kommen in Scharen.
Vergessene Partituren
Als die Jesuiten von den Spaniern vertrieben werden, werden die Noten in den Kirchen vergraben und versteckt.

Fast 300 Jahre weiß man nichts von diesen Partituren. Erst vor etwa 35 Jahren hat der Schweizer Architekt Hans Roth bei den Renovierungsarbeiten der barocken Kirchen die Fragmente und Überreste dieser alten Partituren gefunden. Seither arbeiten Musikwissenschaftler an der Erforschung des amerikanischen Barock.
Neues Leben in den Dörfern
Dann ist da noch die Geschichte des Franziskanerpaters Walter Neuwirth. Er stammt aus dem Böhmerwald und entschloss sich vor 35 Jahren, Europa den Rücken zu kehren und nach Bolivien zu gehen. Er sagt: "Die kleinen Dörfer der Chiquitania waren beinahe reine Frauendörfer. Die Männer waren alle arbeiten auf den großen Fincas der reichen Weißen."

Mit deutschem Geld, das er bei seinen vielen Reisen in die "Heimat" wie er sagt "ersammelt und erbettelt" hat und dank vieler Sponsoren konnte er eine kleine Baugenossenschaft gründen und erste Bauprojekte in Angriff nehmen. Und tatsächlich, die Männer kehrten in die Dörfer zurück und blieben.
Eine Zeder für die Geige
Walter Neuwirth fiel auf, dass die Indiokinder überaus musikalisch waren, aber es gab praktisch keinen Unterricht. Es gab ja auch keine Instrumente. Aber früher, vor 30, 40 Jahren, hatte es hier in den Dörfern der Chiquitania doch sowas wie Instrumentenbau gegeben.

Mit viel Überzeugungs- und Überredungskunst konnte er den Messner seiner Kirche dazu bringen, mit ihm und einigen Helfern in den Busch zu gehen und eine erste Zeder zu fällen für die ersten Geigen.

Und dann steht da bei einem Dorffest ein junger Geiger an einer Ecke wie ein Bettler: Ruben Dario. Und den spricht Pater Walter Neuwirth an und bittet ihn, er möge doch die Kinder unterrichten. Innerhalb eines Jahres wird ein kleines Orchester zusammengestellt und es wird ein erstes Weihnachtsoratorium einstudiert.
Barock für Indiokinder
Die Organisatoren des Festivals international de musica antica barroca begreifen schnell, dass dieses Kinderorchester das Herz ihres Festivals sein würde. Und sie bitten Ruben Dario, Stücke der amerikanischen Barockmusik-Komponisten mit den Kindern einzustudieren.

Und so kann man zusammenfassend sagen: Ab diesem Zeitpunkt spielen die Indiokinder, die in Dörfern aufwachsen, in denen es weder Strom noch Wasser gibt, die Musik der amerikanischen Barockmusik-Komponisten. Und ernten dafür weltweit Applaus.
Text: Eberhard Petschinka
Hör-Tipp
Hörbilder spezial, Montag, 25. Dezember 2006, 10:05 Uhr

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