Empathie mit Schafen

Damit ein Buch in 15 Sprachen übersetzt wird, bedarf es eines Mordes.
Es war... ein Bild in einer Gratiszeitung, Frau Swann trug einen Schal. Auch sonst sah sie auf dem Foto sehr freundlich aus. Es war das erste Mal, dass ich ein Buch auf Grund eines Fotos der Autorin gekauft hatte.
Das Gesicht versprach
- so etwas wie Klugheit (wenngleich ich Klugheit in Büchern, wie sie in der jüngeren österreichischen Literaturgeschichte immer häufiger anzutreffen ist, verabscheue und auch fürchte, da sie mich zornig macht auf den Autor, der mich zornig macht auf mich selbst, weil er klüger ist und ich eine Wurst bin; das ist aber bei weitem nicht der einzige Grund),
- Empathie (was auch immer das sein soll, jedenfalls etwas, wovon Frauen vorgeblich mehr besitzen als Männer; zum Beispiel Halvar von Flaake ist echt nicht empathisch, Arnold Schwarzenegger auch nicht, trotz allem nicht, und Leibwächter, mehrheitlich Männer, na?),
- Eleganz (Frauen mit Hakennasen begehre ich tendenziell, und wenn ich begehre, apostrophiere ich das Objekt als feinfühlig, nachdenklich und - elegant, eben so, wie ich mich selbst gerne sehen würde; die Partnerwahl im weitesten Sinn ist also immer das Ergebnis der Suche nach sich selbst, so auch die Wahl der Lektüre, denn Bücher sind Lebensabschnittspartner),
Es geht um einen Mord. Es war... nicht der Metzger. Auch wenn es lange so aussieht, als ob. Es sind Schafe, die versuchen, einen Mord aufzuklären. Ihr Schäfer wurde tot aufgefunden, jemand hatte ihm einen Spaten durch den Leib gestoßen. Wie schrecklich. Frau Leonie Swann, die beim Interview in der Sendung "Von Tag zu Tag" leider sagte, dass sie einen "Mann" hat, kann verflucht gut schreiben, vor allem aber - und das ist so selten geworden - beweist sie beispiellose Empathie für die Schafe. Bis ich ihrer ansichtig wurde, hatte ich den Verdacht gehegt, dass sie selbst ein Schaf sein könnte, welches zu Promotionzwecken irgendeine Frau aus Berlin bezahlt und sie zu den Fototerminen und Lesungen schickt. Als sie jedoch da saß und sagte, dass sie einen "Mann" hat, verflog nicht nur diese Illusion.
Sehr schade, ich kann sehr gut kochen, ich habe sogar einmal ausgezeichnete Lammrücken gemacht, vorher einige Stunden in Olivenöl und Oregano, Senf darf nicht fehlen (die Gäste rätselten, woher die feine Würze wohl gekommen wäre), Pfeffer, Salz erst in der Pfanne, weil das Salz total stark Wasser entzieht... ich weiß nicht mehr, was da sonst noch drin war, aber es gab Kartoffeln und Rotwein dazu, es war sehr, sehr, sehr schön.
Leonie Swann, "Glennkill", Goldmann Verlag 2006, ISBN 3442301297
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