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Fernsehen, do it yourself!
Ein unaufhaltsamer Aufstieg
YouTube, Video-iPod und Videoblogs sind der Grund, warum vor allem jüngere Seher immer öfter wegzappen oder gar nicht erst vor dem Fernsehapparat sitzen. Stattdessen suchen sie sich im Internet interessante Clips zusammen und gestalten sich solcherart ihr eigenes Fernsehprogramm.

(c) ORF, Hummel
YouTube, Video-iPod und Videoblogs sind auf der Bildfläche erschienen und ziehen vor allem jüngere Seher an.

Das eigene Fernsehprogramm
Immer öfter machen sie sich das Fernsehen auch einfach selbst. Um etwa ein Videoblog zu starten, braucht es nicht mehr als eine billige Videokamera. Wer etwas mehr investiert und sich mit Streaming-Technologie auskennt, kann sogar einen eigenen, fernsehartigen Breitband-Kanal im Internet starten. Und immer mehr tun das auch.

Einer von ihnen ist Stefan M. Seydel, der vom Südufer des Bodensees aus sein Videoblog Rebell.tv betreibt. Von Montag bis Freitag stellt er dort täglich etwa drei Minuten lange Videokommentare online. Auch Blogger lassen mit ihren Texteinträgen ihr Publikum gewissermaßen beim Denken zusehen, bei Stefan M. Seydel können dies die Zuschauer aber im wahrsten Sinne des Wortes tun: In seinen Videoeinträgen zeigt er die Bücher und Zeitungsartikel, die ihn bewegen und er spricht öffentlich darüber, an welchen Fragen er gerade arbeitet.
Skepsis gegenüber der Masse
"In Anlehnung an Bourdieu gehe ich davon aus: Das Elend der Welt - 'La misère du Monde' - ist beschrieben. Das machen die Medien - Zeitungen, Fernsehen - auch hervorragend", sagt Seydel. "Aber die Frage ist: Wohin geht das jetzt? Was müssen wir tun? Was können wir tun? Und da stellen sich uns ja ganz viele neue Fragen."

Seydel operiert dabei sehr stark mit einer, wie er es nennt, "200-Jahres-Rhetorik: 1789 Paris, 1989 Berlin". Sein Videoblog Rebell.tv ist dabei Teil einer Medienrevolution, die ihrerseits Teil gesamtgesellschaftlicher Umwälzungen ist. Unter Bezugnahme auf das revolutionäre 18. Jahrhundert kultiviert Seydel dabei bewusst eine Skepsis gegenüber jeder Art von Masse:

"Um Web 2.0 ist im Moment ja ein ganz großer Hype, was diese Plattformen und sozialen Online-Netzwerke angeht. Wir sprechen vom Schwarmgeist und die Medien sind unglaublich begeistert von Wikipedia & Co, wie toll das sei und wie wunderbar doch diese Masse ihr Wissen zusammentrage und teile und wie weise das alles sei. Ich bin überhaupt kein Freund von Masse. Ganz im Gegenteil: Ich finde es geht darum, wie finden wir die Wege aus der Masse? Wie schaffen wir es, den geistigen La-Ola-Bewegungen aus dem Wege zu gehen?"
Die Stärkung des Individuums
Stefan M. Seydel orientiert sich dabei stark auch an historischen und lokalen Vorbildern, namentlich Querdenkern und Dichtern aus der Schweiz wie Gottfried Keller oder Thomas Bornhauser und generell an der Schweizer Staatsverfassung, die dem Einzelnen ein großes Maß an Mitsprache und Macht verleiht. Darin - in der Stärkung des Individuums - sieht Seydel auch das große und eigentliche Potential des Internet.
Text: Richard Brem
Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 22. Oktober 2006, 22:30 Uhr

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