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Was bedeutet Kunst für Sie?
Die Kunst ist ein Weg, mich auszudrücken, eine Idee mitzuteilen. Wichtig ist dabei, was ich sage - es hat viel mit Persönlichem und mit Sozialem zu tun.

Woher kommt Ihre Kreativität?
Im Sinn von Inspiration sind das für mich Themen aus unserer Realität, soziale Themen - und ich bin von der westlichen Kunst beeinflusst.

Ihr Motto lautet?
Ich habe keines.

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Nazim Ünal Yilmaz, Maler
Finalist des Ö1 Talentestipendiums 2009
"Künstler zu sein bedeutet so etwas wie ein Geschlecht, eine Identität. Ob man nun Türke, Österreicher oder Deutscher ist - das kann man sich nicht aussuchen, man ist es eben. Natürlich habe ich in diese Richtung Entscheidungen getroffen wie zum Beispiel, Kunst zu studieren. Aber das lief nicht so sehr auf einer logischen Ebene ab. Wenn man mit den sozialen Umständen, mit der Realität einer Gesellschaft unzufrieden ist, wird man zum schwarzen Schaf.

Und wenn sich jemand aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlt, ist diese Situation das Tor zur Kreativität - und die ist auf den verschiedensten Gebieten möglich. Jeder kann kreativ sein", erzählt Nazim Ünal Yilmaz, gebürtiger Türke aus Trabzon, Jahrgang 1981, der seit 2005 zunächst bei Peter Kogler und nun bei Constanze Ruhm Kunst und digitale Medien an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert.

(c) Yilmaz
Nazim Ünal Yilmaz

Nach seiner Ausbildung an der Anatolia Fine Arts High School, die auf künstlerische Fächer ausgerichtet ist und wo er zweisprachigen Unterricht in Türkisch und Englisch erhielt, begann er nach der Matura im Jahr 2000 an der Anatolia University in Istanbul mit dem Studium der Malerei, das er 2005 abgeschlossen hat.

"Ich wollte Europa kennen lernen und durch Freunde, die ich hier habe und die mir halfen, kam ich nach Wien. Ich mag Wien, obwohl die Stadt trotz ihrer alten Geschichte nicht sehr kosmopolitisch ist", so der junge Künstler.

Abschließen wird Yilmaz sein Kunst-Studium bis Frühjahr 2010.

Finalist des Ö1 Talentestipendiums 2009
Der Nachwuchskünstler wurde von der Akademie der bildendenden Künstler als einer der drei Finalist/innen für das Ö1 Talentestipendium für bildende Kunst 2009 ausgewählt.
Klare Aussagen mit figurativer Malerei
"Ich würde meine Malerei nicht als realistisch, sondern als figurativ, konkret bezeichnen. Ich habe früher auch abstrakt gemalt. Ich habe nun diese Form gewählt, weil ich zu sozialen Themen klar etwas sagen will, denn für mich steht die Ethik im Zentrum.

Ich halte die berühmteste Richtung, die amerikanischen Abstrakten, heute für degeneriert. Womit ich nicht generell sagen will, dass es dort keinen ethischen Anspruch gibt. Man muss auch zwischen amerikanischen und russischen Abstrakten unterscheiden. Ich sehe z.B. Malewitsch nicht als Abstrakten - er hatte eine Utopie, eine Idee. Es ist nicht mein Ziel zu malen, nur um meine persönlichen Gefühle auszudrücken. Ich bin sehr von der Barock-Malerei wie auch von der heutigen Illustration inspiriert. Beim Barock ist es diese Disziplin zwischen Künstler und Gesellschaft, die ich so mag", erläutert Yilmaz.

(c) Yilmaz
"Different Colours Made Of Tears" (Öl auf Leinwand, 160 x 140cm, 2005; Bildausschnitt): "Die Noah-Geschichte über die Sintflut dürfte einer der ersten Texte sein, in denen der Regenbogen eine positive Bedeutung erhielt", so Nazim Ünal Yilmaz.

Ethik als Basis einer besseren Welt
"Anfänglich habe ich expressionistisch gemalt. Aber als ich später begann, gründlich über mich, über die Menschen und über das Leben nachzudenken, wurde mir bewusst, dass ich diesen Weg gehen muss. Es mag idealistisch klingen - aber letztlich ist es die Basis für eine bessere Welt", so der junge Maler zu seiner fundamentalen Einstellung.

"Ich wollte, ich könnte mit meiner Kunst etwas gegen Kapitalismus, Sexismus, gegen Gewalt und gegen das Patriarchat bewirken - das ist eine Herausforderung", so Yilmaz, dessen künstlerisches Schaffen auch Video- sowie Foto-Arbeiten umfasst, wobei die Malerei im Zentrum steht.
Narrativ und ästhetisch
"Wenn ich zu malen beginne, habe ich bereits eine fertige Geschichte im Kopf - alle meine Bilder sind narrativ. Und sie sind ästhetisch, von den Farben, von der Komposition her, das ist ganz wichtig für mich. Denn ich denke an den Betrachter, der meine Bilder ja anschauen und sich daran erfreuen soll. Ich mag die Arroganz mancher Avantgardisten nicht, die all das beiseite lassen", stellt Yilmaz fest.

(c) Yilmaz
"Europa" (Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm; 2007): "In diesem Werk setze ich mich mit den sich auflösenden nationalen Identitäten und der moralisch-kulturellen Mission der EU auseinander", so Nazim Ünal Yilmaz.

Ausstellungen in Wien und Ankara 2010
Und Nazim Ünal Yilmaz plant bereits für nächstes Jahr Ausstellungen in Wien und in Ankara:

Im April 2010 wird er seinen Arbeiten in der "Galeri Nev" in Ankara in der Türkei zeigen. Die in Wien geplante Ausstellung wird in nächster Zeit fixiert.
*Hier bei uns" im Grazer Forum Stadtpark
Im Rahmen der zweiten Ausstellung der Reihe "Plateau" im Grazer Forum Stadtpark zeigte Nazim Ünal Yilmaz mit der Wiener Künstlerin Marlene Haring im Juli 2008 in der Schau "Hier bei uns" seine Arbeiten. Die Ausstellung war bis 10. August 2008 geöffnet.

Beide Künstler verbindet das Einsetzen des eigenen Körpers in Relation zu Phänomenen, die ihnen im Alltag begegnen, um so soziale Strukturen darzustellen und sich im Verhältnis zu diesen zu positionieren. Die daraus folgenden kritischen Aspekte ihrer Kunst sehen sie als Beginn der Kommunikation mit ihrem Publikum. Während Yilmaz sich der Malerei bedient, reagiert Marlene Haring durch ortsspezifische Interventionen.

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"straight"-Schau in Wiener Galerie Abbas
Im Herbst 2007 zeigte Yilmaz seine neuen Werke in der Ausstellung "straight" in der Wiener Galerie Abbas.

(c) Yilmaz
"You will never be alone" Nazim Ünal Yilmaz (Öl auf Leinwand, 190 x 155 cm, Bildausschnitt; 2008): "Hier habe ich mich mit den Liebeserfahrungen eines Individuums, die sich zu Glaube und Obsession zuspitzen, beschäftigt."

Bei Akademie-"Rundgang 2007"
Im Jänner 2007 war der junge Maler im Rahmen des "Rundgangs 2007", dem Tag der offenen Tür an der Akademie, u. a. mit seiner Video-Installation "Constanze" sowie mit dem heuer entstandenen Bild "Selfportrait fucked by a Gorilla" im Semper Depot vertreten.
Von westlichem Denken geprägt
"Die Ikonographie ist eine wesentliche Grundlage für meine Kunst, obwohl ich kein Christ bin, aus keiner christlichen Familie komme. Aber ich habe in meiner Jugend eine westliche Ausbildung erhalten - deshalb male ich in westlichem Stil. Denn in meiner Kultur gibt es die Malerei so gut wie nicht. Die Malerei ist aber eine bedeutende Realität für alle modernen westlichen Ideen - ob Demokratie, Humanismus, Kapitalismus oder Sozialismus", erklärt der junge Nachwuchskünstler.

(c) Yilmaz
"Not Blood But Ketchup" (DVD PAL mit Ton, 2006): "In dem Video-Selbstporträt mache ich mich über meine Melancholie lustig. Durch Einsatz von Ketchup kippt die Suizid-Situation ins Absurde - und erinnert den Betrachter an die Illusion in der Kunst."

Kremser "Real"-Schau als wichtiges Ereignis
Im Jahr 2006 wurde Nazim Ünal Yilmaz für die "Real"-Ausstellung in der Kunsthalle Krems ausgewählt, wo er mit fünf großformatigen Bildern und einer Video-Arbeit vorgestellt wurde.

(c) Yilmaz
"Vienna" (Öl auf Leinwand, 160 x 140 cm, 2006; Ausschnitt): "Bei dieser Rathaus-Ansicht mit einem nackten Paar davor, habe ich die Ästhetik von Kitsch-Postkarten verwendet. Der mit der Nationalflagge etikettierte Himmel spiegelt bloß eine Illusion."

"Ich fühlte mich sehr geehrt, dass ich zu dieser Schau eingeladen wurde. Es war eine wunderbare Möglichkeit, sich in professioneller Form präsentieren zu können. Und das ist eines der größten Probleme für junge Künstler", erzählt Yilmaz begeistert.

Nazim Ünal Yilmaz war der zweite der insgesamt vier noch studierenden Nachwuchskünstler, die im Rahmen der Ö1 Kooperation mit der Kunsthalle Krems in der Ö1 Talentebörse vorgestellt wurden.

(c) Yilmaz
"Captive" (Öl auf Leinwand, 60 x 50 cm, Bildausschnitt; 2009): "In diesem Bild, auf dem ich mich selbst festgehalten habe, geht es um die Botschaft des Künstlers und um seinen Traum", so Nazim Ünal Yilmaz.

Von Ankara bis Wien und Hamburg
Davor hat der junge türkische Maler 2005 u. a. in der Galerie Akdeniz in Ankara, im Rahmen der Gruppen-Ausstellungen "Dreams and Actions" in der Sanat Galerie in Eskisehir sowie bei "New Suggestions - New Propositions" in der Borusan Galerie in Istanbul seine Arbeiten gezeigt. 2006 war er bei "Base Camp 2" im Kunsthaus Meran, 2007 bei der Schau "No Title" in der Wiener Galerie Kunstbüro sowie im Rahmen der "Georg Eisler Preis"-Ausstellung im Bank Austria Kunstforum vertreten.

2008 zeigte Yilmaz seine Werke in der Schau "Mit anderem Blick" in der AusstellungsHalle Frankfurt/Main. Und 2009 zeigte der Künstler seine Werke in der Ausstellung "Made in Turkey, Positionen türkischen Kunst 1978-2000" in der Hauptkirche St. Trinitatis sowie im Ernst Barlach Museum Wedel in Hamburg.
Leben ohne Druck des Kunstmarktes
"Natürlich wäre es schön, mit meiner Kunst auch Geld zu verdienen. Andererseits möchte ich nicht von den Gesetzen des Marktes abhängig sein. Ich würde mich als Künstler nicht mehr frei fühlen. Daher werde ich einen Job als reinen Geldverdienst haben - das ist besser für meine künstlerische Arbeit", so der junge Maler.

Wie der Zukunftswunsch des türkischen Künstlers lautet? "Ich lege großen Wert auf Disziplin in meinem Leben, daher möchte ich einen Nebenjob haben und einigermaßen friedlich und glücklich leben können. Und keinesfalls Kunst wie eine Maschine produzieren müssen", so Nazim Ünal Yilmaz.
Text: Matthias Osiecki
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