Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Google Earth mappt viele Tausende Satellitenbilder und Luftaufnahmen auf einen Globus, in den man bis auf die Größe eines Hauses hineinzoomen kann. Auf manchen Bilder sind sogar einzelne Menschen zu erkennen. Die Bilder sind auf Höhendaten gemappt, sodass man die Ansicht kippen und bei Gebirgslandschaften im 3-D-Modus durch die Landschaft fliegen kann.
Zusätzlich zu den Satellitenbildern gibt es unzählige einblendbare Informationsebenen und die Möglichkeit, Punkte einzutragen wie Stecknadeln auf einer realen Landkarte. Die Software, die dahintersteckt, wurde ursprünglich unter dem Namen Keyhole von der Firma Keyhole Corporation entwickelt. Im Jahr 2004 kaufte Google die Firma, benannte die Software in Google Earth um und stellt sie seither in der einfacheren Version gratis zur Verfügung.
Mit der kostenpflichtigen Version Google Earth plus kann man auch GPS-Daten integrieren oder Gebäude erstellen, die weitaus teurere Version Google Earth Pro unterstützt zusätzliche Module wie zum Beispiel einen Movie Maker.

Ist Google Earth ein Konkurrent für Experten-GIS?
Belebt wird der virtuelle Globus von der Googe Earth Community, die mittlerweile auch in Österreich sehr groß geworden ist. Da werden Plätze und Gebäude vermerkt, die für Touristen interessant sind, Golfplätze markiert, Wanderwege eingezeichnet, die Codes von Flugplätzen eingetragen, historische Daten verortet und mit Luftaufnahmen vom Zweiten Weltkrieg überlagert und vieles mehr.
Der Kameramann Amir Esmann aus Wien hat zum Beispiel interessante Lokale oder WLAN-Hotspots in Wien markiert. Zahlreiche Orte auf dem Satellitenbild kann man sich auch als Panoramafoto anschauen.
Bei so viel freiwilligem Engagement und frei verfügbaren Daten könnten die Entwickler und Nutzer von Geografischen Informationssystemen fast schon neidisch werden. Denn die Satellitenbilder, Luftaufnahmen und Daten, die für Geografische Informationssysteme (GIS) genützt werden, müssen meist teuer gekauft werden und machen die Systeme kostspielig - auch wegen der aufwändigen Programmierung.
Ist die Arbeit der GIS-Experten durch Google Earth obsolet geworden? Keineswegs, sagt Dirk Schmidt, der sich an den iSpace Research Studios in Salzburg mit der Entwicklung von Geografischen Informationssystemen beschäftigt. Es gebe jedoch Auswirkungen auf die Branche. Einerseits würden sich die GIS-Entwickler in Zukunft anstrengen müssen, Experten-GIS leichter benützbar zu machen, andererseits sei das Interesse an Geografischen Informationssystemen durch die Beliebtheit von Google Earth gestiegen.
Google Earth ist deshalb keine grundsätzliche Konkurrenz für Experten-GIS, weil die freie Software nur einen kleinen Bereich der GIS-Aufgaben abdeckt, nämlich jenen der Visualisierung von Daten. Bei Experten-GIS ist das nur der letzte Schritt. Da die Verarbeitung von Geo-Daten sehr rechenaufwändig ist, können Experten-GIS üblicherweise nicht über das Internet genützt werden.
Google Earth hat für professionelle Anwendungen außerdem den Nachteil, dass die Satellitenbilder und Luftaufnahmen in sehr unterschiedlicher Auflösung vorliegen und bis zu drei Jahre alt sind. Für sicherheitskritische GIS-Anwendungen, mit denen sich Schmidt vor allem beschäftigt, wäre die Verwendung ungenauer oder nicht aktueller Daten zu gefährlich. Bei einem Katastropheneinsatz nach einem Erdbeben oder einer Überschwemmung wäre es auch viel zu riskant, sich auf die Bereitstellung von Daten über das Internet zu verlassen, weil die lokale Infrastruktur ja häufig zerstört ist.
Nach dem Hurrikan "Katrina", der vergangenes Jahr zu einer weitgehenden Überflutung von New Orleans geführt hatte, war Google Earth trotzdem hilfreich. In kürzester Zeit wurden in Google Earth 8.000 aktuelle Satellitenbilder und Luftaufnahmen der US National Oceanic and Atmospheric Agency veröffentlicht, die Hilfskräften zum Beispiel ermöglichten, passierbare Straßen zu finden.
Weil Google Earth so einfach ist und weltweit jedem Menschen mit Breitband-Internet-Zugang zur Verfügung steht, wird es aber auch schon von Wissenschaftlern genützt. Dänische Forscher markieren in Google Earth zum Beispiel die Routen, die Walrosse zurücklegen, die zuvor mit Sendern ausgestattet worden waren.
Andere tragen die Ausbreitungsgebiete des Vogelgrippe-Virus ein, markieren Hunderte von Vulkanen und verlinken die Einträge mit Webcams oder mappen die Bevölkerungsdichte auf den virtuellen Globus.
Klaus Greve, Professor für geografische Informationssysteme und Fernerkundung an der Universität Bonn, nützt Google Earth unter anderem für die Visualisierung des Projekts "Global Biodiversity Information Facility".
Das Bedürfniß nach Informationen über unseren Planeten sei auf jeden Fall sehr groß, so Klaus Greve. Das sei an der Begeisterung über Google Earth und dessen intensive und vielfältige Nutzung ablesbar.
Matrix, Sonntag, 19. November 2006, 22:30 Uhr
Download-Tipp
Ö1 Club-DownloadabonnentInnen können die Sendung nach der Ausstrahlung 30 Tage lang im Download-Bereich herunterladen.
Links
Universität Bonn - Klaus Greve
UNEP - One Planet Many People
RSA - iSpace
NASA - Hurricane Katrina Google Earth Overlays
Google Earth
Deutsche Google Earth Community
Cameraman Austria - Amir Esmann
The Worldwide Panorama
Global Biodiversity Information Facility
Fake it, baby!
Don't shoot the Messenger!
Web 2.0
Romance rulez
Eine Dekade digitalen Filmemachens
Komm, spiel mit mir!
Die ganze Erde auf dem Tisch
Und alles ist weg
Das MySpace-Phänomen
Wikipedia und Süd-Osteuropa
Digitales Alzheimer
Das Medium, das in der Luft liegt
Wenn Künstler Wellen schlagen
Beton für Überwacher
Computerspiele und Rosinen
Fernsehen, do it yourself!
Opern online
Kultur als Sicherheitsdiensleistung
Neue Methoden, neue Materialien
Schlüsselfragen der Bewahrung
Einbalsamierte Folklore
Die Geschmacks-Automaten
Warum Game Researcher spielen
working_world.net
Games College
Kopieren - aber richtig
Business ohne Copyright
Nachruf Zelko Wiener
In unbekannten Gewässern
Politik des Open Source
48 Grad Nord und 16 Grad Ost
Einfachheit versus Komplexität
Komplexität als Last und Chance
RFID-Games
Die Kultur des Digitalen
Ars Electronica Festival in Linz
Ars simplicitatis
Ars Electronica Backstage
Die Komplexität der Einfachheit
Das ewige Funkloch - Teil 2
Ordnung ohne Ideologie
Den Frieden programmieren?
Das Kunstkollektiv backlab
Pervasive Gaming
Die Autobio-Geografen
Alte Freunde
Suchmaschinen
Im Netz der Angst
Rund um die Uhr geöffnet
Zukunftsvision und Zeitkritik
Wissens-Sozialismus à la Wikipedia
Creative Class made in Austria
An Army of Davids
Indies setzen auf Podcasting
Eins zu Null für Einsen und Nullen
Computer-Forensik
Eine neue Studentenbewegung
Das digitale Proletariat
Elefanten, Träume und Open Source
Homo Zappiens vs. Homo Sapiens
Hey teacher leave us kids alone?
Unter Druck
Jeder Track ein Knaller
Organic Computing
Geisterstunde des Infozeitalters
Die Aufmerksamkeits-Ökologie
Freunderlwirtschaft
Ars Backstage
Hercules Film-Network
Programmierer
Vom Spielfilm zum Filmspiel
Big Brother im Büro
Die Anti-Konferenz
Digital Culture
Charles Herzfeld
Bildschirmschrift
Mana
Der globale Rotlichtbezirk
Der Virenpapst aus Moskau
Soziale Kalender
Das Zeitalter der Simulation
Wenn die Technik streikt
Die Welt der Blogs
Das ewige Funkloch
Netzwerken haben alle nötig
Users for Users
Gleiches Recht im Cyberspace
Google Print
E-Grain
Database Democracy
Mehr Markt - weniger Staat?
McLuhans Erben
Verschlüsselung
Netzvisionen
Der Evangelist der freien Software
Commons & Community