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Web 2.0
Ein neuer Hype der Marketing-Strategen?
Das Web 2.0 ist kein neues World Wide Web, sondern ein Begriff, der die aktuellen Entwicklungen im Internet zusammenfassen soll. Im Jahr 2004 dachten Dale Dougherty vom kalifornischen Verlag O'Reilly und Craig Cline von der Firma MediaLive International über eine neue IT-Konferenz nach.

Dougherty stellte fest, dass das Internet trotz des Platzens der Dot-Com-Blase im Herbst 2001 wichtiger sei denn je. Er sah sich die Geschäftsmodelle jener, die überlebt hatten, an und stellte fest, dass sie etwas gemeinsam hätten. Wikipedia, Flickr, Google AdSense, BitTorrent oder Weblogs setzten auf Services statt auf Softwarepakete, auf das Web als Plattform und auf die kollektive Intelligenz der User.

Dougherty hatte den Eindruck, dass sich das Web verändert hatte und prägte dafür den Begriff "Web 2.0". Im Oktober 2004 fand in San Francisco die erste Konferenz unter diesem Namen statt, Anfang November des heurigen Jahres bereits die dritte. Das Schlagwort Web 2.0 prägte sich ein und verbreitete sich rasch.

(c) ORF, Meinhart
Wikipedia, Flickr, Google AdSense, BitTorrent oder Weblogs setzten auf Services statt auf Softwarepakete, auf das Web als Plattform und auf die kollektive Intelligenz der User.

Kritik vom "Vater" des WWW
Tim Berners-Lee, der das World Wide Web 1989 begründet hat, findet den Begriff Web 2.0 und den Hype darum gar nicht gut. Als ihn Scott Laningham, der Herausgeber des IBM Developer Works Podcasts, vor einigen Monaten fragt, ob auch er der Meinung sei, dass es im Web 2.0 um die Vernetzung und die Zusammenarbeit von Menschen gehe, verneint Tim Berners-Lee recht brüsk.

Im Web sei es von Anfang an um die Vernetzung von Menschen und einen interaktiven Raum gegangen, so Tim Berners-Lee. Web 2.0 sei ein Jargon, von dem niemand wisse, was er bedeuten solle. Dieses Web 2.0 verwende Standards, die die Entwickler des Web 1.0 geschaffen hätten - wie HTML oder HTTP plus Java Script. Web 2.0 beschreibt also vielleicht eine Evolution des Webs und keine Revolution.

Wikis, Blogs und Ajax
Zu typischen Web-2.0-Anwendungen werden Wikis und Weblogs, kurz Blogs, gezählt. Ihnen ist gemeinsam, dass man keine besonderen Kenntnisse in Webdesign braucht, um Texte, Bilder oder Videos ins Netz zu stellen. Durch offene Schnittstellen wurde es auch möglich, auf einer Website Daten verschiedener anderer Websites abrufen zu können.

Eine Technologie, die für das sogenannte Web 2.0 wichtig und relativ neu ist, ist Ajax. Ajax steht für Asynchronous Javascript and XML und bezeichnet ein Konzept der asynchronen Datenübertragung zwischen einem Server und einem Browser. Ajax ermöglicht es also, innerhalb einer HTML-Seite eine HTTP-Anfrage durchzuführen, ohne die Seite komplett neu laden zu müssen. Damit können interaktive Webanwendungen realisiert werden, die von der Bedienbarkeit ähnlich gestaltet sind wie Anwendungen am eigenen Desktop.

Google verwendet Ajax zum Beispiel für Google Maps, Google Groups oder Gmail. Auch die Online Fotoverwaltung Flickr oder das webbasierte Bookmark-System Delicious arbeiten mit Ajax. Letztere kennzeichnen ein weiteren Trend: Anwendungen, die bisher auf dem eigenen Desktop ausgeführt wurden, werden im Netz angeboten.

Goldgrube für Datensammler
Die Vernetzung von vielen Benutzern, die eine Fülle an Daten veröffentlichen, schafft neue Gemeinschaften und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Sie birgt aber auch Gefahren: Da viele Communities von wenigen Konzernen wie Google oder Yahoo! aufgekauft wurden, ist es für diese ein Leichtes, Informationen über ihre "Kunden" zusammenzuführen und geschäftlich zu nutzen.
Text: Sonja Bettel
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Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 10. Dezember 2006, 22:30 Uhr

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Links
Web 2.0 Konferenz
O'Reilly - What Is Web 2.0
IBM - Podcast Tim Berners-Lee
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