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Highlights
Die Suche nach der Nordostpassage führt zum ersten Internationalen Polarjahr.
Forschen statt Entdecken
Abkehr vom Gedanken der Eroberung
Ende des 19. Jahrhunderts suchte man im hohen Norden nach einer eisfreien Straße für die Handelsschifffahrt. Der Geograf August Petermann - heute als einer der Väter der Polarforschung bekannt - war überzeugt davon, dass es eine eisfreie Zone im Norden gibt.

Er konnte Carl Weyprecht von der Österreichisch-Ungarischen Marine für seine Idee gewinnen. Bruno Besser von der Akademie der Wissenschaften in Graz hat den Briefwechsel zwischen den beiden entdeckt und wird ihn demnächst erstmals publizieren.

(c) APA
Carl Weyprecht war der Erste, der Forschungsstationen statt Entdeckerfahrten forderte.

Vom Eis eingeschlossen
Weyprecht wollte mit einem eigens gebauten Schiff, der "Admiral Tegetthoff", die Nordostpassage erkunden, den Seeweg entlang der Nordküsten Europas und Asiens zur Beringstraße. Er engagierte den Polarforscher Julius Payer, mit dem er bereits eine Expedition nach Spitzbergen unternommen hatte.

Im Sommer 1872 starteten Weyprecht und Payer zu ihrer Expedition von Bremerhaven aus. Bis Nowaja Semlja wurden sie von ihrem Geldgeber, dem Grafen Hans Wilczek, mit einem kleinen Schoner begleitet. Aber bereits nach zwei Wochen wurden sie vom Eis eingeschlossen - für eineinhalb Jahre.
Ironie der Geschichte: die Entdeckung einer Insel
Während dieser Zeit machte Weyprecht permanent meteorologische Messungen. Er führte Aufzeichnungen über das Nordlicht, hielt geomagnetische und ozeanografische Daten fest. So zeichnete er unter anderem die Meerestemperatur in verschiedenen Tiefen auf.

Erstmals war nicht die Eroberung das Ziel einer Expedition, sondern wissenschaftliche Untersuchungen. Ironie der Geschichte: die wissenschaftliche Fahrt sollte von einer Entdeckung gekrönt werden. Julius Payer hielt diesen Moment in seinem Tagebuch fest:

Es war um die Mittagszeit, da wir - über die Bordwand gelehnt - in die flüchtigen Nebel starrten, durch welche dann und wann das Sonnenlicht brach, als eine vorüberziehende Dunstwand plötzlich rauhe Felszüge fern in Nordwest enthüllte, die sich binnen weniger Minuten zu dem Anblick eines strahlenden Alpenlandes entwickelten! Im ersten Moment standen wir alle wie gebannt und voll Unglauben da. Dann brachen wir hingerissen von der unverscheuchbaren Wahrhaftigkeit unseres Glückes in den stürmischen Jubelruf aus: "Land, Land, endlich Land!" (Christoph Ransmayr, "Die Schrecken des Eises und der Finsternis")
Die Forschung sollte im Vordergrund stehen
Das neu entdeckte Inselarchipel wurde auf den Namen "Kaiser Franz Josef Land" getauft. Russischen Walfängern war das Land natürlich längstens bekannt, aber seine Lage war nicht schriftlich verbürgt. Die Hoffnung, in das offene Meer zu treiben, war bald dahin. Das Schiff kam nicht mehr aus dem Eis frei. Der Gesundheitszustand der Besatzung wurde kritisch, sodass Weyprecht beschloss, keine dritte Überwinterung zu riskieren. Die Mannschaft ließ das Schiff zurück und machte sich mit Schlitten auf den Weg.

Nach seiner Rückkehr vertrat Weyprecht "Die Grundprinzipien der arktischen Forschung" 1874 bei einem Vortrag in Wien und ein halbes Jahr später bei einem Vortrag in Graz. Er stellte sich die Polarforschung anders vor, als sie bisher verlaufen war. Verschiedene Beobachtungsstationen sollten in einem Ring um die Polarzone zur selben Zeit dieselben Messungen durchführen, damit vergleichbare Daten zu Stande kämen. "Forschungsstationen statt Entdeckerfahrten" war die Devise. Die Idee für das erste Internationale Polarjahr war geboren.
Ziel: großräumig verteilte simultane Messungen
Am ersten Internationalen Polarjahr 1882 beteiligten sich zwölf Nationen. Das bis dahin größte wissenschaftliche Projekt umfasste 15 aufeinander abgestimmte Expeditionen in Arktis und Antarktis.

In den vorbereitenden Polarkonferenzen wurde genau festgelegt, welches Land wo eine Station errichten durfte. Österreich-Ungarn entschied sich für eine Insel zwischen Grönland und Spitzbergen - die Insel Jan Mayen. Das erste Internationale Polarjahr wurde gefeiert und dennoch zur Enttäuschung: Es produzierte eine riesengroße Datenmenge, die letztlich aber nicht genutzt wurde.
Text: Ulrike Schmitzer
Hör-Tipp
Radiokolleg, Montag, 5. Februar bis Donnerstag, 8. Februar 2007, 9:05 Uhr

Buch-Tipp
Christoph Ransmayr, "Die Schrecken des Eises und der Finsternis", Fischer TB Verlag, ISBN 9783596254194
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