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Sa, 10.01.2009
Geschichte
Bilanz: Gedenkjahr 2008
Audio
Länge: 2:31 min
Ö1 Morgenjournal
Das zu Ende gegangene Jahr 2008 war eines mit vielen runden Gedenktagen: von der bürgerlichen Revolution 1848 über die Gründung der Republik Österreich 1918 bis zum Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland 1938. Viele Veranstaltungen und Publikationen hat es dazu gegeben - weniger für die breite Öffentlichkeit als vielmehr für ein interessiertes Fachpublikum. Allerdings wurden einige wichtige Projekte für die Zukunft auf den Weg gebracht: allen voran das Wiener-Wiesenthal-Institut für Holocaust-Studien und das Haus der Geschichte.

Große Ausstellung zur Gründung der Republik
Von Staats wegen hat es beim Gedenkjahr 2008 nur wenige Veranstaltungen gegeben - eine Gedenksitzung im Parlament am Jahrestag des sogenannten Anschlusses im März 1938 zum Beispiel oder eine Gedenkveranstaltung zum Novemberpogrom im selben Jahr. Das größte Einzelereignis war und ist die noch laufende Ausstellung zur Gründung der Republik im November 1918, die im Parlament noch bis Ostern läuft.

Viele regionale Veranstaltungen
"Es gab keine übersteigenden, hyperpatriotischen, naiven Zugänge zu diversen Jahrestagen", sagt Oliver Rathkolb, der Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien. Stattdessen gab es viele regionale Veranstaltungen und wissenschaftliche Projekte, Vorträge, neue Bücher, historische Serien in den meisten Medien. "Ich glaube, das was wesentlich interessanter ist als viele staatliche Aktivitäten, waren die wesentlich größeren Zahlen an kleinen Projekten."

Große Vorhaben für die Zukunft
Auf den Weg gebracht wurden allerdings mehrere große Vorhaben für die Zukunft: allen voran das Wiener-Wiesenthal-Institut für Holocaust-Studien, das heuer seinen provisorischen Betrieb aufnimmt, dann die Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und schließlich das lang geplante Haus der Geschichte, für das demnächst ein Konzept vorgelegt werden soll. Das sind größere Projekte, die in die Zukunft weisen, sagt Oliver Rathkolb.

Einige Versäumnisse
Der Historiker kritisiert aber auch Versäumnisse: vor allem, dass Österreich auch 70 Jahre nach dem November-Pogrom die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe in Wien nicht gesichert hat. Hier sei das Gedenkjahr unzureichend genutzt worden. Ebenfalls versäumt worden sei im Gedenkjahr die schon lang geplante Neugestaltung der Österreich-Ausstellung im ehemaligen Konzentrationslager Ausschwitz, sagt Rathkolb, ein von Wissenschaftlern erarbeitetes Konzept gebe es bereits.
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