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Mi, 21.01.2009
PKW-Ökobilanz
Was treibt den Klimawandel weniger voran?
Audio
Länge: 3:13 min
Ö1 Mittagsjournal
Ein neues Auto kaufen oder das alte weiter fahren - was ist aus ökologischer Sicht besser? Was schadet der Umwelt weniger, was treibt den Klimawandel weniger voran? Die Antwort hängt von vielen Faktoren ab und ist bei weitem nicht so eindeutig, wie es die Automobilbranche gerne hätte.

"Mit gutem Gewissen"
Mit diesem Spruch werben derzeit Automobil-Importeure für den Kauf neuer Autos. Die These: ein neues, modernes Fahrzeug verursacht weniger Schadstoffe, bläst weniger Dreck aus dem Auspuff. Doch ganz so einfach ist die Rechnung anscheinend nicht, denn auch die Produktion eines neuen PKW verursacht CO2, kostet Rohstoffe, frisst Energie und belastet derart die Umwelt.

Transport contraproduktiv
Stahl, Aluminium, Blei für Batterien, Kunststoff - stecken in einem Auto - Produkte aus Staaten weltweit, sagt Jurrien Westerhof von der Umweltorganisation Greenpeace: "In einem Auto stecken sehr viele Transportkilometer, bevor das Auto überhaupt zusammengeschraubt ist, und das kann man natürlich in Energie umrechnen."

Hoher CO2-Ausstoß auch bei Rohstoffgewinnung
20 Prozent des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes fallen bei der Rohstoffgewinnung, der Herstellung und letztlich bei der Verschrottung an, so Greenpeace, 80 Prozent auf der Straße, also beim Treibstoffverbrauch des fertigen Autos.

Zahlreiche Schadstoffe bei der Auto-Herstellung
In den ökologischen Rucksack eines Autos sind etliche Dinge gepackt: Das Heidelberger "Umwelt- und Prognose-Institut" zählt in einer älteren Studie z.B. beim Rohstoffabbau Emissionen von Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Stickstoffen und Staub auf; Abfälle; Schlacken; Energie; beim Rohstoff-Transport kommen Verpackungsmaterial und Treibstoffe dazu; bei der Fahrzeug-Fertigung Öl, Farben und noch mal Energie; und letztlich bei der Verschrottung: Sondermüll.

Auto aus Stahl oder Alu besser?
Jurrien Westerhof von Greenpeace bricht die ökologische Abwägung "Alt-oder-Neuwagen?" auf den Energieaufwand herunter: "Dabei hängt es davon ab, ob es ein Auto aus Stahl oder aus Aluminium oder - eher hypothetisch - aus Kohlenstofffasern, die sehr leicht sind. Aber gerade bei diesen Leichtbauweisen kostet die Produktion oft sehr viel Energie."

Wann lohnt sich ein Tausch altes gegen neues Auto?
Das kann der Greenpeace-Energie-Sprecher nicht pauschal beantworten: Treibstoffverbrauch, Gewicht und Jahreskilometer sind einzurechnen. Jurrien Westerhof nennt ein Beispiel: "Das ist ein Auto von 1.200 Kilo, womit man 15.000 Kilometer pro Jahr fährt, dann stellt man beim Umtausch von einem Sieben-Liter-Auto auf ein Fünf-Liter-Auto fest, dass eine frühzeitige Verschrottung sich erst im achten Lebensjahr auszahlt, sein Optimum ungefähr erst im elften Lebensjahr erreicht" - bezogen auf die CO2-Bilanz wohlgemerkt, nicht auf Geld.

Interaktiver Rechner
Die Umweltorganisation Greenpeace hat auf ihrer Homepage einen interaktiven Rechner installiert - damit kann man anhand von Jahreskilometern, Verbrauch und Karosserie-Gewicht am konkreten Fahrzeug errechnen, ob eine Verschrottung Treibhausgase einspart oder nicht.

Option: Umsteigen
Bei der Diskussion um alt gegen neu, austauschen oder weiterfahren wird eine Option übrigens vergessen: nämlich stehen lassen und umsteigen - auf öffentliche Verkehrsmittel, auf Fahrgemeinschaften, auf's Fahrrad.

"Öko" oder "Wirtschaftsgut-Vernichtung"
Während der Autohandel neuerdings bereits von einer Ökoprämie spricht, könnte man genauso gut die geplante Verschrottungsprämie als eine "Wirtschaftsgut-Vernichtungsprämie" bezeichnen. Befürworter hoffen aber genau auf den positiven wirtschaftlichen Effekt, dass der Absatz von Neufahrzeugen angekurbelt wird.

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