Kultur
11:59
Di, 28.04.2009
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Di, 28.04.2009
literatur
Schwedische Literatur - mehr als Krimis!
Schwedische Literatur - mehr als Krimis!
"Mehr als Krimis" bringt die schwedische Literaturszene hervor, betont der Titel der Veranstaltung. Der Skandinavist Wolfgang Butt relativiert: "Ganz im Gegensatz zur Idee des Seminars ist es schon eine Tatsache, dass der Krimi derzeit die bedeutendste schwedische Literatursparte ist - abgesehen von ein paar einzelnen anderen Autoren, aber die können das große Gewicht des Krimis nicht aufheben."
Krebsgeschwür oder Sozialkritik?
Wolfgang Butt ist die deutsche literarische Stimme von Henning Mankell, Arne Dahl und Per Olov Enquist. Und Enquist pflichtet seinem Übersetzer bei: "In schwedischen Buchläden bemerkt man schon eine Dominanz von Krimis. Da liegen hunderttausende, der Markt ist voll. Und manche Leute sagen, dass ist wie ein Krebs."
Die Krimis als Krebsgeschwür, das den Blick auf die übrige Literaturproduktion verstellt? Ein Transportmittel für Sozialkritische Themen, sagt Enquists Kollege Aris Fioretos: "Wir Schweden neigen ja dazu, recht handwerklich an die Sache heran zu gehen und der Krimi dient uns dazu, mit manchen Deformationen in der Gesellschaft zurecht zu kommen. Aber die wichtigere Erklärung ist vielleicht, dass wir schon sehr früh eine sozialkritische Krimiliteratur hatten."
The Next Generation
Das schwedische Autorenpaar Maj Sjöwall und Per Wahlöö gelten als die Vorfahren des skandinavischen, sozialkritischen Kriminalromans. Bereits 1965 erschien der erste Krimi mit Kommissar Martin Beck, 30 Jahre später ist Henning Mankells Kurt Wallander erfolgreich in seine Fußstapfen getreten, gefolgt von einer stetig wachsenden Kollegenschaft.
Ein Kind der zweiten Generation ist auch Aris Fioretos. 1960 als Sohn eines griechischen Vaters und einer österreichischen Mutter in Göteborg geboren, lebt er in Stockholm und Berlin, schreibt Essays und historische Romane und er hat Hölderlin, Paul Auster und Nabokov ins Schwedische übersetzt.
Als so genannter Neu-Schwede mit einem tunesischer Vater zählt Jonas Hassen Khemiri mit seinen "Einwandererromanen" zu den wichtigsten jungen Autoren des Landes. Sein Debütroman "Das Kamel ohne Höcker" wurde zum Bestseller und auch verfilmt. Von Migration, Fremdheit und Entwurzelung erzählt auch sein Stück "Invasion", das derzeit am Wiener Schauspielhaus gezeigt wird. Ihm geht es darum herauszufinden, ein wie wir uns selbst durch die Sprache erschaffen.
Pferdemagazine und Möwenscheiße
Der Krimi jedenfalls ist ein heiß umkämpftes Feld. Vor eineinhalb Jahren ist ein heftiger Kampf zwischen den Generationen und Geschlechtern ausgebrochen. Die Teilnehmer: die erste Garde schwedischer Krimiautoren und -autorinnen , von Leif Persson bis Liza Marklund. Die alten Herren warfen ihren jungen Kolleginnen vor, dilettantisch zu schreiben und wurden dafür als sexistisch und missgünstig beschimpft. "Kitschnovellen für Pferdemagazine" und "Scheiße von Möwen" das waren noch die der harmloseren Bezeichnungen für die gegnerischen Krimis. Fakt ist: es gibt einen Generationenwechsel, erklärt Wolfgang Butt.
Die Krimi-Autorengenerationen mögen sich streiten, Per Olov Enquist hält sich da raus: "Ich habe ein gutes Verhältnis zur jüngeren Generation. Ich bin halt schon so wahnsinnig alt, ich bin 74 und die Jungen denken wahrscheinlich, dieser grauhaarige alte Mann, das ist kein richtiger Feind. Er ist schon gestorben." Keineswegs. Hat Per Olov Enquist doch vor kurzem ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben, mit seinem autorbiografischen Roman "Ein anderes Leben".
Links
Schwedische Botschaft in Wien
Literarisches Quartier Alte Schmiede
Krebsgeschwür oder Sozialkritik?
Wolfgang Butt ist die deutsche literarische Stimme von Henning Mankell, Arne Dahl und Per Olov Enquist. Und Enquist pflichtet seinem Übersetzer bei: "In schwedischen Buchläden bemerkt man schon eine Dominanz von Krimis. Da liegen hunderttausende, der Markt ist voll. Und manche Leute sagen, dass ist wie ein Krebs."
Die Krimis als Krebsgeschwür, das den Blick auf die übrige Literaturproduktion verstellt? Ein Transportmittel für Sozialkritische Themen, sagt Enquists Kollege Aris Fioretos: "Wir Schweden neigen ja dazu, recht handwerklich an die Sache heran zu gehen und der Krimi dient uns dazu, mit manchen Deformationen in der Gesellschaft zurecht zu kommen. Aber die wichtigere Erklärung ist vielleicht, dass wir schon sehr früh eine sozialkritische Krimiliteratur hatten."
The Next Generation
Das schwedische Autorenpaar Maj Sjöwall und Per Wahlöö gelten als die Vorfahren des skandinavischen, sozialkritischen Kriminalromans. Bereits 1965 erschien der erste Krimi mit Kommissar Martin Beck, 30 Jahre später ist Henning Mankells Kurt Wallander erfolgreich in seine Fußstapfen getreten, gefolgt von einer stetig wachsenden Kollegenschaft.
Ein Kind der zweiten Generation ist auch Aris Fioretos. 1960 als Sohn eines griechischen Vaters und einer österreichischen Mutter in Göteborg geboren, lebt er in Stockholm und Berlin, schreibt Essays und historische Romane und er hat Hölderlin, Paul Auster und Nabokov ins Schwedische übersetzt.
Als so genannter Neu-Schwede mit einem tunesischer Vater zählt Jonas Hassen Khemiri mit seinen "Einwandererromanen" zu den wichtigsten jungen Autoren des Landes. Sein Debütroman "Das Kamel ohne Höcker" wurde zum Bestseller und auch verfilmt. Von Migration, Fremdheit und Entwurzelung erzählt auch sein Stück "Invasion", das derzeit am Wiener Schauspielhaus gezeigt wird. Ihm geht es darum herauszufinden, ein wie wir uns selbst durch die Sprache erschaffen.
Pferdemagazine und Möwenscheiße
Der Krimi jedenfalls ist ein heiß umkämpftes Feld. Vor eineinhalb Jahren ist ein heftiger Kampf zwischen den Generationen und Geschlechtern ausgebrochen. Die Teilnehmer: die erste Garde schwedischer Krimiautoren und -autorinnen , von Leif Persson bis Liza Marklund. Die alten Herren warfen ihren jungen Kolleginnen vor, dilettantisch zu schreiben und wurden dafür als sexistisch und missgünstig beschimpft. "Kitschnovellen für Pferdemagazine" und "Scheiße von Möwen" das waren noch die der harmloseren Bezeichnungen für die gegnerischen Krimis. Fakt ist: es gibt einen Generationenwechsel, erklärt Wolfgang Butt.
Die Krimi-Autorengenerationen mögen sich streiten, Per Olov Enquist hält sich da raus: "Ich habe ein gutes Verhältnis zur jüngeren Generation. Ich bin halt schon so wahnsinnig alt, ich bin 74 und die Jungen denken wahrscheinlich, dieser grauhaarige alte Mann, das ist kein richtiger Feind. Er ist schon gestorben." Keineswegs. Hat Per Olov Enquist doch vor kurzem ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben, mit seinem autorbiografischen Roman "Ein anderes Leben".
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Literarisches Quartier Alte Schmiede