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Sa, 27.06.2009
Im Journal zu Gast
Kromp-Kolb: "Klimawandel nicht mehr aufzuhalten"
Audio
Länge: 14:42 min
Ö1 Mittagsjournal
Der Klimawandel sei nicht mehr aufzuhalten, sagt die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur in Wien. "Dieses Ziel würde ich im Moment als nicht erreichbar ansehen", so Kromp-Kolb im Ö1-Interview "Im Journal zu Gast". Der Klimawandel wäre aber noch auf einem "vertretbaren Niveau" zu stabilisieren und die Verluste an Menschenleben zu begrenzen: "Es geht um das Überleben der Menschheit."

"Wir haben keinen Spielraum mehr"
Es gebe keine Zeit mehr, um die "Kipp-Punkte" zu vermeiden, warnt die Klimaforscherin. Als Beispiel für einen solchen Kipp-Punkt nennt Kromp-Kolb das Abschmelzen des Polareises, das wesentlich schneller vor sich gehe als die Wissenschaft erwartet hat. "Wenn wir noch Maßnahmen in einer geordneten ergreifen wollen, die wirtschaftlich und gesellschaftlich verkraftbar sind, dann haben wir keinen Spielraum mehr. Je später wir anfangen, desto dramatischer werden die Notwendigkeiten der Reduktion." Bisherige Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen reichten nicht aus, es gehe um eine tatsächliche Energiewende, ein zurückgreifen auf erneuerbare Energie.

Anderes Wirtschaftssystem gefordert
Für Kromp-Kolb ist Klimaschutz auch und vor allem eine Frage des Wirtschaftssystems: Es könne auch eine Wirtschaft geben, die nachhaltig ist und deren Motor nicht das ständige Mehr-Produzieren und Konsum-Anheizen ist. "Das ist nicht automatisch Kommunismus." Es gebe andere Möglichkeiten auch, man müsse sich nur trauen, darüber nachzudenken.

Konjunkturmaßnahmen teilweise falsch
Die aktuelle Wirtschaftskrise werde nur zum Teil für den Klimaschutz genutzt, wie die Förderung der Wärmedämmung. Die Verschrottungsprämie gehe hingegen in die falsche Richtung. Besser hätte man Jahreskarten für die öffentlichen Verkehrsmittel ausgeteilt.

Klares Bekenntnis statt utopische Ziele
Von der nächsten großen UNO-Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen erhofft Kromp-Kolb weniger ein einheitliches Klimaziel, sondern ein ernstgemeintes Bekenntnis der einzelnen Länder zum Klimaschutz.

Wissenschaft soll in Richtung Verhaltensänderung forschen
In der Forschung würde Kromp-Kolb nun den Schwerpunkt auf die Psychologie und die Sozialwissenschaften legen: "Was ist Notwendigkeit, damit die Menschen die Bedrohung, die für ihre Kinder und Kindeskinder besteht, so ernst nehmen, dass es eine Verhaltensänderung mit sich bringt?"

Damit die ständigen Appelle auch wirken, müsse man die Menschen überzeugen, dass "Umdenken das Leben nicht ärmer, sondern in vielen Fällen sogar reicher" mache. Außerdem müsse die Politik Rahmenbedingungen schaffen, unter denen die klimafreundlichen Lösungen auch die attraktiveren sind. Dabei spiele die Raumplanung eine große Rolle.

Hochwasser: Auf KLimawandel reagieren
Aktuell zeige sich der Klimawandel dadurch, dass Hochwassersituationen häufiger und intensiver werden. Wobei sich der Klimawandel auf Niederschlagsmengen und Schneegrenzen auswirke, ob dann tatsächlich Hochwasser auftritt, hänge von der Gestaltung der Flusslandschaften ab. Klimaschutz sei langfristig auch Hochwasserschutz. Mittelfristig müssten der Natur wieder Flächen zurückgegeben werden. Kurzfristig müsse der Hochwasserschutz in Form von Dämmen verstärkt werden.

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