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Do, 12.05.2005
KRANKHEIT
Immer mehr Männer leiden an Essstörungen
Audio
Länge: 2:39 min
Ö1 Mittagsjournal
Essstörungen bei Männern: Die unbekannte Krankheit
Hungern bis zum Kreislauf-Kollaps, Stopfen bis zum Erbrechen - geschätzte 200.000 Österreicherinnen und Österreicher leiden an einer Essstörung. Die bekanntesten sind Magersucht und die Ess-Brech-Sucht. Beides, Magersucht wie Ess-Brech-Sucht oder Bulimie, gilt als Erkrankung von Mädchen oder jungen Frauen. Essstörungen bei Männern seien ein Tabu-Thema, höchstens bei Skispringern, Radprofis oder männlichen Models werde darüber gesprochen, sagt Bernhard Wappis. Er hat selbst 10 Jahre lang an Magersucht und Bulimie gelitten.

Immer mehr Männer betroffen
Essstörungen würden zudem oft als Schwäche ausgelegt, und das passe nicht ins Bild vom "g'standenen Mann", berichtet Bernhard Wappis aus eigener Erfahrung. In Beratungsstellen werden laut Gesundheitsministerium stetig mehr Männer mit Essstörungen registriert. Ob nun tatsächlich mehr Männer erkranken, oder mehr Männer den Mut fassen, sich helfen zu lassen, sei unklar. Eltern und Umfeld sollten früh genug wachsam sein, meint Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP).

Erkrankungen der Seele
Essstörungen seien Erkrankungen der Seele, bei denen der Körper verhungert, sagt Rahel Jahoda vom SO-WHAT-Institut für Menschen mit Ess-Störungen. Als körperliche Folgen zählt sie Herz-Kreislauf-Probleme auf. Durch Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen können die Haare ausfallen oder die Zähne schlecht werden, durch das Erbrechen bei Bulimie kann die Speiseröhre verätzen, bei Frauen kann die Regel ausbleiben, bei Männern die Potenz gestört sein.

Patienten Suizid gefährdet
Einerseits verhungern Patienten und Patientinnen, andererseits nehmen sich viele das Leben, sagt Rahel Jahoda.

Bernhard Wappis hat Magersucht und Bulimie überstanden. Er möchte anderen Männern Mut machen, ihre Krankheit nicht zu verdrängen, sich anderen Menschen anzuvertrauen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Buch als Ratgeber
Seine 10-jährige Krankengeschichte hat Bernhard Wappis als Buch veröffentlicht, ergänzt mit Kontaktadressen von spezialisierten Ambulanzen, Kliniken und Selbsthilfegruppen in ganz Österreich, sowie in Deutschland und der Schweiz. Das Buch zu Ess-Störungen bei Männern mit dem Titel "Darüber spricht MANN nicht!" ist ab Ende Mai im Buchhandel erhältlich.
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