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07:00
Mo, 14.05.2007
Bühne
Achtungserfolg für "Aus einem Totenhaus"
Audio
Länge: 2:44 min
Ö1 Morgenjournal
Die Wiener Festwochenproduktion von Leos Janáceks Oper "Aus einem Totenhaus" wurde in den Medien als Großereignis ausgeschildert, nach dem Motto: "Comeback eines Traumpaars". Patrice Chéreau und Pierre Boulez waren 30 Jahre nach ihrem Bayreuther "Jahrhundertring" wieder gemeinsam am Werk. Doch der Rummel um diese Premiere und der Erfolgsdruck hätten schlimmer sein können, als sie es dann tatsächlich waren. Das Publikum harrte der Dinge - Zitat "Süddeutsche Zeitung" - "in einer Mischung aus Trauer, Respekt und gedämpfter Erwartung". Immerhin hatte Boulez angekündigt, zum letzten Mal Oper dirigieren zu wollen.

Rauheit und Sehnsuchtsmoment der Musik
Die Collagehaftigkeit der Musik wird in dieser Aufführung betont, aber ohne ihr lebhaftes Vorwärtsdrängen aus den Augen zu verlieren. Auch die Zeitungskritiker sind sich in ihrem Lob auf Boulez einig. In der "Süddeutschen" heißt es, "Boulez macht das Orchester zur Hauptfigur, deren Stimme, ohne vorlaut aufzutrumpfen, gestalthaft die Bühne bestimmt". Und in "Der Standard" wird ausführlich kommentiert, wie Boulez die Schärfe und Rauheit der Musik ebenso herausarbeitet wie ihre Wärme und ihr Sehnsuchtsmoment.

Einhellige Bewunderung ernten auch die Sänger, von John Mark Ainsley bis Heinz Zednik, dem ältesten der Gefangenen in diesem Stück, das ja in einem Arbeitslager für Sträflinge spielt. "Aus einem Totenhaus" setzt sich nur aus Beobachtungen des Gefängnisalltags zusammen und aus Erzählungen von Häftlingen, die gemordet haben.

Genauigkeit in der Personenregie
Ob Patrice Chéreau diese Episoden sehr eindringlich inszeniert hat, darüber sind die Meinungen geteilt. Alle heben Chéreaus Genauigkeit in der Personenregie, im psychologischen Detail hervor. Manche meinen aber, dass er mit der Behutsamkeit seiner Realisierung übers Ziel geschossen habe. Im "Standard" wird das auf den Punkt gebracht mit den Worten: "Letztlich bleibt es bei der Kunst der präzisen Konvention". Hingegen ist es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" durchaus positiv gemeint, wenn da steht: "Ein Triumph des Musiktheaters alter Schule".

Zumindest szenisch hat die angekündigte Sensation vielleicht nicht stattgefunden. Doch ein Flop sieht ganz anders aus. Dem Premierenpublikum war das klar.

Hör-Tipp
Kulturjournal, Gespräch mit Patrice Chéreau und Pierre Boulez, Montag, 14. Mai 2007, 16:30 Uhr

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