Kultur
11:59
Di, 29.01.2008
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Di, 29.01.2008
musik
Porträt Tzimon Barto
Porträt Tzimon Barto
Er schwimme nicht gegen den Strom, er pritschle im eigenen Teich herum, wundert sich Tzimon Barto lachend über den Ruf des wild entschlossenen Klassikrevoluzzers, der ihm nun schon seit Jahren vorauseilt. Und dabei hat Johnny Barto Smith, so sein Geburtsname, aus Eustis/Florida nur nach seiner eigenen Identität gesucht. Wie er aufgewachsen ist, war Florida war eine "kulturelle Wüste", meint Barto, "ich musste meine eigene Fantasiewelt schaffen."
Kein typisches Klavierkind
Seine Großmutter begeisterte ihn fürs Klavier, dennoch war Tzimon Barto keines dieser typischen Klavierkinder - von der Schule ans Klavier und ab ins Bett. Er hatte immer schon Kapazitäten für andere Interessensgebiete frei. Oper zum Beispiel. Um die Texte auch wirklich verstehen zu können, begann er mit 14 Jahren Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch zu lernen. Da man Homer nur auf Griechisch lesen kann, kam auch das dazu, und natürlich Hebräisch für die vielen schönen Psalme.
Damit die ganze Mühe nicht umsonst gewesen ist, liest Tzimon Barto heute täglich drei bis vier Stunden in eben diesen Sprachen, schreibt bis zu sechs Stunden an seinem literarischen Gesamtwerk, zu dem auch das Stück "Eine Frau griechischer Herkunft" gehört, das 2005 auch im Rahmen des Klangbogen Wien zu erleben war. Dazu kommen drei Stunden am Klavier und mindestens eine halbe Stunde Body Building - auch etwas, was vielen Klassikfachleuten einfach nicht ins Konzept gepasst hat.
"Ich würde jedem Studenten raten, jedes schöne Bild zu sehen, Philosophie zu studieren, bildende Kunst, in die Oper zu gehen, zu schreiben, viel zu lesen", entgegnet Barto auf die Vorwürfe. "Das ist die Quelle für das Unterbewusstsein, wo man seine eigenen Ideen holt. Man muss eine riesige Quelle haben für die Fantasie und du kannst diese Quelle nur vergrößern, indem sie angereichert wird durch andere Künstler."
Das Bodybuilding ist für ihn reine Gesundheitssache: "Mein Gott, ich bin halt eine halbe Stunde am Tag im Gym, das ist nichts", findet er. Wie bei allem, was er mache, sei er auch beim Bodybuilding diszipliniert. In den Augen anderer mag dies zwar übertrieben sein, aber "für mich ist es keine Übertreibung. Dicke Pianisten werden nicht kritisiert, weil sie dick sind, warum werde ich dafür kritisiert, dass ich muskulös bin?", fragt er.
Atmosphäre schaffen
Auf Vorwürfe - vor allem von der britischen Presse -, dass er unbedingt originell sein wolle, meint er lapidar: "Kein Künstler will nur originell sein, jeder spielt, weil er das so spielen will. Ich muss eine Atmosphäre schaffen und ich kann das nicht machen, wenn ich auf der Bühne wie eine Tippse bin."
Diesen Verdacht hat Tzimon Barto nun wirklich widerlegt und wenn er heute beispielsweise Cembalostücke von Rameau auf Klavier spielt, dann erregt das Neugierde statt Skepsis. Außergewöhnliches ist man von ihm gewöhnt, immer mit der nötigen künstlerischen Ernsthaftigkeit.
Östereich-Fan mit Leib und Seele
Im Gegensatz zu England stand man ihm in Österreich von Anfang an offen gegenüber. Vielleicht kommt er deshalb heute noch so gerne hierher. Er bezeichnet Östereich sogar als sein Lieblingsland in Europa, "nicht nur wegen Wien, das eine der schönsten Städte der Welt ist, aber auch die Steiermark, am Land. Es ist so hinreißend schön", ist Barto begeistert. "Ich mag dieses eher hügelige Land. Das erinnert mich sehr an zu Hause.
Und auch die österreichische Bevölkerung mag er gerne, weil es "eine bestimmte Frechheit gibt, die ich so gern habe. Vor allem aber hat es ihm die österreichische Literaturtradition angetan. "Ich bin ein großer Freund von Schriftstellern, die so verschieden sind wie Adalbert Stifter und Thomas Bernhard", so Barto. "Ich mag diese Breite, die die Österreicher haben, besonders in ihrer Literatur."
Allein, nicht einsam
60 bis 70 Abende gibt Tzimon Barto pro Saison, alle zwei Monate kommt er für zwei Wochen nach Europa. Den Rest der zeit verbringt er zu Hause oder immer wieder im Plattenstudio. Jüngst hat er Haydn Sonaten eingespielt, die noch in diesem Jahr erscheinen sollen.
Barto bekennt, sehr gern allein zu sein: "Wenn ich zu Hause bin in Florida, arbeite ich in einem Zimmer, bis ich ins Bett gehe. Ich bin nicht einsam, aber eigentlich sehr isoliert und damit bin ich zufrieden."
Tzimon Barto ist Dienstagabend im großen Saal des Wiener Konzerthauses zu hören.
Textfassung: Ruth Halle
Link
Tzimon Barto
Kein typisches Klavierkind
Seine Großmutter begeisterte ihn fürs Klavier, dennoch war Tzimon Barto keines dieser typischen Klavierkinder - von der Schule ans Klavier und ab ins Bett. Er hatte immer schon Kapazitäten für andere Interessensgebiete frei. Oper zum Beispiel. Um die Texte auch wirklich verstehen zu können, begann er mit 14 Jahren Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch zu lernen. Da man Homer nur auf Griechisch lesen kann, kam auch das dazu, und natürlich Hebräisch für die vielen schönen Psalme.
Damit die ganze Mühe nicht umsonst gewesen ist, liest Tzimon Barto heute täglich drei bis vier Stunden in eben diesen Sprachen, schreibt bis zu sechs Stunden an seinem literarischen Gesamtwerk, zu dem auch das Stück "Eine Frau griechischer Herkunft" gehört, das 2005 auch im Rahmen des Klangbogen Wien zu erleben war. Dazu kommen drei Stunden am Klavier und mindestens eine halbe Stunde Body Building - auch etwas, was vielen Klassikfachleuten einfach nicht ins Konzept gepasst hat.
"Ich würde jedem Studenten raten, jedes schöne Bild zu sehen, Philosophie zu studieren, bildende Kunst, in die Oper zu gehen, zu schreiben, viel zu lesen", entgegnet Barto auf die Vorwürfe. "Das ist die Quelle für das Unterbewusstsein, wo man seine eigenen Ideen holt. Man muss eine riesige Quelle haben für die Fantasie und du kannst diese Quelle nur vergrößern, indem sie angereichert wird durch andere Künstler."
Das Bodybuilding ist für ihn reine Gesundheitssache: "Mein Gott, ich bin halt eine halbe Stunde am Tag im Gym, das ist nichts", findet er. Wie bei allem, was er mache, sei er auch beim Bodybuilding diszipliniert. In den Augen anderer mag dies zwar übertrieben sein, aber "für mich ist es keine Übertreibung. Dicke Pianisten werden nicht kritisiert, weil sie dick sind, warum werde ich dafür kritisiert, dass ich muskulös bin?", fragt er.
Atmosphäre schaffen
Auf Vorwürfe - vor allem von der britischen Presse -, dass er unbedingt originell sein wolle, meint er lapidar: "Kein Künstler will nur originell sein, jeder spielt, weil er das so spielen will. Ich muss eine Atmosphäre schaffen und ich kann das nicht machen, wenn ich auf der Bühne wie eine Tippse bin."
Diesen Verdacht hat Tzimon Barto nun wirklich widerlegt und wenn er heute beispielsweise Cembalostücke von Rameau auf Klavier spielt, dann erregt das Neugierde statt Skepsis. Außergewöhnliches ist man von ihm gewöhnt, immer mit der nötigen künstlerischen Ernsthaftigkeit.
Östereich-Fan mit Leib und Seele
Im Gegensatz zu England stand man ihm in Österreich von Anfang an offen gegenüber. Vielleicht kommt er deshalb heute noch so gerne hierher. Er bezeichnet Östereich sogar als sein Lieblingsland in Europa, "nicht nur wegen Wien, das eine der schönsten Städte der Welt ist, aber auch die Steiermark, am Land. Es ist so hinreißend schön", ist Barto begeistert. "Ich mag dieses eher hügelige Land. Das erinnert mich sehr an zu Hause.
Und auch die österreichische Bevölkerung mag er gerne, weil es "eine bestimmte Frechheit gibt, die ich so gern habe. Vor allem aber hat es ihm die österreichische Literaturtradition angetan. "Ich bin ein großer Freund von Schriftstellern, die so verschieden sind wie Adalbert Stifter und Thomas Bernhard", so Barto. "Ich mag diese Breite, die die Österreicher haben, besonders in ihrer Literatur."
Allein, nicht einsam
60 bis 70 Abende gibt Tzimon Barto pro Saison, alle zwei Monate kommt er für zwei Wochen nach Europa. Den Rest der zeit verbringt er zu Hause oder immer wieder im Plattenstudio. Jüngst hat er Haydn Sonaten eingespielt, die noch in diesem Jahr erscheinen sollen.
Barto bekennt, sehr gern allein zu sein: "Wenn ich zu Hause bin in Florida, arbeite ich in einem Zimmer, bis ich ins Bett gehe. Ich bin nicht einsam, aber eigentlich sehr isoliert und damit bin ich zufrieden."
Tzimon Barto ist Dienstagabend im großen Saal des Wiener Konzerthauses zu hören.
Textfassung: Ruth Halle
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Tzimon Barto