Kultur
07:00
Mi, 06.02.2008
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Mi, 06.02.2008
Musik
Veranstaltungen zu Falcos zehntem Todestag
Veranstaltungen zu Falcos zehntem Todestag
Am Mittwoch jährt sich zum zehnten Mal der Todestag von Österreichs erfolgreichstem Pop-Star: Hans Hölzel alias Falco. Und ebenso wie bei seinem fünfzigsten Geburtstag letztes Jahr rauscht es wieder gehörig im Boulevardblätterwald. Von vermeintlichen Töchtern, Lebensgefährtinnen und besten Freunden erfährt man da ungeschminkt wie Falco "wirklich" war.
Seriöser setzen sich da mehrere Veranstaltungen mit dem Schaffen Falcos auseinander. So wird ihm mit Konzerten im Wiener U4 und der Arena und einem ungewöhnlichen Symposion gedacht.
Drei Wochen Nummer Eins in den USA
Selten lässt sich der Höhepunkt einer Karriere zeitlich so genau festmachen wie bei Falco. Es waren ganze drei Wochen im Frühling 1986, in denen er mit "Rock me Amadeus" die Spitze der US-Charts belegt hat. Falco war damit die Ausnahme in der österreichischen Musiklandschaft und kultivierte diese Andersartigkeit.
Wie es mit dem Erfolg so ist, verstellt er häufig mehr den Blick auf das Werk, als dass er ihn öffnet. Kaum wahrgenommen wurde etwa bisher Falcos experimenteller Umgang mit Sprache. Dem will die Schule für Dichtung jetzt Abhilfe schaffen und veranstaltet am 18. Februar mit namhaften Germanisten ein Symposion.
Falco als Missing Link
Veranstalter Christian Ide-Hintze über Falcos Stellung in der österreichischen Literaturlandschaft: "Er ist für mich das große Missing Link zwischen Popkultur und Avantgarde-Sprachkunst. Sprachkunst deshalb, weil es in dem Feld zwischen geschrieben, gesprochen und multimedial inszeniert funktioniert."
Anders als sonst in der Pop-Musik üblich, handelte Falco in seinen Texten nicht seine privaten Befindlichkeiten ab. "Es geht nicht, wie Gerhard Rühm einmal gesagt hat, um in Zeilen gebrochene Seelenschwitze, sondern doch um einen ziemlich bewussten Umgang mit Sprache als Material", so Ide-Hintze.
Da werden nicht nur deutsche, englische und französische Ausdrücke nebeneinander gestellt, auch der Tonfall ändert sich oft von Zeile zu Zeile.
Österreich war Niemandsland
Zum Ausnahmekünstler hochgearbeitet, hat sich Falco aus dem musikalischen Niemandsland, das Österreich damals war. Hansi Lang, Bandgefährte in der Hallucination Company erinnert sich: "Es hat in Wien drei Lokale gegeben zum spielen, in Österreich fünf - jeder hat weggehen müssen."
Das Gros der österreichischen Musiker schielte damals sehnsüchtig nach England, Falco aber richtete von Anfang an den Blick Richtung USA. In Wien seien damals schon die ersten Anklänge des Rap aus New York bekannt gewesen, so Hansi Lang, der betont: "Falco war damals bestimmt einer der modernsten Bassisten in Wien."
Künstlername stammt von Schispringer
Und modern war auch sein Verständnis der Selbstinszenierung. Den Nadelstreifanzug besorgte er sich in einer Münchner Boutique, den Künstlernamen vom DDR-Schispringer Falko Weißpflog, und er machte, damals noch völlig unüblich, Fotoshootings, um seine Kunstfigur ins rechte Licht zu rücken. Diese wurde aber immer mehr zum Gefängnis.
Den Falco, den er gerufen hatte, ist Hans Hölzel nicht mehr losgeworden. Falco in einem Interview: "Ich habe niemandem etwas getan. Ich habe niemanden gelegt, ich habe niemanden betrogen, ich habe niemandem wehgetan - außer mir selber."
Textfassung: Rainer Elstner
Mehr zu Falcos Spuren in Wien in wien.ORF.at
Veranstaltungs-Tipp
Symposion "Falco's many languages", Montag, 18. Februar 2008, 13:00, Schule für Dichtung
Links
Schule für Dichtung
Falco
Seriöser setzen sich da mehrere Veranstaltungen mit dem Schaffen Falcos auseinander. So wird ihm mit Konzerten im Wiener U4 und der Arena und einem ungewöhnlichen Symposion gedacht.
Drei Wochen Nummer Eins in den USA
Selten lässt sich der Höhepunkt einer Karriere zeitlich so genau festmachen wie bei Falco. Es waren ganze drei Wochen im Frühling 1986, in denen er mit "Rock me Amadeus" die Spitze der US-Charts belegt hat. Falco war damit die Ausnahme in der österreichischen Musiklandschaft und kultivierte diese Andersartigkeit.
Wie es mit dem Erfolg so ist, verstellt er häufig mehr den Blick auf das Werk, als dass er ihn öffnet. Kaum wahrgenommen wurde etwa bisher Falcos experimenteller Umgang mit Sprache. Dem will die Schule für Dichtung jetzt Abhilfe schaffen und veranstaltet am 18. Februar mit namhaften Germanisten ein Symposion.
Falco als Missing Link
Veranstalter Christian Ide-Hintze über Falcos Stellung in der österreichischen Literaturlandschaft: "Er ist für mich das große Missing Link zwischen Popkultur und Avantgarde-Sprachkunst. Sprachkunst deshalb, weil es in dem Feld zwischen geschrieben, gesprochen und multimedial inszeniert funktioniert."
Anders als sonst in der Pop-Musik üblich, handelte Falco in seinen Texten nicht seine privaten Befindlichkeiten ab. "Es geht nicht, wie Gerhard Rühm einmal gesagt hat, um in Zeilen gebrochene Seelenschwitze, sondern doch um einen ziemlich bewussten Umgang mit Sprache als Material", so Ide-Hintze.
Da werden nicht nur deutsche, englische und französische Ausdrücke nebeneinander gestellt, auch der Tonfall ändert sich oft von Zeile zu Zeile.
Österreich war Niemandsland
Zum Ausnahmekünstler hochgearbeitet, hat sich Falco aus dem musikalischen Niemandsland, das Österreich damals war. Hansi Lang, Bandgefährte in der Hallucination Company erinnert sich: "Es hat in Wien drei Lokale gegeben zum spielen, in Österreich fünf - jeder hat weggehen müssen."
Das Gros der österreichischen Musiker schielte damals sehnsüchtig nach England, Falco aber richtete von Anfang an den Blick Richtung USA. In Wien seien damals schon die ersten Anklänge des Rap aus New York bekannt gewesen, so Hansi Lang, der betont: "Falco war damals bestimmt einer der modernsten Bassisten in Wien."
Künstlername stammt von Schispringer
Und modern war auch sein Verständnis der Selbstinszenierung. Den Nadelstreifanzug besorgte er sich in einer Münchner Boutique, den Künstlernamen vom DDR-Schispringer Falko Weißpflog, und er machte, damals noch völlig unüblich, Fotoshootings, um seine Kunstfigur ins rechte Licht zu rücken. Diese wurde aber immer mehr zum Gefängnis.
Den Falco, den er gerufen hatte, ist Hans Hölzel nicht mehr losgeworden. Falco in einem Interview: "Ich habe niemandem etwas getan. Ich habe niemanden gelegt, ich habe niemanden betrogen, ich habe niemandem wehgetan - außer mir selber."
Textfassung: Rainer Elstner
Mehr zu Falcos Spuren in Wien in wien.ORF.at
Veranstaltungs-Tipp
Symposion "Falco's many languages", Montag, 18. Februar 2008, 13:00, Schule für Dichtung
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