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Di, 06.05.2008
Literatur
Elfriede Jelineks neuer Roman "Neid" - online only
Audio
Länge: 3:09 min
Ö1 Morgenjournal
Der neue Roman von Elfriede Jelinek ist fertig. Als Buch wird er allerdings nicht erscheinen. "Neid", so der Titel, st im Lauf eines Jahres als Online-Text entstanden, über 900 Seiten, nachzulesen auf Elfriede Jelineks Webseite. Mit "Neid" setzt Elfriede Jelinek ihr "Todsündenprojekt" fort, das sie 1998 mit "Lust" begonnen hatte, vor acht Jahren erschien als Teil zwei "Gier".

Der Schauplatz: eine sterbende Stadt in der Obersteiermark, eine ehemalige Bergbaustadt, die vergeblich auf den Tourismus hofft. Die Protagonistin: eine ältliche Geigenlehrerin, die von ihrem Mann verlassen wurde. Die Themen: Naturzerstörung und Industrieruinen, Fremdenverkehr und Sportfanatismus, Wirtschaftsfusionen und Arbeitslosigkeit, die österreichische Geschichte und das politische Tagesgeschäft. Die Trostlosigkeit der österreichischen Provinz. Der Titel: Neid. Privatroman. "Es sind die Leib- und Magenthemen der Elfriede Jelinek, aber - dem Untertitel "Privatroman" gemäß - wird mehr von der Person E.J. preisgegeben, also vom Privater, sagt die Literaturkritikerin Daniela Strigl. "Die Position der Autorin wird unverhüllter sichtbar."

Von Ängsten, Kränkungen und Verletzlichkeiten spricht das Ich in diesem Roman - bekenntnishaft, hadernd und selbstanklagend. Der Neid den sie hier paradigmatisch abzuhandeln versuche, so Elfriede Jelinek in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor einem Jahr, sei "der Neid derer, die nicht leben können (wie sie), auf die Lebenden". Ihre psychische Erkrankung treibe sie mehr und mehr in die Isolation. "Es gehört schon einige Souveränität dazu, die eigene Person so mitzubeleuchten und damit auch fast demokratisch den eigenen Figuren gleichzumachen", meint Daniela Strigl.

Eine "demokratische und allen zugängliche Verbreitungsform" - wie Elfriede Jelinek sagte - hat sie auch für diesen Roman gewählt: Das Internet. 936 Seiten hat sie zwischen dem 3. März 2007 und dem 24. April 2008 online gestellt. Jeder kann sich diesen Text herunterladen, ausdrucken und kopieren - zitieren ist allerdings verboten.

Das Elfriede Jelinek Forschungszentrum hat zum Online-Buch eine Internet-Plattform eingerichtet für Kommentare, Fragen und Diskussionen. Das letzte Wort hat die Autorin selbst. Sie behalte es sich vor, den Roman einfach aus dem Netz zu nehmen, hatte Elfriede Jelinek am Beginn des Projekts erklärt - Zitat: "falls ich es nicht aushalte, dass er da einfach so steht und blöd aus dem Bildschirm herausglotzt."

Auf der Website der Autorin ist - ganz aktuell - auch ein Text über den Inzestfall Amstetten aufzufinden.

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Elfriede Jelinek
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