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Mi, 08.10.2008
Kunst
Großer Österreichischer Staatspreis an Karl Prantl
Der Bildhauer Karl Prantl erhält den Großen Österreichischen Staatspreis 2008, die höchste Kunst-Auszeichnung der Republik Österreich. Das wurde heute, Mittwoch, einen Tag vor der Verleihung der Preises für 2007 an den Autor Josef Winkler bekannt. Prantl, der die Ehrung wenige Tage nach seinem 85. Geburtstag, den er am 5. November feiert, entgegennehmen wird, hatte im Sommer durch einen Brief der Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) von der Entscheidung erfahren, die das Ministerium bisher noch nicht veröffentlicht hat.

Prantl sieht der Ehrung mit gemischten Gefühlen entgegen, wie er der APA erzählte: "Ich bin früher öfter dafür genannt worden, habe aber immer gesagt: Ich brauche keine Ehrung, wenn mein Lebenswerk im Steinbruch St. Margarethen nicht anerkannt und akzeptiert wird. Das ist mein Dilemma gewesen. Einzelkünstlertum war bisher nicht mein Leben - und das wird auch so bleiben."

Ein Leben für den Stein
Während der andere große politische Bildhauer Österreichs der vergangenen Jahrzehnte, Alfred Hrdlicka, seinen Skulpturen die rohe Gewalt der verarbeiteten Ereignisse wie der manuellen Bearbeitung des Materials buchstäblich eingehämmert hat, bestechen die Steine Prantls durch sanfte, organisch wirkende Formen. In seinen "Zwiesprachen mit dem Stein" gestaltet er fein polierte Einbuchtungen und Auswüchse oder macht Durchblicke möglich. Die Arbeit ist für ihn kein Ringen, sondern eine sinnlich-spirituelle Auseinandersetzung mit dem Naturmaterial Stein, das "ein Wesen ist wie Sie und ich und wir alle".

Wenn der burgenländische Bildhauer Karl Prantl am Stein arbeitet, dann vermeidet er "auf der Suche nach der Abstraktion" zwar konkrete, figurale Formen - an die politische Dimension seiner Arbeit hat er aber immer geglaubt. Einerseits durch seine "Meditationssteine", die er als "Vehikel, als Mittel zur Findung des Geistigen" begreift, andererseits durch konkrete Aktivitäten wie das internationale Bildhauersymposium in St. Margarethen.

Künstlerkarriere nach dem Zweiten Weltkrieg
Karl Prantl wird am 5. November 1923 in burgenländischen Pöttsching geboren, wo sich - neben Wien - auch heute noch Atelier und Wohnort befinden. Im Zweiten Weltkrieg ist er als Soldat auf Kreta eingesetzt. 1946-52 studiert er an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh Malerei, wendet sich jedoch bald der Bildhauerei zu. Im Winter 1950/51 entstehen die ersten Skulpturen.

Prantl richtet sich eine Werkstatt im elterlichen Haus ein. 1958 arbeitet Prantl erstmals länger im Steinbruch St. Margarethen, der seine weitere Tätigkeit stark bestimmen wird. Im Auftrag der burgenländischen Landesregierung meißelt er einen "Grenzstein". Dieser wird später Jahrzehnte lang in Nikolsdorf an der österreichisch-ungarischen Grenze stehen.

Engagement für St. Margarethen
1959 organisiert Prantl das erste internationale Freiluft-Bildhauersymposium im Steinbruch St. Margarethen. Dabei steht neben dem Erfahrungs-Austausch mit Kollegen aus aller Welt - die später nach Prantls Vorbild häufig auch in ihren Heimatländern ähnliche Treffen organisieren - immer auch eine politische Intention im Vordergrund. Den "Eisernen Vorhang" bekämpft er von Anfang an, ebenso wie die Berliner Mauer: Von September 1961 bis August 1962 versucht er auf dem Platz der Republik gemeinsam mit Kollegen der neu errichteten Mauer mit Skulpturen eine humane Botschaft entgegenzusetzen: "Wir haben probiert, die Mauer zu Fall zu bringen."

1965 bezieht Prantl, dessen beide Kinder sich ebenfalls künstlerisch betätigen (Tochter Katharina ist Malerin, Sohn Sebastian Tänzer und Choreograph), im Wiener Prater ein Atelier in einem ehemaligen Gebäude der Weltausstellung, das ihm noch immer als Wiener Stützpunkt dient. Internationale Würdigungen erfährt Prantl, zu dessen bekanntesten Werken der "Nürnberger Kreuzweg" aus Steinplatten der Aufmarschstraße des NS-Reichsparteitagsgeländes zählt, in zahlreichen internationalen Ausstellungen. 1986 war er Österreichs Vertreter bei der Biennale in Venedig.

Der Große Österreichische Staatspreis
Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und wird seit 1950 im Jahresrhythmus ohne festgelegtes Rotationsprinzip an österreichische Künstler der Sparten Literatur, Musik, Bildende Kunst und Architektur vergeben. Die Preisträger der vergangenen Jahre waren 2002 Heinz Karl Gruber in der Sparte Musik, 2003 Siegfried Anzinger im Bereich Bildende Kunst, 2004 Günther Domenig für Architektur, 2005 Hermann Nitsch für Bildende Kunst, 2006 der Komponist Georg Friedrich Haas und 2007 Josef Winkler in der Sparte Literatur.

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Karl Prantl
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