Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Einmal hier, einmal dort ... Multilokales Wohnen
Gestaltung: Brigitte Voykowitsch

Multilokalität, das heißt, wohnen an mehreren Orten, gab es schon immer. So zogen Bauern früher im Winter auf Arbeitssuche in die Stadt. Almbauern verließen im Herbst die Alm, Seefahrer und Handwerker waren häufig über Jahre hinweg unterwegs. Das Ausmaß des multilokalen Wohnens hat sich jedoch in den vergangenen Jahrzehnten auf nie zuvor dagewesene Dimensionen gesteigert, und auch die Formen haben sich verändert. So wie die Bastelbiografie die Normalbiografie ablöst, wird auch die Wohnbiografie brüchiger.

Multilokal wohnen Kinder getrennt lebender Eltern ebenso wie Akademiker, Unternehmer oder Manager von internationalen Großkonzernen, die in allen Teilen der Welt Projekte betreuen müssen. Multilokales Wohnen ist Ausdruck ökonomischer Zwänge ebenso wie kultureller Differenzierung. Die individuellen Motive und Beweggründe sind vielfältig und komplex. Europaweit haben Soziologen und Soziologinnen begonnen, dieses Phänomen im Detail zu erforschen. Dabei stellt sich auch die Frage, welche Folgen multilokales Wohnen für die Städte mit sich bringt. Wie ist das Verhältnis der Menschen zu den Orten, an denen sie nur mehr zeitweise leben, inwieweit sind sie noch bereit, sich für lokale Anliegen zu engagieren?

Wer keinen festen Wohnsitz hat, wird auch nicht in die lokalen Etatberechnungen mit einbezogen, auch wenn er die örtlichen Infrastrukturen nutzt. Multilokales Wohnen ist damit ein Thema, das nicht nur individuelle Biografien betrifft, sondern die Gesellschaft insgesamt und insbesondere auch die Stadtpolitik.

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