Innovation.Leben

Die Lebensmittelkooperative "Bioparadeis" verzichtet auf den Supermarkt und fördert lokale Bauern
Gestaltung: Anna Masoner
Redaktion: Wolfgang Ritschl

In einem Ladenlokal im Erdgeschoss eines Wiener Gründerzeitbaus im 18. Bezirk stehen dicht an dicht Regale. In diesen lagern Steigen und Kisten voller Gemüse und Getreide sowie Wein- und Saftflaschen. In der Ecke steht ein großer Kühlschrank, gefüllt mit etikettierten Milchflaschen, Käse und Eiern.

Gegen das Ausbluten von Biobauern

Die Studentin Ulli Jaklin ist schon seit 2007, seit der Gründung von "Bioparadeis" mit dabei. Jede Woche bestellt sie das, was sie an Obst und Gemüse oder Milchprodukten braucht, und holt es sich die Woche darauf im Lager ab.

Gegründet wurde die Lebensmittelkooperative, die ihre Lebensmittel direkt von Bauern aus der Umgebung bezieht, vor sechs Jahren von einer Gruppe Menschen, die das Gefühl vereinte, dass etwas falsch läuft. Periodisch auftretende Lebensmittelskandale sind nur das Tüpfelchen auf dem I. Biolandwirte und konventionelle Betriebe müssen so produzieren, dass für die Konzerne, an die sie liefern, der maximale Profit herausschaut. Die Folge: Bauernsterben, Überschussproduktion und Bioprodukte, die nicht viel nachhaltiger sind als gewöhnliche.

Foodcoop-Boom in Wien

Mittlerweile hat "Bioparadeis" ca. 60 Mitglieder. In Wien erleben Foodcoops derzeit einen kleinen Boom. In den vergangenen Jahren sind acht entstanden. Ernährungssouveränität ist das Schlagwort, das sich alle Lebensmittelkooperativen auf die Fahnen geheftet haben. Ihre Mitglieder wollen selbst entscheiden, wie ihre Nahrung hergestellt wird. Saisonal, regional, ökologisch, sozial gerecht und transparent produziert sind für sie wichtige Kriterien. Ganz friktionsfrei ist das Gründen einer Foodcoop nicht, sagt Ulli Jaklin. Doch weder Zwischenmenschliches noch die Suche nach Produzenten stellen die größten Hürden dar. Es ist überraschenderweise das Finden von geeigneten Räumlichkeiten.

Der Kampf mit gesetzlichen Rahmenbedingungen

Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen bereiten den Foodcoop-Mitgliedern sowie Marktamt-Mitarbeitern Kopfzerbrechen. Denn sie passen nicht ins gängige Raster: privat versus öffentlich, auf Gewinn ausgerichtet oder nicht. "Seit zwei Jahren haben wir mit vielen Anwälten gesprochen. Für fast alles ist das Neuland. Wir sind privat organisiert, haben aber den rechtlichen Rahmen des Vereins, und sind nicht eindeutig zuordenbar" sagt Ulli Jaklin. Auch die meisten Produzenten und Lieferanten der Foodcoops kämpfen mit gesetzlichen Rahmenbedingungen. Denn diese sind meist auf industrielle Großbetriebe zugeschnitten. "Am Hof schlachten, was für Tiere viel stressfreier ist, können die meisten Bauern gar nicht mehr, weil sie die strengen Auflagen nicht erfüllen können."

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