Hörbilder

Der Gedanke kann warten, er hat keine Zeit.
Arnold Schönbergs Erfindung, die Notenschreibmaschine, und ein Kunstdiebstahl in New York. Szenische Collage von Stefan Weber

Der Wegbereiter der musikalischen Avantgarde, Kunstmaler, Aphorismenschreiber und Erfinder witzelt in einer seiner Schriftensammlungen: "Sensationelle Erfindung: Notenschreibmaschine. Schreibt selbsttätig alle Stile vom modernsten bis zum ältesten. Viele unvorhergesehene Effekte!!!"

1909 hat der damals 35-jährige Arnold Schönberg das mechanisch hochkomplizierte Gerät tatsächlich ernsthaft durchdacht: "Mit meiner Maschine lässt sich alles, was man mit Handschrift erzielen kann, herstellen. Eines ist sicher und wurde von allen Fachleuten anerkannt: Ich habe eine vollständige Lösung des Problems gefunden."

Gebaut wird sie allerdings nie. Verschiedene Formfehler in der Patentschrift verhindern die Zulassung durch das Patentamt und Schönbergs prekäre finanzielle Lage den Bau eines Prototypen. Auch die Maschinenindustrie zeigt kein Interesse. So schreibt Schönberg an die Firma C.G.Röder, Notendruckerei in Leipzig: "Da ich bis heute Ihrerseits keine Entscheidung über mein Ihnen angebotenes Patent habe, bitte ich Sie daher, da Sie ja offenbar ohnehin den Wert meiner Erfindung nicht einsehen, mir mein Material zurückzuschicken."

Sommer 2012 in New York: Das Austria Culture Forum zeigt die Ausstellung "Against the Specialist"- Eine Gegenüberstellung aktueller Arbeiten herausragender Künstler mit Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts soll zeigen, welch grundlegende Rolle Schönberg als Vorreiter in verschiedenen Disziplinen eingenommen hat und wie sich das künstlerische Selbstverständnis innerhalb eines Jahrhunderts verändert hat.

Die Wiener Künstlerin Claudia Märzendorfer zeigt ihre in Tinteneis gegossene Notenschreibmaschine, die sie nach dem Vorbild von Schönbergs Skizzen angefertigt hat. Die tiefgefrorene Skulptur schmilzt auf einem Stapel Notenpapier und die fließende Tinte "schreibt" die Partitur. Die Notenblätter werden aus der Galerie gestohlen. Rechtsanwälte, Versicherungen und die Künstlerin streiten zwischen New York und Wien um den Versicherungswert der gestohlenen Arbeit. Claudia Märzendorfer:
"Ich bin jetzt etwas irritiert (um freundlich zu bleiben) wie ich behandelt werde. Ich bin es eigentlich leid, gegen diese Respektlosigkeit zu kämpfen, schulde es aber meinen Kolleginnen und Kollegen. Wo sollte Achtung vor kulturellem Schaffen sein, wenn nicht in den Räumen, in denen sich Österreich kulturell darstellt?"

Die Schrift- und Briefwechsel der beiden Episoden bilden den literarischen Ausgangspunkt einer akustisch-musikalischen Zeitreise durch hundert Jahre - von Schönberg zu Märzendorfer - in der künstlerische Visionen, Utopien und Vergänglichkeiten im Zentrum stehen.

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