Ambiente

Reisen mit Ö1. Reisemagazin "Literatouren", u. a. mit: "Hay-on-Wye." Im Königreich der Bücher. Ein Lokalaugenschein von Julia Reuter
"Buenos Aires mit Inbrunst." Jorge Luis Borges und "sein" Stadtviertel Palermo. Von Christina und Martin Höfferer
"Mortimer und Miss Molly." Vom Ort der Inspiration. Eine Ambiente-Spurensuche

Die walisische Kleinstadt Hay-on-Wye liegt direkt an der Grenze zu England und gilt als das erste so genannte Bücherdorf der Welt. Fast 40 Buchläden soll es in diesem Ort geben, mehr Bücher pro Quadratmeter als an jedem anderen Ort der Welt. Allerdings handelt es sich dabei fast ausschließlich um Second-Hand-Ware. Jährlich findet Ende Mai bis Anfang Juni ein zehntägiges Literaturfestival statt, das von Bill Clinton als "Woodstock für den Geist" bezeichnet wurde. Geschaffen wurde das Bücherdorf Ende der 1970er Jahre von Richard Booth, der sich selbst zum König von Hay-on-Wye ernannte.

"Buenos Aires ist eine Hauptstadt der Imagination, die stadtgewordene Allegorie der Zivilisation, ein Babel und ein Ort der multiplen Diaspora." Soweit das Bild, das Literaturwissenschafter/innen von der Hauptstadt Argentiniens heraufbeschwören, wenn sie das Werk von Jorge Luis Borges beschreiben. Borges ist "der Dichter" von Buenos Aires. Bereits in seinen ersten literarischen Werken ging er der Beziehung zu seiner Stadt nach und erforschte diese in für ihn so typischen fantastischen Geschichten. "El fervor de Buenos Aires", "Buenos Aires mit Inbrunst" lautet der Titel von Borges erstem Gedichtband. Borges, geboren am 24. August 1899, war das Zentrum einer Runde junger Intellektueller, die die argentinische Literatur erneuern wollten. Im Mittelpunkt von Borges' Buenos Aires steht das Stadtviertel Palermo, zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Gegend, wo Konflikt und Gewalt an der Tagesordnung stehen. Borges wird diese Stimmung literarisch verewigen. Heute ist Palermo hip und schick, voller Boutiquen, Cafés und Restaurants.

Seit mehr als 30 Jahren fährt der Schriftsteller Peter Henisch nach San Quirico d'Orcia, einer kleinen Stadt in der Südtoskana. Viele Bücher hat Henisch in diesem Refugium geschrieben, aber erst in seinem neuesten Roman, "Mortimer & Miss Molly" erzählt er eine Geschichte, die direkt mit San Quirico zusammenhängt. Mortimer war ein US-Soldat, der 1944 mit dem Fallschirm im malerischen Renaissancegarten der Stadt landete, nachdem die Deutschen sein Flugzeug abgeschossen hatten. Miss Molly war die englische Gouvernante von Kindern einer berühmten Adelsfamilie, den Chigis, die in einem kleinen Haus in der Stadtmauer wohnte, die auch den Park umschließt. Sie versteckt Mortimer, der von den Deutschen gesucht wird und es entspinnt sich eine geheime Liebesgeschichte, zwischen dem jungen amerikanische GI und der um 20 Jahre älteren Lady. Als die Gäste aus Österreich Mortimer Jahrzehnte später in einem kleinen Albergo kennenlernen, ist Molly schon längst tot und Mortimer ein alter Mann, der gewisse Ähnlichkeiten mit Hemingway hat. Er beginnt seine Geschichte zu erzählen, aber am nächsten Tag ist er verschwunden und ward nicht wieder gesehen. So viel ist wahr, in diesem Roman, vieles andere ist Fiktion, die aber vom Ort, seinen Menschen und ihren Erzählungen inspiriert ist.
Redaktion: Ursula Burkert

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SA | 07 Dezember 2013