Da capo: Im Gespräch

Renata Schmidtkunz spricht mit der Künstlerin Dwora Fried

"Wien ist eine Hassliebe. Es ist mir vertraut, aber ich könnte hier nicht mehr leben." Das sagt die in Wien geborene und in Hollywood lebende Künstlerin Dwora Fried. So vertraut ihr die Stadt ist, so unbehaust fühlt sie sich hier. Kein Wunder: hat sie doch ihre gesamte Kindheit in Wien als Außenseiterin erlebt. Ihre Eltern waren Holocaust-Überlebende: der Vater, ein Rechtsanwalt, der nach dem Krieg seinen Klienten Wiedergutmachungszahlungen aus der BRD erkämpfte, flüchtete 1938 von Wien nach Palästina. Ihre Mutter, die aus Krakau stammte, hatte als Kind Auschwitz und Bergen-Belsen überlebt. In Israel waren sie einander begegnet und fuhren auf Hochzeitsreise nach Wien. Und blieben.

Dwora, geboren 1951, verließ Wien mit 18 Jahren, um in Tel Aviv Philosophie und Französisch zu studieren. Doch dann kam alles anders: sie begann als Fotokünstlerin zu arbeiten. Heute erschafft sie in Boxen so groß wie Schuhkartons Universen ihrer Erinnerung, ihrer Familiengeschichte, ihres Selbstempfindens als Frau, Mutter, Geliebte.
Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember stellte sie ihre Boxen zum ersten Mal in Wien aus.
Seit Jahren sammelt sie Kinderspielzeug auf den Flohmärkten der Welt: kleine Puppen, Möbel, Ungeheuer, Aktenabhefter, Plastikblumen, Schuhe und so weiter und arrangiert sie zu dreidimensionalen Filmbildern ihrer Fantasie. Das Wien und Österreich immer wieder ein Bezugspunkt, auch ein Schmerzpunkt und ein Hoffnungspunkt ist, macht ihre Arbeiten nur noch dichter.

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