Radiokolleg - Tarantella - Volkstanz aus Süditalien

Trance, Therapie und Tradition (1). Gestaltung: Anna Masoner

Ein schneller, fast tranceartiger Rhythmus und ein Tamburin als Begleitinstrument: Auf diesen Nenner kann man den in Süditalien entstandenen Volkstanz bringen. Die Tarantella ist dabei ein Überbegriff für verschiedene regionale Tänze wie die Pizzica aus Apulien, die Tammuriata aus Kampanien oder die Viddaneddha aus Kalabrien.

Vermutlich stammt der Name von der Stadt Tarent in Apulien. Der Volksmund leitet den Begriff jedoch von einer im Mittelmeerraum verbreiteten Spinne ab, der Tarantel (Lycosa Terentula). Der Biss der Spinne hätte bei Frauen eine Tanzwut ausgelöst. Erste medizinische Beschreibungen des Phänomens finden sich schon Ende des 15. Jahrhunderts. Neben körperlichen Beschwerden zählt auch Melancholie und ein starker Bewegungsdrang zu den Symptomen der sogenannten "tarantati", der von der Tarantel gestochenen, schreibt die Musikwissenschafterin Andrea Korenjak. Als therapeutisches Mittel wird den Kranken Musik vorgespielt, um sie zum Tanzen zu bringen. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts verschwindet das Phänomen von der Bildfläche.

Seit ein paar Jahren werden die Tarantella und der Tarantismus wiederentdeckt. Allerdings nicht in seiner therapeutischen Funktion, sondern als identitätsstiftendes Symbol. Als Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins des unterprivilegierten italienischen Südens.

Service

Ernesto de Martino: "La terra del rimorso. Contributo a una storia religiosa del Sud", Il Saggiatore, 1961

Andrea Korenjak: "Musik und rituelle Heilung am Beispiel des Tarantismus - Historische, ethnologische und psychologische Reflexionen". In: Musik und Religion. Kulturpsychologische Perspektiven. Springer 2012

"Gestern und heute von der Tarantel gestochen" - Artikel auf science.ORF.at
La Taranta - Dokumentarfilm von Gianfranco Mengozzi auf youtube
Tarantella Workshops in Österreich
Festival La Notte della Taranta

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