Gedanken für den Tag

von Alexander Tschernek, Schauspieler. "Jeder Tag hat seine eigenen Sorgen" - Pragmatische Meditationen über Geist und Geld und Gutesleben. Gestaltung: Alexandra Mantler

Welt-Spar-Tag

Weltspartag. Welt-spar-tag? Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen... Welt Spar Tag. Für mich erstmal ein Ruf aus anderer Zeit, aus Kinderzeit in den 1970er Jahren, wo man von der Bank ein Sparschwein mit Schlüssel (den die Bank aber behielt!) geschenkt bekommen konnte, das auch eine Einbruchsicherung in Form von Metallzacken hatte, die verhinderten, dass das, was einmal drin war, auch ja nicht in einer schwachen Stunde einer Begierde oder eines Lüstchens wieder herauskam. Drin ist drin. Und das Sparschwein wurde dann auch einmal im Jahr - am Weltspartag - geschlachtet, d.h. zur Bank getragen, wo es von seinen Innereien, kleineren und größeren Münzen, befreit wurde, die dann als Zahl Eingang ins Sparbuch fanden, aber nicht nur als Zahl - als Schatz, als Reichtum, als GUTHABEN! Gut-Haben: auch so ein Wort, das man sich auf der Zunge zergehen lassen und in das man hineinlauschen kann...! "Ich habe etwas gut!", "Ich hab was Gutes, ich hab Geld...!"

Als Kind habe ich mir freilich nicht so viele Gedanken gemacht - ich versuche das zu rekonstruieren, wie das damals für mich war: das Hineinwachsen in die Werte-Gesellschaft der Wirtschaftswunderzeit, in der uns die Nachkriegs-Eltern mehr oder minder zum Sparen erzogen haben, nach bestem Wissen und Gewissen - auf dass wir nicht Hunger leiden müssten, auf dass wir es einmal besser haben mögen als sie in ihrer Kindheit. Verständlich, der Wunsch nach Sicherheit! Aber erst mal habe ich während meiner Kindheit in München gelernt, dass eine Kugel Eis 10 Pfennig kostet und eine Fahrt im Kettenkarrussell auf dem Oktoberfest 1 Mark fünfzig - ja, das sind prägende Referenzpunkte für das Kind, das anfängt zu lernen zu zahlen, zu sparen und sich zu belohnen. Fürs Oktoberfest habe ich übrigens ein zweites, nichtoffizielles, ein Nichtbankensparschwein mit eigenem Schlüssel gehabt; also im vollumfänglich selbstbestimmten und -verfügbaren Eigenbesitz. Hatte ich vielleicht damals schon ein Misstrauen den Banken gegenüber? Keine Ahnung. Vermutlich nicht. Misstrauen und Vertrauen - das sind dann schon wieder neue Gedanken - für einen anderen Tag - vielleicht morgen.

Service

Alexander Tschernek
Projekt Bank für Gemeinwohl
Das Lied von der belebenden Wirkung des Geldes - Ö1-CD
29.10. RadioKulturhaus: PHILOSOPHIE PUR - ALEXANDER TSCHERNEK & FRIENDS

CD: Alexander Tschernek, "Geist und Geld und Gutesleben", ORF-CD773

Buch: Christian Felber, "Geld - Die neuen Spielregeln", Verlag Deuticke
Buch: Christian Felber, "Die Gemeinwohlökononie - Das Wirschaftsmodell der Zukunft", Verlag Deuticke

Buch: Daniel Häni, Philip Kovce, "Was fehlt, wenn alles da ist? - Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt", Verlag Orell Füssli

Buch: Sören Kierkegaard, Gesammelte Werke und Tagebücher, hersg. von E. Hirsch, H. Gerdesund H.M. Junghans Band 19, Zur Selbstprüfung der Gegenwart anbefohlen ( 27. / 29. Abt.), Grevenberg Verlag Dr. Ruff & Co. OHG, Simmerath 2003

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Playlist

Titel: GFT 151019 Gedanken für den Tag / Alexander Tschernek
Länge: 03:49 min

Sendereihe

Gestaltung