Leporello

Wolf Wondratschek über die neue Ausgabe seiner "Raoulito"-Gedichte

"Wenn Sie mich früher direkt gefragt hätten: könnten Sie sich je vorstellen, einen Kinderwagen durch die Straßen zu schieben? Dann hätte ich gesagt: Das wird man bei mir wahrscheinlich nie erleben."

Bekanntlich soll man niemals nie sagen. Der Schriftsteller Wolf Wondratschek ist tatsächlich eher als wilder Kerl denn als Mann mit Kinderwagen bekannt. Die Protagonisten seiner Bücher sind Boxer, einsame Männer, verruchte Frauen und enttäuschte Liebhaber; liebende Väter, die Oden an ihre Babys schreiben, waren bis jetzt noch keine darunter. Jetzt ist das anders.

"Früher begann der Tag mit einer Schusswunde" hieß das erste aufsehenerregende Buch Wondratscheks Ende der Sechzigerjahre. Damals pflegte der Deutsche des Jahrgangs 1943 den Ruf, eine unstete und ungesunde Existenz im Rotlicht-, Drogen- und Trinkermilieu zu führen. Dann griff der Dichter eines Tages tatsächlich zum Fläschchen - um ein Kind zu versorgen: seinen im Sommer 1991 geborenen Sohn Raoulito.

Am Tag von Raoulitos Geburt begann der Jungvater Gedichte für sein Kind zu schreiben, die er im Vorjahr erstmals veröffentlichte. Soeben ist diese Lyrik in einer neuen limitierten und handgefertigten Auflage erhältlich. "A Life without a Dentist. Raoulito-Gedichte" heißt der Schmuck-Band aus der Edition Ornament. Kommenden Mittwoch wird Wolf Wondratschek die Verse in Andre Hellers Sendung ‚Menschenkinder' auf ORF III vorstellen. - Gestaltung: Christa Eder
(Erstsendung am 12.12. 2014)

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