Ö1 bis zwei

mit Teresa Vogl. Walter Braunfels: Orchesterlieder zwischen Nachtigall und Soldatengrab

Constanze Mozart, Alma Mahler, Yoko Ono - ein Raunen steigt auf, wenn diese Namen fallen. Von den Frauen großer Musiker ist meistens nur die Rede, wenn sie ihren Mann betrogen, ausgenutzt, ihn aus der Sicht seiner Verehrer auf Abwege gebracht haben oder alles zusammen. Bereits der Verdacht reicht aus. Bertel, die Frau des Komponisten Walter Braunfels war 45 Jahre lang skandalfrei bis zu seinem Tod mit ihm verheiratet - folglich kennt sie auch keiner. Und doch hat sie stark auf sein Schaffen und seinen Stil eingewirkt.

Ein Freund des Paares, der Dirigent Hellmut Schnackenburg, meinte einmal über die Tochter des damals europaweit berühmten Bildhauers Adolf von Hildebrandt, sie sei das größte Glück und das größte Unglück zugleich für ihren Mann gewesen: Glück in puncto ihrer überströmenden Güte und Geistigkeit, Unglück infolge ihres Verhaftetseins in der klassischen Welt. Das eigentliche Wesen Braunfels', meinte der Freund, sei skurril, verstiegen und dämonisch-ironisch gewesen, wie er es in seiner ersten Oper "Prinzessin Brambilla" auslebte. Bertel aber war tief gläubig und bekehrte eine Reihe von Freunden zum katholischen Glauben - so auch ihren Mann, Sohn eines Juden und einer Protestantin.

Wie die Liebe es mit den Liebenden macht, so entrückt Walter Braunfels die Zuhörer in eine andere Welt mit seinen Orchesterliedern: Mit einem irisierenden Farbspektrum der Instrumentierung. Wie sein Vorbild Hector Berlioz hatte er erkannt, dass durch den Orchesterklang dem Lied eine Dramatik in die Glieder gejagt werden kann, die dem Klavierlied versagt ist. Tief berühren, das kann ein Klavierlied ebenso gut - aber jenes Mitgeschleiftwerden vom Schicksal, dieses Hin- und Hergeworfenwerden zwischen Todesangst und Hoffnung, höchstem Triumph und abgrundtiefer Verzweiflung, das ließ sich mit einem Orchester ungleich intensiver vermitteln. Einen Opernkomponisten wie Braunfels musste das reizen.

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Playlist

Komponist/Komponistin: Walter Braunfels nach Aristophanes (aus der Oper "Die Vögel")
Titel: Vorspiel und Prolog der Nachtigall op. 30 No. 3 für Koloratursopran und Orchester
Solist/Solistin: Valentina Farcas, Sopran
Anderer Einzeltitel: Staatskapelle Weimar
Leitung: Hansjörg Albrecht
Länge: 08:15 min
Label: OehmsClassics OC 1846

Komponist/Komponistin: Johann Sebastian Bach
Titel: Magnificat D-Dur BWV 243, daraus:
* Eröffnungschor
Anderer Einzeltitel: Münchener Bachorchester
Anderer Einzeltitel: Münchener Bachchor
Leitung: Hansjörg Albrecht
Länge: 02:40 min

Komponist/Komponistin: Hans ROTT
Titel: Symphonie E-Dur
* Alla breve
Leitung: HANSJÖRG ALBRECHT
Orchester: MÜNCHNER SYMPHONIKER
Länge: 08:47 min
Label: OEHMS CL./GRAMOLA OC1803

Komponist/Komponistin: Walter Braunfels
Titel: Hermann Hesse
Titel: Auf ein Soldatengrab op. 26 (1915)
Solist/Solistin: Michael Volle, Bariton
Anderer Einzeltitel: Staatskapelle Weimar
Leitung: Hansjörg Albrecht
Länge: 04:10 min
Label: OehmsClassics OC 1846

Komponist/Komponistin: Georg Friedrich Händel
Bearbeiter/Bearbeiterin: Hansjörg Albrecht
Titel: Concerto C-Dur (aus Saul HWV 53), daraus:
* 3. Allegro
Solist/Solistin: Martin Schmeding, Orgel
Anderer Einzeltitel: Münchner Bach-Orchester
Leitung: Hansjörg Albrecht
Länge: 02:45 min
Label: OehmsClassics OC 1821

Komponist/Komponistin: Hector Berlioz
Bearbeiter/Bearbeiterin: Hansjörg Albrecht
Titel: Symphonie fantastique op. 14, daraus:
* Un Bal
Solist/Solistin: Hansjörg Albrecht, Orgel
Länge: 06:45 min
Label: OehmsClassics OC 692

Komponist/Komponistin: Walter Braunfels
Titel: Don Juan op. 34 (1922-24) - Eine klassisch-romantische Phantasmagorie für großes Orchester über die "Champagner-Arie" aus Mozarts Oper Don Giovanni, daraus:
* 1. Introduktion & Thema
* 2. Variation 1: Allegro
* 3. Variation 2: Allegro
* 4. Variation 3: Allegro con brio
Anderer Einzeltitel: Staatskapelle Weimar
Leitung: Hansjörg Albrecht
Länge: 13:35 min
Label: OehmsClassics OC 1846

Sendereihe

Gestaltung