Radiokolleg - Transgender und Intersex

Wie viele Geschlechter hat der Mensch? (1).
Gestaltung: Christa Nebenführ

Im Bundesstaat North Carolina der USA ist ein verwirrender Streit um die Benutzung von Toiletten ausgebrochen. Nach dem sogenannten "House Bill 2"-Gesetz (HB2) müssen Transgender-Personen künftig jene Toilettenanlagen benutzen, die dem Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde entsprechen. Mittlerweile haben Stars wie Bruce Springsteen, Bryan Adams, Ringo Starr und die Band Pearl Jam dort geplante Konzerte aus Protest gegen diese Diskriminierung abgesagt.

Diese Nachricht wirft für viele Medienkonsument/innen eine Reihe von Fragen auf: Wen bezeichnet man korrekt als Transgender? Wie unterscheiden sich Transgender-Personen von Transsexuellen und Intersexuellen? Und warum wird der Benutzung bestimmter Toiletten so eine große Bedeutung zugemessen?

Christa Nebenführ hat in der Fachliteratur nach präzisen Definitionen für sexuelle Zuschreibungen gesucht und Interviews mit Betroffenen geführt. Wie äußert sich das Empfinden, einem anderen Geschlecht als dem biologisch angeborenen anzugehören? Und wie beeinflusst die gesellschaftliche und rechtliche Situation die psychische Stabilität von Menschen, die sich mit keinem der beiden Geschlechter männlich oder weiblich identifizieren können. Das führt zur Recherche über die Rechtslage für LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) in Österreich und zur kulturtheoretischen Frage, was "Geschlecht" überhaupt bedeutet.

In Australien, Bangladesch, Argentinien, Dänemark, Deutschland, Indien, Kolumbien, Malta, Nepal, Neuseeland und Pakistan besteht gegenwärtig die Möglichkeit, in amtlichen Ausweisen statt "m" (male) oder "f" (female) auch "x" (other) auszufüllen. Zum Teil beruht dies auf alten kulturellen Traditionen wie jener der Hijras in Indien, einer Gemeinschaft, die sich auf religiöser Basis als drittes Geschlecht bezeichnet. Es sind meistens geborene Männer, von denen viele eine rituelle Kastration an sich durchführen lassen.

In der westlichen Welt hat die amerikanische Philosophin Judith Butler mit ihrem Werk "Gender Trouble" 1990 Aufsehen erregt. Darin versucht sie, die kulturelle Konstruktion der Kategorie "Geschlecht" darzulegen. Davon ausgehend ist es interessant zu untersuchen, welche Rolle mediale Inszenierungen bei der Ausbildung einer individuellen Geschlechteridentität spielen.

Neben der theoretischen Basis wird in diesem "Radiokolleg" auch nachgeforscht, wie und unter welchen Umständen eine geschlechtsanpassende Operation durchgeführt wird, und inwiefern sie sich von der in Europa verbotenen Genitalbeschneidung unterscheidet.

Service

Jeffrey Eugenides: Middlesex (Hamburg 2003)
Judith Butler (Autorin), Kathrina Menke (Übersetzerin): Das Unbehagen der Geschlechter (Tb Frankfurt a. M. 1991)
Virginia Woolf: Orlando - eine Biographie. (Frankfurt a. M. 1992)
O. A. Orlando - A Biography. Hogarth Press, London 1928
Eva Fels: Auf der Suche nach dem dritten Geschlecht (Wien 2005)
Thomas Meinecke: Tomboy (Frankfurt a. M. 2000)
Claus Overzier (Hrsg.): Die Intersexualität, (Stuttgart 1961, vergriffen)
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